bedeckt München 17°
vgwortpixel

CSU:Was nach Stoibers Sturz geschah, "sollte allen eine Warnung sein"

BayernLB-Prozess

Erwin Huber glaubt, dass der Machtwechsel in der CSU diesmal diesmal besser gelingt.

(Foto: dpa)
  • Vor zehn Jahren gehörte Erwin Huber zu denen, die den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef stürzten, er selbst wurde neuer Parteichef.
  • Heute warnt er die CSU davor, einen "großen Fehler" zu wiederholen. Bei der Seehofer-Nachfolge dürfe es "nicht um persönliche Sympathien" gehen.

Zehn Jahre nach dem angekündigten Rückzug des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Edmund Stoiber warnt sein damaliger Nachfolger an der Parteispitze, Erwin Huber, die CSU vor einem überstürzten Machtwechsel. Eine der Lehren von 2007 müsse sein: "So ein Prozess muss sinnvoll gesteuert werden", sagt Huber im Interview. Stoiber hatte im Januar vor zehn Jahren seinen Rücktritt zum Herbst erklärt, nachdem ihm die Fraktion bei der Winterklausur in Wildbad Kreuth den Rückhalt verweigert hatte.

"Was wir 2007 hatten, war ein Hineinstolpern in eine explosive Situation, mit all den Verletzungen, Problemen und Lagerbildungen, die damit entstanden sind", sagte Huber der SZ. Der heute 70-Jährige hatte sich damals mit Günther Beckstein die Macht geteilt: Huber als Parteichef, Beckstein als Ministerpräsident. Beide traten nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 2008 zurück.

Söder könne in Berlin "sicher Bella Figura machen"

Auch jetzt steht die CSU vor einer Übergangsphase. Ministerpräsident Horst Seehofer hat angekündigt, sein Amt als Parteivorsitzender noch in diesem Jahr zur Verfügung zu stellen. Anders als vor zehn Jahren sieht Huber bessere Voraussetzungen, dass der Übergang diesmal gelingt: Seehofer habe eine hohe Autorität und Anerkennung in der CSU. Und er habe auch angekündigt, diesen Übergang zu organisieren, sagt Huber - "im Gegensatz zu 2007, als Edmund Stoiber weder Willen noch Kraft dazu hatte".

Huber appelliert gleichzeitig an seine Partei, Seehofer jetzt die nötige Zeit für Einzelgespräche zu geben. "Es werden jetzt Weichen gestellt, die für das Schicksal der CSU im nächsten Jahrzehnt entscheidend sind. Die Uhr tickt, aber wir haben sicherlich noch einige Monate Zeit, intern zu überlegen, wer als Parteivorsitzender nach Berlin gehen soll."

Denkbar, dass Seehofer doch weitermacht

Trotz guter Umfrageergebnisse für Bayerns Finanzminister Markus Söder hält Huber den Kampf um die Spitzenämter in der CSU für völlig offen. Er bedaure sogar, wenn Söder sage, er gehe nicht als Parteivorsitzender nach Berlin: "Er könnte dort sicher Bella figura machen." Auch beim Amt des Ministerpräsidenten sei noch nichts entschieden, sagt Huber: Er habe den Eindruck, dass in der Partei viele wollen, dass Seehofer die CSU als Ministerpräsident noch einmal in die Landtagswahl 2018 führe. Eine der Lehren aus Kreuth 2007 sei schließlich auch, die personellen Weichenstellungen "weniger an momentanen Umfragen" aufzuhängen.

Obwohl er stets zu Seehofers schärfsten Kritikern zählte, kann sich Huber nun offenbar selbst eine weitere Amtszeit des Ministerpräsidenten vorstellen. Da dürfe es nicht um persönliche Sympathien gehen, sagte Huber - "weder in der Partei noch bei mir". Er wolle derzeit nicht einmal ausschließen, dass Seehofer auch als CSU-Chef weitermache. Die Partei rief Huber zu Geschlossenheit auf: Es brauche auch den Mannschaftsgeist derer, die in neue Verantwortlichkeiten hineinrücken könnten. "Die Situation von 2005 bis 2007 sollte allen eine Warnung sein."

Lesen Sie mit SZ Plus das komplette Interview mit Erwin Huber:

Erwin Huber Die Lehren von Kreuth
Interview mit Erwin Huber

Die Lehren von Kreuth

Vor zehn Jahren sägte die CSU-Fraktion auf ihrer Klausurtagung den Parteichef und Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ab. Erwin Huber, einer der Akteure von damals, mahnt: "Vergleichbares darf nicht mehr passieren"   Interview von Wolfgang Wittl