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US-Autoindustrie:GM bringt eine komplett neue Elektro-Architektur

Das Europa-Geschäft, das Jeep inzwischen ganz allein tragen muss, dürfte davon kaum betroffen sein. An den Kernmodellen Wrangler (neu), Renegade, Compass, Cherokee (das Facelift stand auf der Messe in Detroit) und Grand Cherokee soll ohnehin nicht gerüttelt werden. Weder der kleine Scrambler Pick-up auf Wrangler-Basis noch der für 2020 avisierte Wagoneer oder der gegen Range Rover positionierte Grand Wagoneer sind für die alte Welt von besonderer Bedeutung. Obwohl die XXL-Jeeps richtig Münze machen sollen, wurde die für 2020 vorgesehene Markteinführung um ein bis zwei Jahre verschoben.

GM bringt 2021 mit der Batterieplattform BEV 2.0 eine komplett neue Architektur. Bis 2023 soll die Stromer-Flotte um 20 Fahrzeuge wachsen. Von 2026 an will der US- Marktführer jährlich eine Million Nullemission-Fahrzeuge fertigen. Dazu gehören auch zwei Brennstoffzellen-Modelle, die in Zusammenarbeit mit Honda auf die Räder gestellt werden. Die Systemführerschaft für Luxuswagen und SUV liegt bei Cadillac, den großen Rest darf Chevrolet abdecken.

Das Ford Model E soll 2020 auf den Markt kommen

In China wollen die Amerikaner vor allem bei der Produktion mit SAIC kooperieren. Das Batterie-Knowhow kommt ebenfalls verstärkt aus Asien. Im Rahmen der export-orientierten EME 1.0 Strategie (electric mobility for everyone) kooperiert GM von 2021 an mit LG Chem aus Korea und mit CATL aus China. Im ersten Schritt soll der Kobalt-Anteil halbiert werden, im zweiten Schritt will man 2023 mit der Kleinserienproduktion von Feststoffzellen beginnen. Das dafür geschaffene Produktportfolio besteht aus zwei Elektro-Kernmodellen (SUV klein, SUV groß) und neun Unterkategorien. Besonders interessant sind ein Carsharing-Fahrzeug, ein autonomer Stadtlieferwagen und die ungewöhnlich flach bauende Oberklasse-Matrix.

Ford will von Mitte 2020 an mit drei neuen Stromern auf den Markt kommen. Die geplante Bezeichnung "Model E" ist eine Hommage an das legendäre Model T und ein Ärgernis für Elon Musk. Der Tesla-Chef wollte sein Elektro-Pick-up ebenfalls Model E nennen. Der Bedarf für den Weltmarkt kommt aus dem mexikanischen Cuautitlán. Den Anfang macht ein Crossover, etwas später folgen SUV und Schrägheck. Die Abmessungen des Model E entsprechen Focus und Kuga, doch das E-Design ist weitgehend eigenständig. Eine wichtige konstruktive Innovation betrifft den leicht zugänglichen und voll skalierbaren Batterietrog als integralem Bestandteil der Karosseriestruktur.

Der aus deutscher Sicht interessanteste elektrifizierte Ford ist der neue Ranger Pick-up. Wie das kommt? Weil sich VW mit den Amerikanern zusammentun könnte und man neben der Billigversion für Gewerbetreibende auch Potenzial für ein höherpreisiges Lifestyle-Derivat ausgemacht haben will.

© SZ vom 20.01.2018/harl
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