Bergtour auf den Mount Everest Zack und weg

Der Hillary Step in der Todeszone des Mount Everest wurde vor allem durch die Bilder von Bergsteiger-Staus (wie hier 2009) berühmt.

(Foto: AFP)

Der Hillary Step war die letzte große Hürde auf dem Weg zum Gipfel des Mount Everest. Nun ist der berühmte Felszacken aber offenbar verschwunden.

Von Titus Arnu

Zwölf Meter hoch, fast senkrecht, eng und ausgesetzt: Der Hillary Step gilt als letzte ernsthafte Hürde auf dem Weg zum Gipfel des Mount Everest. Die Fotos von den Bergsteiger-Staus dort gingen immer wieder um die Welt, ebenso wie die Schreckensmeldungen: Viele Gipfel-Aspiranten scheiterten an der Hürde, einige zogen sich beim Warten an der Engstelle lebensbedrohliche Erfrierungen zu. Denn der nach Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary benannte Fels befindet sich auf 8760 Metern Höhe, in der Todeszone. Besser gesagt: Er befand sich dort. Nun ist er offenbar verschwunden.

"Den Hillary Step gibt es nicht mehr", schrieb der Bergsteiger Tim Mosedale auf seiner Facebook-Seite. Der Leiter einer britischen Everest-Expedition war vor wenigen Tagen auf dem Gipfel. Zum Beweis fügte er ein Foto des Geländes an - ohne den markanten Zacken. Der nepalesische Bergführer Pema Chhiri Sherpa bestätigte den Bericht. Wie aber verschwand die berühmte Felsformation?

Sehr wahrscheinlich wurde sie beim verheerenden Erdbeben im April 2015 zerstört. Damals wurden alle Expeditionen am Everest abgebrochen. 2016 gab es dann so viel Schnee auf dem höchsten Berg der Welt, dass nicht zu erkennen war, ob die Felsformation noch existierte oder nicht.

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Bereits vor einem Jahr hatte die American Himalayan Foundation gemutmaßt, aus dem Hillary Step könne durch die Erschütterungen ein "Hillary Slope", also ein Hillary-Gefälle geworden sein. Derzeit sind die Wetter- und Schneebedingungen dort so gut, dass so viele Bergsteiger in Richtung Gipfel aufbrechen wie lange nicht mehr, Nepal hat in diesem Jahr 375 Lizenzen an Touristen für die Besteigung vergeben.

Nun gehört die Felsstufe in ihrer bisherigen Form wohl der Vergangenheit an. "Ein Stück Bergsteigergeschichte ist verschwunden", schrieb Bergsteiger Mosedale. Einfacher dürfte der Aufstieg damit nicht unbedingt sein. Laut Mosedale versperren große Gesteinsbrocken den Weg, das Überwinden sei "ziemlich knifflig". Ohne den Felszacken wird es an der Stelle schwieriger sein, Seile zu befestigen.

Dass die Hauptroute immer lebensgefährlich sein kann, beweisen aktuelle Nachrichten vom Everest: Am Wochenende starben dort mindestens drei Bergsteiger, laut nepalesischer Tourismusbehörde ein US-Bürger, ein Slowake und ein Australier. Zudem wurde am Anfang der Woche ein indischer Bergsteiger vermisst.

Eine gute Nachricht schickte der blinde Bergsteiger Andy Holzer aus dem Himalaja: Der Österreicher erreichte mit zwei Begleitern den Gipfel Everest, wie er auf Facebook schrieb. "Aufstieg ohne Stau, kaum Leute unterwegs." Ohne Augenlicht hat er nun alle höchsten Gipfel der sieben Kontinente bestiegen.

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