Bundestagswahl Herrmann, der Hilfreiche

Innenminister Joachim Herrmann hatte kürzlich mit einer Laserpistole Raser im Blick. Ob er selbst Berlin anvisiert, soll am Montag verkündet werden.

(Foto: Matthias Balk/dpa)
  • Am Montag will die CSU ihren Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl präsentieren.
  • Dass Bayerns Innenminister Joachim Herrmann auf Listenplatz eins stehen wird, gilt als offenes Geheimnis.
  • Der Franke könnte im Wahlkampf zum Garanten für die besonders wichtigen Felder Sicherheits- und Flüchtlingspolitik werden.
Von Wolfgang Wittl

Im bayerischen Innenministerium, so hört man, soll es zuletzt verstärkt zu fragwürdigen Glücksspielaktivitäten gekommen sein. Schuld ist ausgerechnet der Chef des Hauses, Innenminister Joachim Herrmann - und mit ihm die Frage, was er genau vorhat in seinem weiteren politischen Leben. Selbst enge Mitarbeiter rätseln seit Wochen, wofür sich ihr Vorgesetzter nun entschieden hat. Sie haben daher bereits Wetten abgeschlossen, ob Herrmann zu einem Wechsel nach Berlin bereit ist oder doch am Odeonsplatz 3 in München ausharren wird.

Alles dreht sich in der CSU im Moment um das Thema, ob Horst Seehofer noch mal als Ministerpräsident und Parteichef antreten wird. Am Montag will Seehofer das Geheimnis, das kaum noch eines ist, vor den Parteigremien lüften. Doch nach der offiziellen Tagesordnung geht es in der CSU-Vorstandssitzung eigentlich um anderes: "Vorschlag des Parteivorstands für die Landesliste zur Bundestagswahl 2017". Und damit vor allem um den CSU-Spitzenkandidaten für Berlin.

Ich, Horst

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Joachim Herrmann hat in den vergangenen Monaten beharrlich geschwiegen über seine Ambitionen. Die SZ hat in dieser Phase einmal geschrieben, Herrmann könne ganze Säle beschweigen. Das fanden Menschen, die Herrmann gut kennen, zum einen sehr lustig. Zum anderen hielten sie es aber auch für stark untertrieben.

Schon von Amts wegen als Innenminister ist Herrmann bestens geschult, Geheimnisse für sich zu behalten. Trotzdem ist das Geheimnis, er werde die CSU im September auf Listenplatz eins in die Bundestagswahl führen, in der Partei inzwischen ebenso wenig eines wie die Annahme, dass Horst Seehofer noch einmal für beide Ämter antreten wird.

Schon 2011 hätte Herrmann nach Berlin wechseln können. Damals war Karl-Theodor zu Guttenberg zurückgetreten, die CSU brauchte dringend eine ministrable Person. Herrmann lehnte aus familiären Gründen ab. Mittlerweile hat sich die Ausgangslage geändert. Herrmanns Kinder sind erwachsen, seine Frau soll einem Wechsel in die Bundeshauptstadt aufgeschlossen gegenüberstehen.

Parteifreunde sagen auch, dass Herrmann mit nun 60 Jahren durchaus Gefallen daran finden könnte, zum Bundesinnenminister aufzusteigen. Außerdem verschließe er sich als Parteisoldat nur selten Wünschen, wenn es für die CSU von Nutzen sei. Und dass eine Spitzenkandidatur Herrmanns für die Partei und insbesondere für Seehofer hilfreich wäre, daran bestehen keine Zweifel.