Starnberg Kleine Karte, große Hoffnung

Der Landkreis Starnberg will das Engagement seiner Bürger stärken und führt ab Frühjahr 2013 die Ehrenamtskarte ein.

Christiane Bracht

Landrat Karl Roth, zwei seiner Mitarbeiterinnen und Pressesprecher Stephan Diebl präsentieren die Ehrenamtskarte, die es ab Frühjahr 2013 gibt. Foto: Georgine Treybal

(Foto: Georgine Treybal)

- Sie besuchen Kranke, bringen Senioren das Essen, stehen bei Eis und Schnee am Straßenrand und helfen Kindern auf dem Schulweg oder retten Leben. Andere machen Politik, veranstalten Feste und Treffen oder engagieren sich in ihrem Verein. Rund 32 000 Menschen im Fünfseenland sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich tätig. Das jedenfalls hat das Landratsamt Starnberg ausgerechnet. Für ihre aufopferungsvollen und die Gemeinschaft unverzichtbaren Dienste bekamen sie bislang allenfalls ein Dankeschön in den Sonntagsreden der Politiker. Das soll sich nun ändern: Besonders engagierte Helfer erhalten nun Vergünstigungen bei Einkäufen, Einrichtungen oder Fahrkarten. Dazu müssen sie allerdings die Ehrenamtskarte vorzeigen. Diese kann von sofort an im Landratsamt beantragt werden.

Im April hatte der Kreisausschuss bereits beschlossen, die Karte einzuführen. Jetzt, sieben Monate später, sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Bis die ersten Karten ausgestellt werden, wird es allerdings Frühjahr werden, prognostizierte Landrat Karl Roth. "Es war nicht einfach, die Geschäftsleute dafür zu motivieren", erklärte er vor der Presse. Bei ihrer Akquise im ganzen Landkreis hat Michaela Frua vom Bürgerservice im Landratsamt inzwischen jedoch mehr als 50 Geschäfte für das Projekt gewinnen können. Von der Apotheke über Bäcker und Friseure bis hin zum Wasserpark sind laut Frua alle Branchen vertreten. Auch die Gemeinden versprechen für ihre Einrichtungen Rabatte. So ist das Freibad in Gauting für engagierte Helfer künftig billiger, zahlreiche Büchereien und Museen locken mit Vergünstigungen, auch eine Schifffahrt auf Starnberger See und Ammersee wird die Besitzer der neuen Karte weniger kosten. Die Karte hält also durchaus ein attraktives Angebot bereit. "Es ist ein wunderschönes Zeichen der Wertschätzung", sagte Roth. Denn die Ehrenamtlichen stehen zum Teil rund um die Uhr für andere zur Verfügung, etwa bei Rettungsdiensten oder Feuerwehr. Sie opfern aber nicht nur ihre Zeit, sondern oft auch ihr Geld und die Gemeinschaft profitiert von ihrem Wissen.

Erhältlich ist die Ehrenamtskarte für jeden, der mindestens 16 Jahre alt ist, seit mindestens zwei Jahren "gemeinwohlorientiert aktiv" ist und sich wenigstens fünf Stunden pro Woche für die Gemeinschaft engagiert. Ehrenamtliche, die bei Projekten mitmachen, müssen sich mindestens 250 Stunden pro Jahr einsetzen. Die Vereine und Institutionen müssen dies quittieren. Wichtig ist auch, dass die Helfer bei ihrem Einsatz nicht bezahlt werden. Drei Jahre lang wird die blaue Ehrenamtskarte gelten, dann muss ein neuer Antrag gestellt werden. Ohne Prüfung dieser Voraussetzungen bekommen Jugendleiter, aktive Feuerwehrler mit Grundausbildung, sowie die Einsatzkräfte für Katastrophenschutz und Rettungsdienst den Ausweis. Wer ein Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten hat oder schon 25 oder gar 40 Jahre beim Rettungsdienst aktiv ist, bekommt sogar die goldene Ehrenamtskarte. Diese gilt nicht nur für drei Jahre, sondern auf Lebenszeit. Die Antragsformulare gibt es im Landratsamt oder im Internet unter www.lkr-starnberg.de.

Dort sind auch alle Geschäfte aufgeführt, die den Ehrenamtlichen Rabatte oder Zusatzleistungen gewähren. Bislang ist das größte Angebot in Starnberg. In Feldafing, Wörthsee, Weßling und Inning muss Frua noch weiter ihre Akquise vorantreiben. "Ich denke, dass es immer mehr Geschäfte werden. Die Karte kommt gut an", sagte sie. Zumal schon jetzt klar ist, dass die Stadt München bei der Aktion nicht mitmachen will. Manch ein Händler hat also sicher im Sinn, die Ehrenamtlichen als Kunden zu binden. Andererseits hofft der Landkreis, so wieder mehr Ehrenamtliche zu gewinnen. Gerade unter jungen Leuten ist das Engagement für die Gemeinschaft zum Leidwesen vieler Vereine seit einiger Zeit nicht mehr so en Vogue.

Die Ehrenamtskarte gilt übrigens nicht nur im Fünfseenland, sondern auch in allen anderen Städten und Landkreisen, die bei der bayernweiten Aktion des Sozialministeriums mitmachen. Derzeit sind es etwa 50. Die beteiligten Geschäfte haben einen entsprechenden Aufkleber. Roth rechnet mit großem Ansturm. Rund 12 000 Jugendliche und Erwachsene werden die Karte sicher beantragen, prophezeite er.