IWF-Chef unter Druck Strauss-Kahn wegen Sex-Attacke angeklagt

Festnahme in der First Class: An Bord eines Flugzeugs hat die New Yorker Polizei Dominique Strauss-Kahn festgenommen. Der Chef des Internationalen Währungsfonds und mögliche Herausforderer von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wird von der amerikanischen Justiz angeklagt: Er soll versucht haben, in einem Hotel ein Zimmermädchen zum Sex zu drängen.

Er ist einer der mächtigsten Männer der Finanzwelt und gilt als einziger ernstzunehmender Herausforderer von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy - jetzt sitzt er wegen des Vorwurfs versuchter Vergewaltigung auf einer New Yorker Polizeiwache. Dominique Strauss-Kahn war am Samstagnachmittag bereits an Bord seines Fliegers, um sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu treffen, da schlugen die Polizisten zu. Die Beamten nahmen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Flughafen fest.

Die Staatsanwaltschaft erhob mittlerweile Anklage gegen den Franzosen wegen versuchter Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Strauss-Kahn soll noch am Sonntag von einem Richter angehört werden. Er sitzt nach Angaben der New York Times in einer Zelle der "Special Victims Unit" - der Polizeiabteilung für Sexverbrechen.

Die New York Times zitiert auch Polizeiquellen, laut denen Strauss-Kahn nackt aus dem Bad seines Zimmers im Hotel Sofitel in Manhattan gekommen sei, als ein Zimmermädchen eintrat. Sie habe geglaubt, die Suite sei leer. Der 62-Jährige soll die 32-Jährige aufs Bett geworfen und Sex gefordert haben. Außerdem habe er sich mit ihr im Zimmer eingesperrt. Die Frau konnte sich aber befreien und fliehen. Sie wurde wegen leichter Verletzungen behandelt.

Der Franzose sei dann sofort zum John-F.-Kennedy-Flughafen aufgebrochen. Den Polizeiangaben zufolge verließ er das Hotel überstürzt, sein Mobiltelefon und andere persönliche Dinge wurden später in dem Zimmer gefunden.

Wenige Minuten vor dem Abflug holten Polizisten ihn aus der Ersten Klasse einer Air-France-Maschine. "Zehn Minuten vor dem Abflug - so etwas passiert nicht oft", sagte ein Vertreter der Hafenbehörde, die auch für die Sicherheit auf den New Yorker Flughäfen zuständig ist. "Er hat keinen Widerstand geleistet."

"DSK", wie Strauss-Kahn auch genannt wird, hat einen Rechtsanwalt hinzugezogen. Der teilte am Sonntagmorgen der Nachrichtenagentur Reuters per E-Mail mit, Strauss-Kahn werde auf nicht schuldig plädieren.

Der IWF bestätigte die Festnahme in einer kurzen Erklärung auf seiner Website. Die Organisation bleibe dennoch voll funktionsfähig.

Die Festnahme bringt nicht nur das geplante Treffen Strauss-Kahns am Sonntag mit Kanzlerin Merkel in Berlin zum Platzen, bei dem es um die Griechenland-Krise gehen sollte. Am Montag wollte er auch an einem Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel teilnehmen.

Kritik am luxuriösen Lebensstil

Strauss-Kahn gilt als möglicher Kandidat der französischen Sozialisten bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Er hatte schon einmal eine Kandidatur der Linken angestrebt, war aber gescheitert. Von 1997 bis 1999 war er französischer Finanzminister. Seit 2007 ist er Chef des Währungsfonds. Für seine Arbeit während der globalen Finanzkrise wurde er weitgehend gelobt.

Seit langem wird spekuliert, ob er den IWF-Posten in Washington als Sprungbrett für einen neuen Versuch bei den französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr nutzen will. Im Falle einer Kandidatur galt er bislang als einer der aussichtsreichsten Sozialisten, um Amtsinhaber Nicolas Sarkozy herauszufordern.

Erst in der vergangenen Woche war Strauss-Kahn in Frankreich in die Bredouille geraten. Ein Foto gelangte an die Öffentlichkeit, das ihn im Porsche eines seiner Berater zeigt - ein luxuriöser Lebensstil gehört sich nicht für den möglichen Kandidaten einer Arbeiterpartei, finden viele Franzosen. Auch die Suite im Sofitel, in der es laut den Aussagen des Zimmermädchens zu dem Angriff kam, kostet laut New York Times 3000 Dollar pro Nacht.

Strauss-Kahn ist mit der Fernsehjournalistin Anne Sinclair verheiratet. Vor drei Jahren war er wegen einer Affäre mit einer IWF-Analystin von anderen Mitarbeitern kritisiert worden. Eine interne Untersuchung kam damals zu dem Schluss, dass es weder sexuelle Belästigung noch Begünstigung gegeben habe - Strauss-Kahn entschuldigte sich dennoch öffentlich bei der Organisation und seiner Frau für den "Vorfall", den Sinclair als "One-Night-Stand" bezeichnete.

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