bedeckt München 14°

Kaufprämie für Elektroautos:Keiner fühlt sich für die Infrastruktur zuständig

Aber wer die Stromtankstellen bauen soll, ist nicht klar. Seit Jahren wird darum gestritten. Die großen Stromversorger wie RWE oder Eon halten sich mit solchen Investitionen zurück. Für sie ist die Zahl der E-Autos viel zu gering, um in Vorleistung zu gehen. Zudem haben sie genügend Sorgen, ihr eigenes Überleben zu sichern.

Die Autokonzerne haben keine Erfahrung mit einer Strominfrastruktur, und der Staat zeigt wenig Engagement beim Aufbau eines nationalen Ladenetzes. Auch der niedrige Öl- und Benzinpreis bremst das Elektroauto. Wo konventionelle Fahrzeuge so billig gefahren werden können wie schon lange nicht mehr, sind umweltfreundliche Alternativen kaum interessant. Die Folge ist: Die bundesdeutsche Realität liegt weit hinter dem Plan der Bundeskanzlerin zurück, die bis zum Jahr 2020 eine Million Stromautos auf der Straße haben will.

Massive Elektroauto-Förderung in China

Das Ziel ist längst Illusion: Anfang dieses Jahres waren in Deutschland nur 25 000 Batterieautos angemeldet. Dazu kamen 130 000 Hybrid-Fahrzeuge. Die deutschen Autobauer kennen sich besser mit Diesel- und Benzinmotoren aus. Für Stromautos zeigten sie bisher nur wenig Interesse. Echte Entschlossenheit, dem Elektroauto zum Erfolg zu verhelfen, hat bisher vor allem der amerikanische Hersteller Tesla gezeigt. Der wartet nicht, dass Staat oder Stromkonzerne die nötigen Tankstellen bauen. Der kalifornische Pionier hat auch in Deutschland inzwischen ein eigenes Versorgungsnetz entlang den Autobahnen aufgezogen.

Andere Länder sind entschlossener bei der Förderung der Elektromobilität, die als wesentlicher Beitrag gilt, die Klimabilanz des Straßenverkehrs zu verbessern. Vor allem China sorgt mit massiven staatlichen Hilfen für die Verbreitung von stromgetriebenen Fahrzeugen. In diesem Jahr sollen in dem großen Land nach den Vorstellungen des einheimischen Verbandes der Autohersteller schon 700 000 Stromautos verkauft werden. Das ist mehr als doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Schon im Jahr 2020, so die ehrgeizigen Pläne, sollen pro Jahr fünf Millionen E-Autos in China abgesetzt werden.

China setzt sich vom Rest der Welt ab

In China wird der Kauf eines Elektroautos mit mehr als 15 000 Euro vom Staat unterstützt. Zudem baut die Regierung die Ladeinfrastruktur für das Auto von morgen, an dem die Volksrepublik maßgeblich mitwirken will. Für die chinesische Regierung ist der heutige Verbrennungsmotor nur eine Übergangstechnologie, die langfristig von anderen Antrieben abgelöst werden soll. China setzt alles daran, mit ihrer eigenen Industrie beim Antrieb der Zukunft eine weltweit führende Rolle zu spielen.

Die Volksrepublik hat für viele Fachleute schon die USA, die mit Tesla und großen Internet-Konzernen zur führenden E-Auto-Nation geworden waren, als globalen Leitmarkt der Elektromobilität abgelöst. Jedes zweite in der Welt zugelassene Stromauto fährt nach den Informationen des chinesischen Autoherstellerverbandes in China. Das Land setzt sich mit massiven staatlichen Eingriffen zugunsten der Autoindustrie vom Rest der Welt bei der Elektromobilität ab. Der Abstand zu den klassischen Autoländern wächst. Auch für Deutschland, wo die Autoindustrie noch immer eine Schlüsselrolle hat, ist das keine gute Nachricht.

© SZ vom 08.08.2016/harl
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema