Generalsekretär Markus Blume "Die CSU hat einen Alleinvertretungsanspruch für das bürgerliche Lager"

Andreas Scheuer (links) ist als CSU-Generalsekretär mit derber politischer Kraftmeierei aufgefallen, sein Nachfolger Markus Blume gilt als Mann der leiseren Töne. Dass er zu brav sein könnte, amüsiert ihn dennoch.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)

Als neuer Generalsekretär soll Markus Blume seiner Partei bei der Landtagswahl in Bayern die absolute Mehrheit sichern. Dafür will er FDP, AfD und Freie Wähler überflüssig machen.

Von Wolfgang Wittl

Wer die Tankstelle von ganz oben sieht, hat es in der CSU geschafft. Nirgendwo lässt sich der Aufstieg des Markus Blume besser betrachten als an seinem künftigen Arbeitsplatz. Bis jetzt saß der stellvertretende CSU-Generalsekretär im zweiten Stock der Münchner Parteizentrale, eine unbedeutende Nische im Deck des Maschinenraums mit Blick auf den Innenhof.

Nun geht es zwei Stockwerke aufwärts, direkt unter das Dach auf die Kapitänsbrücke. Wie Parteichef Horst Seehofer hat Blume nun freie Sicht auf Zapfsäulen, Staubsauger und Reifenluftdruckmessgeräte. Raum A 414, Büro des Generalsekretärs. Der letzte Schritt bleibt Blume am Dienstag aber verwehrt. Der elektronische Türöffner verweigert den Zugang, eine Mitarbeiterin muss helfen. Formal ist das korrekt. Offiziell tritt Blume seinen Dienst erst an diesem Mittwoch an.

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Seine erste Botschaft, die er an CSU-Mitglieder und politische Gegner sendet, hat der 43-Jährige bereits im Kopf. "Die CSU hat einen Alleinvertretungsanspruch für das bürgerliche Lager." Die Strategie für den Landtagswahlkampf hat Blume damit vorgegeben, wenig überraschend ist sie identisch mit der des künftigen Ministerpräsidenten Markus Söder. Weniger auf den Wettstreit mit SPD und Grünen kommt es der CSU an, sondern mit den Parteien, die mehr oder weniger weit rechts von der Mitte stehen.

Die FDP? "Wir wollen gar nicht die Frage aufkommen lassen, ob es die FDP braucht", sagt Blume. AfD? "Wir werden die offensive Auseinandersetzung mit ihr suchen." Freie Wähler? Er sehe keinen Grund, warum die wieder im Landtag sitzen sollten. Ach ja, die CSU? "Die Zeit der Selbstbeschäftigung und Verzagtheit ist vorbei."

Blume ist der 18. Generalsekretär in der Geschichte der CSU, nur wenige dürften einem größeren Druck ausgesetzt gewesen sein als der Landtagsabgeordnete aus München. Für die CSU geht es zwar immer irgendwie um alles, zu jeder Zeit und bei jeder Wahl, daraus speist sie ihren selbst erhobenen Anspruch als einzig legimitierte Anwältin Bayerns. So ernst wie diesmal war es aber noch nie. 2008 hat die CSU die absolute Mehrheit schon einmal verloren. Kommt sie ihr am 14. Oktober wieder abhanden, noch dazu unter dem neuen Hoffnungsträger Söder, wäre der Nimbus für immer ramponiert. Und das in einem Umfeld von drei Wahlen, die zuletzt alle gründlich schiefgelaufen sind.

Andreas Scheuer, Blumes Vorgänger, hat für seine Arbeit intern zwar Lob bekommen: der Umzug in die neue Landesleitung, die Organisation der Mitarbeiter, seine Konsequenz bei den Koalitionsverhandlungen, das wurde allgemein goutiert. Die Wahlergebnisse in der Ära Scheuer indes haben kaum geholfen, das CSU-Selbstwertgefühl zu steigern. Ob 2014 in den Kommunen und in Europa oder 2017 im Bund - von ihrer Zielmarke 50 Prozent ist die CSU zweistellig entfernt.

"Wir wollen das Land wieder mit sich selbst versöhnen"

Besonders bitter für die Parteistrategen: Wohl nicht nur nach Ansicht des Hobby-Historikers Horst Seehofer stand Bayern in seiner tausendjährigen Geschichte "noch nie so blendend da" wie heute. Trotzdem sind immer weniger Wähler bereit, der CSU mit ihrer Stimme zu danken. "Überspitzt sage ich: Von der Regierungsbilanz her müssten wir über 70 Prozent liegen", sagt Blume, was eine nicht ganz unwesentliche Abweichung von den derzeitigen Umfragen bedeutet. Die sehen die CSU bei etwa 40 Prozent. Also braucht es schnell neue Superlative, findet Blume: "Dem Freistaat Bayern geht es wie dem FC Bayern nach einem Champions-League-Sieg: Du musst dir immer neue Ziele setzen."

Bis Ostern soll die Wahlkampagne stehen, der neue Spitzenkandidat Söder wird sich stärker in das Konzept einbringen als Seehofer, der seinem Stab bei Details oft freie Hand ließ. Das solle aber nicht heißen, dass die CSU nun einen siebenmonatigen Dauerwahlkampf führe. Vielmehr setzt man im Franz-Josef-Strauß-Haus auf die prägende Kraft der neuen Staatsregierung.

"Das Wahlprogramm wird geschrieben durch das politische Handeln des Ministerpräsidenten", sagt Blume. Dass Bayern hervorragend dastehe, sei für ihn Fakt. Nun müsse es der CSU eben gelingen, die Fakten mit den Gefühlen der Menschen wieder zusammenzubringen: "Wir wollen das Land wieder mit sich selbst versöhnen. Wir werden den Menschen ihre Gewissheiten zurückgeben." In der Praxis heißt das: Wort halten in Berlin und in München, neue Projekte in Bayern anschieben.

Alexander Dobrindt und Andreas Scheuer, Blumes Vorgänger als Generalsekretäre, waren Schwerathleten auf dem Feld der steilen politischen These. Blume hingegen gilt als Exot in der politischen Kraftmeierei. Ausgerechnet einer wie er soll der CSU Selbstvertrauen einhämmern? Blume sagt: "Attacke ist nicht eine Frage der Lautstärke, sondern von Überzeugung und klarer Argumentation." Er will das wirtschaftspolitische Profil der CSU stärken, demnächst soll in der Parteizentrale eine Innovationswerkstatt entstehen.

Die Erfolge der Vergangenheit seien zwar schön, gewählt würden aber neue Ideen. "Wir werden ein starkes Zukunftsgemälde vom Freistaat malen. Und wir werden die Menschen wieder neu beheimaten." Dass er für die harten Debatten der nächsten Monate zu brav sein könnte, amüsiert Blume. Er habe gelernt, sich treu zu bleiben. "Wir werden die richtigen Botschaften finden und sie so laut sagen, dass sie jeder hört."

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