Röttgen-RauswurfMerkels verlorene Männer

Die Wahl in Nordrhein-Westfalen war für die CDU ein Debakel - jetzt muss Norbert Röttgen dafür seinen Hut nehmen. Doch er ist in prominenter Gesellschaft: Er ist bereits der siebte Minister, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren der einstigen Wunsch-Koalition ausgetauscht wird.

Röttgen-Rauswurf – Norbert Röttgen

Die Wahl in Nordrhein-Westfalen war für die CDU ein Debakel - jetzt muss Norbert Röttgen dafür seinen Hut nehmen. Doch er ist in prominenter Gesellschaft: Er ist bereits der siebte Minister, der in den vergangenen zweieinhalb Jahren der einstigen Wunsch-Koalition ausgetauscht wird.

Mit der Entlassung von Norbert Röttgen als Bundesumweltminister hat Kanzlerin Angela Merkel die vierte Kabinettsumbildung ihrer schwarz-gelben Bundesregierung ausgelöst. Die Neubesetzung des Umweltressorts mit Peter Altmaier ist bereits der siebte Ministerwechsel der seit zweieinhalb Jahren regierenden Koalition. In den vorangegangenen vier Jahren der von Merkel geführten CDU/SPD-Koalition wurden insgesamt nur drei Minister ausgetauscht.

Die Karriere

Norbert Röttgen ist ein seltener politischer Absturz widerfahren. "George Clooney" vom Rhein wurde er in Nordrhein-Westfalen genannt, "Muttis Bester" hieß er in Berlin, wo er einst als der Kanzlerin besonders nahestehend galt. Ihm wurde das Potential zugesagt, selbst einmal Kanzler zu werden. Doch schon 2006 gab es einmal eine Situation, in der er sich erst nicht hatte entscheiden wollen: Röttgen wollte Lobbyist für den Bundesverband der Deutschen Industrie werden und gleichzeitig sein Bundestagsmandat behalten. Ein Irrweg, vor dem ihn seine Frau Ebba vergeblich gewarnt hatte. Röttgen zog zurück, blieb in der Politik. Und so wurde er es, der nach dem GAU in Fukushima gegen Widerstände in der schwarz-gelben Koalition den Atomausstieg vorantrieb. So gilt er heute als Modernisierer in seiner Partei und Türöffner zu den Grünen. Den Konservativen in seiner Partei war er ein Dorn im Auge. Doch ein volksnaher Straßenwahlkämpfer zum Anfassen war Röttgen nie. Er wirkte nüchtern, kam eher als "Klassenprimus" denn als "Landesvater" rüber. Dass er bisweilen als Karrierist bezeichnet wird, trifft ihn. "Es stimmt einfach nicht. Ich habe immer mit Leidenschaft Politik gemacht", verteidigt der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende seine vielfältigen Ambitionen. Röttgen ist 46 Jahre alt und Vater von drei Kindern.

Die Gründe für den Rücktritt

Einst potentieller Kanzlerkandidat - dann kam der Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen und alles wurde anders. Der Bundesumweltminister machte als CDU-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat in diesem Wahlkampf in vielen Augen eine bemerkenswert schlechte Figur. Seine intellektuellen Fähigkeiten und sein politisches Talent werden zwar von kaum jemandem angezweifelt. Der promovierte Jurist gilt aber als ausgesprochener Kopfmensch. Und eben nur als das. Er ließ bis zur Wahl offen, ob er auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf gehen würde - oder doch lieber Minister in Berlin bliebe. Viele nahmen ihm das sehr übel. Röttgen fuhr mit 26,3 Prozent das schlechteste Ergebnis der CDU in Nordrhein-Westfalen ein.

Was macht er nun?

Noch ist nicht bekannt, ob Röttgen seinen Vizevorsitz als CDU-Bundesvorsitzender behalten wird. Seine Zukunft ist im Moment noch völlig offen.

Bild: dpa 16. Mai 2012, 18:362012-05-16 18:36:00 © sueddeutsche.de/aho/ehr