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Abitur in Bayern:Ein Konzept mit Handlungsbedarf

Abitur

Das Abitur in Bayern soll sich für die Schüler im neuen G9 deutlich ändern.

(Foto: dpa)

Die Rückkehr zum G9 und die Reform des Abiturs könnten Ruhe an die Schulen bringen. Doch davor gibt es noch einiges zu tun.

Kommentar von Anna Günther

Fünfundzwanzig Jahre lang Ruhe an den Schulen hatte sich der frühere CSU-Kultusminister Ludwig Spaenle von der Rückkehr zu neun Jahren Lernzeit am Gymnasium erhofft. Und weniger Ärger für die Staatsregierung. Das war 2017, Spaenle war der dritte Minister, der sich mit dem Streit ums G 8 herumschlagen musste. Nun stellte sein Nach-Nachfolger Michael Piazolo den letzten Baustein des Konzepts vor, das diese Ruhe am Gymnasium sichern soll. Das Konzept sieht auf dem Papier sehr gut aus und es entspricht den Wünschen vieler Schüler, Eltern und auch Lehrer. Dass die Verbände in den Prozess einbezogen wurden, garantierte deren Stillhalten.

Aber damit das Konzept mehr ist als nur ein Papier, muss Piazolo nun handeln: Noch gibt es Wartelisten mit angehenden Gymnasiallehrern, die gute Noten haben, aber keine Jobaussichten. Diese muss er rasch einstellen und nicht erst 2024, wenn die G-9-Schüler in die Oberstufe kommen. Zu tun ist ohnehin genug: Um mit Förderkursen die Lücken der Schüler aus der Corona-Zeit zu schließen, werden zusätzliche Lehrer gebraucht, die nicht im regulären Unterricht verplant sind. Dass der FW-Minister Piazolo allein nicht entscheiden kann, ist klar, aber er kann aus den Fehlern seiner CSU-Vorgänger lernen: Der Lehrermangel an den Grund-, Mittel- und Förderschulen ist ein Erbe, das so schnell weder Ruhe noch Ruhm bringt.

Piazolo muss den Ministerpräsidenten davon überzeugen, beim Gymnasium vorausschauender zu agieren - und keine Kosten zu scheuen. Auch wenn die Reform des Gymnasiums mit 1450 Stellen und weiteren Millionen zur Besänftigung der anderen Schularten wahrlich kein Schnäppchen ist. Markus Söder ist spendabel, wenn er für ein Thema brennt. Das zeigten nicht zuletzt die milliardenschweren Investitionen in die Hightech-Agenda. Auch wenn die Corona-Hilfen den finanziellen Spielraum in Bayern schmälern, so muss klar sein, dass sich Investitionen in die Bildung besonders lohnen. Nur so wird Bayern seinem Anspruch gerecht, bei Bildungsdingen in Deutschland vorne mitzumarschieren. Und nur so kann Ruhe an den Schulen einkehren.

© SZ vom 02.07.2020/vewo
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