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Ansbach:Supermarkt-Räuberin muss elf Jahre in Haft

Beginn Prozess wegen schweren Raubes in vier Fällen

In Hand- und Fußfesseln wartet Karin S. auf den Prozessbeginn. Wegen schweren Raubes droht ihr eine lange Haftstrafe.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Karin S. hat vier Supermärkte bewaffnet überfallen.
  • Beim Prozess in Ansbach legte die Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab.
  • Sie forderte für sich selbst eine lange Haftstrafe. Nun muss Karin S. für elf Jahre ins Gefängnis.

Von Olaf Przybilla, Ansbach

Die Angeklagte Karin S. wird gefragt, ob sie Angaben zur Person machen will. Sie wird beschuldigt, vier Supermärkte bei laufendem Betrieb überfallen zu haben, maskiert, links und rechts jeweils eine Pistole in der Hand.

Die Anklageschrift liest sich wie das Drehbuch zu einem etwas knallig geratenen Kinofilm aus den Neunzigerjahren, Hauptdarstellerin: Jasmin Tabatabai, zur Not auch Katja Riemann. Jetzt aber holt Karin S. zu einem Geständnis aus, das die Anklageschrift fast unspektakulär wirken lässt. 80 Minuten lang erzählt die 47-Jährige am Stück. Dann sagt sie: "Das war jetzt fast eine Lebensbeichte."

Vorab hat Karin S. das Gericht um Verständnis gebeten: Sie werde "ausführlich schwätze", leider nicht immer in Hochdeutsch, das aber möge man ihr verzeihen. S. stammt aus Baden-Württemberg, dort hat sie ihren ersten drei Supermärkte überfallen, erst Lidl, dann Aldi und noch mal Aldi. Danach, sagt sie, habe sie sich regelrecht vor sich selbst "geekelt": Was sie den Kunden, den Kassiererinnen antue - damit habe sie kaum noch leben können.

Trotzdem habe sie dann noch einen Laden überfallen, diesmal Norma, diesmal in Bayern. Und dabei fielen im fränkischen Burgoberbach jene Schüsse, derentwegen der Haftbefehl bei ihrer Festnahme zunächst auf versuchten Mord ausgestellt wurde.

Ein Zeuge auf dem Norma-Parkplatz versuchte sie mit dem Handy zu fotografieren, erzählt S. Außerdem habe sie den Eindruck gehabt, dass der Mann sie in seinem Porsche Cayenne verfolgen wollte, da hätte sie in ihrem Kleinwagen kaum eine Chance gehabt. Also ballerte die mehrfach ausgezeichnete Sportschützin mindestens sechsmal in Richtung des Porsches.

Der stand da etwa zehn Meter von ihr entfernt, alle Schüsse gingen vorbei. "Wissen Sie", sagt die Angeklagte zum Vorsitzenden Richter, "wenn ich das hier aus 25 Metern treffen will, dann treff' ich bei zehn Versuchen mindestens neunmal." S. deutet auf einen schmalen Tetra Pak mit Wasser vor ihr. "Gut, das können wir hier im Gerichtssaal nicht nachvollziehen", sagt der Richter.

Zweifel an dem, was die Angeklagte berichtet, hat aber selbst der Staatsanwalt offenbar nicht. Weshalb sie in Ansbach auch nicht wegen versuchten Mordes angeklagt ist, sondern nur wegen "schweren Raubes mit vorsätzlichem Führen halbautomatischer Kurzwaffen"; und sich zwar am Landgericht verantworten muss, nicht aber an der Schwurgerichtskammer.

"Ein Porsche Cayenne, der ist ja fast so groß wie ein Einfamilienhaus", sagt Karin S. Ihre Schüsse aber trafen nicht nur den SUV-Fahrer nicht. Sie trafen auch den SUV nicht. Sie wolle nicht überheblich klingen, aber: "Was ich treffen will, das treff' ich. Und was ich nicht treffen will, das treff' ich nicht."

Wieder äußerst niemand Zweifel im Gericht. Es gibt dafür aber auch wenig Grund, angesichts des Geständnisses, das die Angeklagte vorträgt. Im Grunde legt Karin S. kein Geständnis ab, sie führt eine Neben-Anklage in eigener Sache. Nichts, sagt sie, könne rechtfertigen, was sie getan habe.

Sie habe ihren Opfern schweren Schaden zugefügt, das tue ihr "bitter, bitter leid". Sie bitte deshalb auch nicht um mildernde Umstände oder gar Verschonung, sondern erwarte eine Haftstrafe "über viele, viele Jahre". Und das sei, sagt sie gleich in ihren einleitenden Worten, auch gut so: Dann bekomme sie wenigstens viel Zeit, darüber nachzudenken, was sie getan habe.

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