Mercedes B-Klasse Electric Drive Tesla-Antrieb als Lückenfüller

Die B-Klasse mit Elektroantrieb stellt für Mercedes ein Übergangsmodell dar.

(Foto: Daimler AG)

Die elektrisch angetriebene Mercedes B-Klasse fährt mit einem Antriebsstrang von Tesla. Das spart Entwicklungszeit und -kosten, bringt aber auch Probleme mit sich.

Von Joachim Becker

Leise surrt die neueste Mercedes B-Klasse über den Highway. Als Stromer feiert sie in den USA Premiere, wo auch das Herz des Technologieträgers entsteht. "Wir haben durch die enge Kooperation mit Tesla zwei Jahre Entwicklungszeit für Batterie, Elektromotor und Leistungselektronik gespart", sagt Jochen Strenkert, der bei Mercedes unter anderem für die elektrische Steuerung des Antriebsstrangs zuständig ist.

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Weil sich die Stuttgarter zunächst auf die Einführung von teilelektrischen Plug-in-Systemen in allen Baureihen oberhalb der B-Klasse konzentrieren, kommt der vollelektrische Antriebsstrang von Tesla. Bis 2017 rechnet Daimler ohnehin nur mit einem mittleren fünfstelligen Absatz des Batteriewägelchens. Wozu also einen eigenen Antriebsstrang geschweige denn eine komplett neue Leichtbauarchitektur wie beim BMW i3 entwickeln? Folgerichtig leidet die alternative B-Klasse mit knapp 1700 Kilogramm unter erheblichem Übergewicht. Der Elektro-Aufschlag von 250 Kilogramm ist vor allem beim Rumpeln über Kanaldeckel und andere Unruhestifter zu spüren. Ansonsten sorgen 132 kW (180 PS) Leistung und 340 Nm für eine ordentliche Beschleunigung der bewegten Massen. Der schwere Stromer rennt immerhin in 7,9 Sekunden von 0 - 100 km/h, bei 160 km/h wir der Saft abgedreht

Die elektrische B-Klasse fällt nicht auf

Die Mercedes B-Klasse Electric Drive spielt den Lückenfüller, um die in Kalifornien vorgeschriebene Quote von Nullemissionsfahrzeugen zu erfüllen. Dank hoher Subventionen verkaufen sich Batterieautos in den USA besser als im Rest der Welt - das Tesla Model S gehört in Kalifornien wie selbstverständlich zum Straßenbild. Doch im Gegensatz zu ihrem Technikspender fällt die elektrische B-Klasse überhaupt nicht auf. Sie unterscheidet sich nur marginal von den anderen Motorvarianten der Baureihe, weil sich aufwändige Änderungen im Design nicht rentieren.

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Der Vorteil dieser Strategie liegt im unkomplizierten Umgang mit dem Kompaktvan. Weder der vordere Fuß- noch der Laderaum wird durch den alternativen Antrieb beeinträchtigt. Wer auf den Rücksitzen Platz nimmt, muss seine Füße allerdings auf dem doppelten Boden für das Batteriepaket stellen. Das ist nicht sehr bequem - aber wer braucht schon Platz für fünf Erwachsene samt Gepäck, wenn man nicht sehr weit fahren kann?

Misstrauen in die Panasonic-Batterien

Die Reichweite bleibt der limitierende Faktor des Elektrofahrzeugs: Der Radius liegt bei rund 200 Kilometern, beim Einsatz der Klimaanlage zum Kühlen oder Heizen schrumpft er rapide. Für umgerechnet rund 500 Euro Aufpreis können Amerikaner das Range-Plus-Paket bestellen, dass die Reichweite um 15 Prozent auf ideale 230 Kilometer verlängert. Dann werden auch die stillen Reserven der Batterie genutzt: Statt 28 steht dann die volle Kapazität von 32 Kilowattstunden zur Verfügung - allerdings nur, wenn vor dem Laden ein Knopf gedrückt wird. Die umständliche Prozedur erklärt sich aus dem Misstrauen in die Lebensdauer der Panasonic-Batteriezellen, die auch Tesla nutzt.

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Mercedes muss im Rahmen der US-Gewährleistung acht Jahre lange eine verfügbare Batteriekapazität von mindestens 70 Prozent garantieren, sonst drohen Schadensersatzansprüche der Kunden. Allzu viele werden es wohl nicht werden: Mit einem Preis von 41 450 US-Dollar ist die B-Klasse Electric Drive nicht nur für US-Verhältnisse teuer. Auch bei uns ist ab Oktober dieses Jahres kein Einstandspreis unterhalb von 40 000 Euro zu erwarten. Das muss einem die mit Abstand teuerste B-Klasse schon wert sein.