FDP-Chef Westerwelle will sich nicht von der Opposition auf der Nase herumtanzen lassen - und hat einen Plan, um ohne Bundesrat regieren zu können. Ein Unionspolitiker sieht Schwarz-Gelb dagegen vor dem Aus.
Noch am Sonntag gab Guido Westerwelle den zerknirschten Wählerversteher: Das schlechte Abschneiden von Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen interpretierte er als Unzufriedenheit mit der Arbeit der gleichfarbigen Koalition in Berlin. Und er versprach, man werde dem "Warnschuss" Gehör schenken.
Guido Westerwelle (FDP) will Reformvorhaben der schwarz-gelben Koalition auf ein Maß abspecken, das eine Mitwirkung des Bundesrates verzichtbar macht. (© Foto: dpa)
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Drei Tage später ist von einem echten Lerneffekt aus dem Wahldebakel wenig zu spüren: Der FDP-Chef scheint eher daran interessiert, der erstarkten Opposition das Leben schwer zu machen, als an einem Richtungswechsel in der Regierungsarbeit. So kündigte Westerwelle an, die Reformvorhaben der schwarz-gelben Koalition auf ein Maß abzuspecken, das eine Mitwirkung des Bundesrates verzichtbar macht.
Politik ohne Bundesratsmehrheit
Gerade in der Energie-, der Gesundheits- und der Steuerpolitik gebe es viele Dinge, "die wir machen können, ohne dass wir eine Mehrheit im Bundesrat brauchen", sagte der Außenminister im ZDF. "Wir wollen mit Sicherheit natürlich das Gesundheitssystem umstellen." Dazu gehörten eine freie Arztwahl und mehr Wettbewerb.
Westerwelle beharrte außerdem auf dem bereits verschlankten Steuerkonzept der Liberalen, das Entlastungen ab 2012 im Umfang von 16 Milliarden Euro vorsieht: "Wir haben unverändert das Ziel, dass in dieser Legislaturperiode diese Entlastungen noch möglich sind." Er räumte allerdings auch ein, man müsse sondieren, was angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat noch möglich sei.
Mit der Abwahl der CDU/FDP-Regierung in Nordrhein-Westfalen hat Schwarz-Gelb auch die Mehrheit in der Länderkammer verloren. Zentrale Wahlversprechen der Berliner Koalition - wie die Einführung einer Kopfpauschale im Gesundheitswesen und die vor allem von der FDP geforderte Steuersenkung - sind aber nur bei Zustimmung des Bundesrates möglich.
Neben der Opposition macht die FDP jedoch auch gegen den Regierungspartner Politik: FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms forderte im Tagesspiegel, nach der Absage von Steuersenkungen für die kommenden Jahre durch Kanzlerin Angela Merkel müssten nun Teile des Koalitionsvertrages nachverhandelt werden. "Wenn die Union nicht bereit ist, in dieser Legislaturperiode weitere Steuersenkungen zu beschließen, dann müssen wir in der Koalition neue Vereinbarungen treffen", sagte er. "Denn in diesem Fall sind wir natürlich nicht bereit, weitere Ausgabenforderungen der Union zu unterstützen."
Scharfe Kritik an der Weigerung der Kanzlerin, die Steuern zu senken, kommt jedoch auch aus den eigenen Reihen. Der Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, sieht die schwarz-gelbe Koalition in Gefahr. "Die Absage an Steuersenkungen ist das Ende des wachstumspolitischen Konzepts der CDU", sagte er der Rheinischen Post. Die Koalition fahre so "vor die Wand". Das habe "auch Kanzlerin Angela Merkel mitzuverantworten", fügte er hinzu.
"Keine Steigbügelhalter für Sozialisten und Kommunisten"
Die FDP will die Opposition torpedieren und schießt gegen den eigenen Koalitionspartner. Und die CDU ist nicht mal vor Angriffen aus der eigenen Partei gefeit. Bei aller Konfrontation, in einem sind sich die Parteien einig: Alle wollen in Nordrhein-Westfalen an die Macht.
So gibt es vom Liberalen-Chef höchstpersönlich Beifall für die Linie der NRW-FDP, eine Ampelkoalition nicht auszuschließen. Allerdings lehnt Westerwelle eine Koalition mit SPD und Grünen in strikt ab, solange beide Parteien auch mit den Linken liebäugeln. "Wir sehen keine ausreichende Schnittmenge mit zwei Parteien, die mit uns Alibi-Gespräche führen, aber gleichzeitig mit der Linkspartei eine Regierung vorbereiten", sagte er im ZDF. "Wir sind doch nicht die Steigbügelhalter für Sozialisten und Kommunisten." Westerwelle bestritt, die FDP in NRW habe ursprünglich grundsätzlich Gespräche über eine Ampelkoalition ausgeschlossen: "Gespräche haben wir überhaupt noch nie verweigert."
