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Kooperation von BMW und Samsung:Suche nach billigen Batterien

Journalists take pictures of BMW's first all-electric car, i3, at its unveiling ceremony in Beijing

Das Elektroauto BMW i3 bei seiner Weltpremiere in Peking.

(Foto: REUTERS)

Das Geschäft mit Elektroautos soll endlich zum Erfolg werden. Der Schlüssel sind bessere und günstigere Batterien. Bei der Suche danach intensiviert BMW seine Zusammenarbeit mit Samsung. Es geht um die Frage, wer bei der Technologie der Zukunft vorne ist.

Auf den ersten Blick sieht die Zukunft des Autos nach allem Möglichen aus, nur nicht nach Autos. Es fängt schon damit an, dass sie diese kleinen zusammengepressten Bündel aus Kathoden, Anoden und Elektrolyt-Flüssigkeit "Jelly Rolls" nennen. Ein komisches Wort, das man wohl mit "Gelee-Rolle" übersetzen könnte.

Oder vielleicht besser: Biskuitrolle?

Packt man jedenfalls viele dieser Biskuitrollen zusammen, wird daraus eine große Autobatterie, und die sieht dann zwar immer noch nicht nach einem Auto aus, sondern eher nach einem mittelgroßen DVD-Schuber. Aber alle Autobauer wollen sie haben. Gerne schon sofort, und zwar am liebsten so günstig wie möglich - und natürlich so, dass man möglichst lange mit ihr herumfahren kann.

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Denn wenn Autos irgendwann nicht mehr mit Benzin und Diesel fahren, sondern elektrisch, dann wird niemand mehr fragen: Wie viel frisst denn Ihr Wagen auf 100 Kilometer? Die am häufigsten gestellte Frage wird dann lauten: Wie weit komme ich denn mit dieser Karre, ohne irgendwo mit leerer Batterie in der Gegend stehen zu bleiben? Wenn sich Mobilität ändert, ändern sich auch die Fragen.

Samsung will die Reichweitenangst lindern

Es ist die Angst vor der geringen Reichweite von Elektroautos, die dem Zukunftsprojekt noch im Wege steht. Eine Angst, die Fachleute "Range-anxiety" nennen - Reichweitenangst.

An dieser Stelle ist es nicht ganz unwichtig, wo genau diese "Jelly Rolls" zusammengerollt werden. Die Fabrik, um die es hier geht, liegt nämlich mitten in einer Grünanlage im Süden Südkoreas, sie gehört einer Tochter des Samsung-Konzerns, die Samsung SDI heißt, und sie soll in Zukunft noch viel größer werden als heute. Noch mehr Marmeladenrollen, und noch mehr Batterie-Cocktails für die Welt.

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Denn: Die Zukunft des Autos entscheidet sich möglicherweise gar nicht in Konzernzentralen in München, Stuttgart oder Wolfsburg. Sie entscheidet sich wohl erst recht nicht in Brüssel, Berlin oder Washington, wo über CO₂-Werte gestritten wird und Lobbyisten kämpfen. Sie entscheidet sich hier, an Orten wie Ulsan. 350 Kilometer südlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Und an die 9000 Kilometer von München entfernt.

WM-Finale im Flieger nach Korea

Deshalb ist BMW-Vorstand Klaus Draeger an diesem Tag bis hierhin geflogen, hat noch im Flieger das WM-Endspiel Deutschland gegen Argentinien gesehen, und sitzt jetzt in einem holzvertäfelten Konferenzraum in Ulsan. Hundemüde. Aber schließlich geht es ja um diese Jelly Rolls, um die Zukunft des Autos, und deshalb, ja, auch irgendwie um die Zukunft von BMW. Seit dem Jahr 2009 arbeiten BMW und Samsung zusammen, aber bis jetzt war es nur eine Lieferantenbeziehung unter vielen. Jetzt aber soll es Ernst werden. "Wir arbeiten exklusiv mit Samsung zusammen", sagt Draeger. Exklusiv? Das ist neu.

Bisher lieferte Samsung seine Batteriezellen für die neuen Elektroautos i3 und i8. Biskuitrollen, die dann im bayerischen Dingolfing zu Batterien zusammengesetzt werden. Jetzt sollen es noch viel mehr werden, auch sämtliche Hybrid-Modelle von BMW, also Autos, die halb elektrisch, halb mit Benzin fahren, kriegen Batteriezellen von Samsung. Und: Entwickeln will man das alles zusammen. "Samsung ist integraler Bestandteil unserer Strategie", sagt der Manager.