Auch der frühere Bundes-Vize der FDP, Gerhart Baum, rät seiner Partei zur Offenheit im NRW-Koalitionspoker. "Ich würde eine Ampel-Koalition ausloten", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Mitreden und am liebsten mitregieren in Nordrhein-Westfalen wollen auch die übrigen Parteien: Der noch amtierende Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat den anderen Parteien - mit Ausnahme der Linken - Gespräche angeboten. SPD und Grüne wollen sich in Düsseldorf zu einer ersten Sondierung treffen. Dabei sollen Eckpunkte für Gespräche mit anderen Parteien beschlossen werden.
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(Reuters/dpa/jobr/gba/pfau)
Müll an der Isar
Ich frage mich ja, welchen Teil von "unter Finanzierungsvorbehalt" im Koalitionsvertrag die Gelben nicht kapiert haben...
Es ist kein Geld da liebe FDP! Wenn ihr welches findet, sprich Einsparungen, die das hergeben, was ihr wollte, bitte. Dumm nur, durch die Hotelier-Begünstigung habt ihr euch selbst unglaubwürdig gemacht. Alleine das wäre über 1 Milliarde Euro (gut in heutigen Zeiten Peanuts...) gewesen, mit denen man jede Menge KiTa-Plätze schaffen, Schlaglöcher flicken, Schwimmbäder sanieren, Schulen abdichten/entschimmeln etc. könnte!
Die FDP ist leider, was sie immer war: eine Sprechblase, ein Besserverdiener-Klingelton. Sonst nicht viel. Keine Rede mehr von echter Liberalität, sprich weg mit Gängelungen wie Ladenschluss, Wehrpflicht, weg mit Überwachung und Zerstörung der Privatsphäre, und und und. Alles angeblich gelbe Kernthemen. Stattdessen "Steuersenkungen" und Totalblockade gegen alles, was die Spekulanten-verseuchte Finanzindustrie auch nur ärgern könnte.
So wird das nix, liebe FDP.
Die FDP wird, wie so manche "freiheitliche" Parteien in den Nachbarländern, zu einer rechtsaußen Partei mutieren. Dies ist ihr einzige Chance den derzeitigen Funktionären ein Überleben in dieser Partei zu gewähren. Der Vorteil, die FDP hat endlich ein klares Profil. Ein Profil, dass ihr zwar neues Wählerpotential erschließen wird, sie aber endgültig aus dem Kreis demokratisch wählbarer Parteien ausschließt. Westerwelle bringt - auch persönlich - die besten Voraussetzungen mit. Fortuyn, Wilders, Haider, etc. lassen grüßen...
Immerhin, er läßt uns an seinen innersten Überzeugungen (?) teilhaben, nämlich: Vox populi vox Rindvieh.
Ich persönlich glaube ja, dass es mittlerweile garnicht mehr drauf ankommt, ob er weiter nachlegt, oder nicht, die FDP wird sich auf ein, zwei Jahrzehnte darauf einstellen dürfen politisch irrelevant zu sein, das gilt zumindest unter seiner Führung..
Westerwelle fährt einen Kurs der Kollusion mit der Gesellschaft, der darauf zielt , für ihn verständlich werden zu lassen warum ihn niemand liebt. Das erspart ihm jede Konfrontation mit sich selbst.
Eigentlich ist er nur ein einsamer trauriger Mann, schade, dass er Einfluß auf die Entwicklung unseres Gemeinwesens gewonnen hat!
Ich weiß überhaupt nicht, was wir mit diesen politischen Leichtmatrosen wie Westerwelle und Pinkwart oder auch Niebel, Brüderle und Rösler in Regierungsspitzenämtern noch wollen.
Deren politischen Sandkastenspiele schaden den Interessen des deutschen Volkes.
Was die Regierungsbildung in NRW anbelangt, so kann es überhaupt nicht angehen, dass die von den Wählern abgestraften schwarz/gelben Verlegenheitsminister in einem neuen Landeskabinett nochmal auftauchen.
Für die SPD gibt es überhaupt keine Alternative zu Rot/Grün/Rot, wenn sie ihre zentralen Wahlversprechen, Blockade im Bundesrat gegen die Kopfpauschale, längere AKW-Laufzeiten, und für Schulreformen etc.einhalten und durchsetzen will.
Genau: Eine große Koalition in NRW, auch unter SPD-Führung, wäre glatter Betrug, ebenso eine Ampelkoalition, weil in beiden Fällen die Abgestraften wieder in der Regierung säßen und die von der SPD versprochenen Blockaden im Bundesrat aufweichen oder gar zunichte machen würden.
Ob man die an das Essen wirklich ranlassen sollte?
Ich fürchte, nicht einmal das ergäbe estwas Genießbares.
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