Anschlag in Ansbach Münchens OB erwägt Rucksackverbot fürs Oktoberfest

Münchens OB Dieter Reiter will nach Ansbach die Sicherheitslage für das Oktoberfest neu diskutieren

(Foto: Florian Peljak)
  • Als Reaktion auf den Anschlag in Ansbach denkt Münchens Oberbürgermeister darüber nach, Rucksäcke auf dem Oktoberfest zu verbieten.
  • Ermittler prüfen noch, was das Motiv des Täters ist. Bayerns Justizminister Winfried Bausback sagt: "Würzburg und auch Ansbach zeigen wohl, dass der islamistische Terror Deutschland erreicht hat."

Nach dem Amoklauf in München und dem Anschlag in Ansbach denkt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) über ein Rucksackverbot auf dem Oktoberfest nach. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er, dass "sogar über ein Verbot von Rucksäcken" beim größten Volksfest der Welt nachgedacht werden könne. "Das sage ich ganz offen. Denn seit Ansbach wird jeder Verständnis haben, dass wir über solche Maßnahmen nachdenken müssen."

Im Münchner Stadtrat liegt mittlerweile auch ein Antrag der Fraktion aus Bayernpartei und Freien Wählern vor, der eine Anpassung des Sicherheitskonzeptes auf dem Oktoberfest fordert. Rucksäcke und größere Taschen sollten verboten werden. Als Begründung werden die Taten von München und Ansbach genannt.

Syrer zündet Bombe in Ansbach - Seehofer: "Bayern erlebt Tage des Schreckens"

Der 27-jährige Flüchtling stirbt bei der Detonation der Bombe in der mittelfränkischen Stadt. Zwölf Menschen werden verletzt. Der Ministerpräsident sagt: "Der Rechtsstaat wird nicht weichen." Von Katja Auer mehr ...

Noch ist unklar, was den 27-Jährigen angetrieben hat. Er lebte als geduldeter Flüchtling in Deutschland (was wir bislang über ihn wissen, lesen Sie hier). Michael Schrotberger von der Staatsanwaltschaft Ansbach rät zu Besonnenheit. Derzeit sei vieles Spekulation, sagte er. Ob die Tat einen politischen Hintergrund habe, müsse erst geklärt werden. Noch ermitteln die hiesigen Behörden in dem Fall. Die Bundesanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie die Ermittlungen an sich zieht.

Die Ansbacher Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) sieht kein Versagen der Stadt in der Flüchtlingsbetreuung. Der Täter, ein syrischer Asylbewerber, lebte in einem Ansbacher Flüchtlingsheim und war längere Zeit von der Stadt betreut worden. Seidel äußerte sich erschrocken und schockiert.

Um Flüchtlinge das Einleben zu erleichtern, habe die Stadt eigens das Projekt "Ankommen in Ansbach" entwickelt. Dieses Projekt bestehe aus sieben eineinhalbstündigen Informationsbausteinen, mit denen Flüchtlinge unter anderem über Recht und Gesetz und die deutsche Gesellschaft informiert würden, erläuterte Seidel. Das Projekt diene ferner dazu, "zu wissen, wer in der Stadt eigentlich mit einem und neben einem lebt", sagte Seidel. "Das werden wir auch noch verstärken, denke ich." In Ansbach leben nach ihren Angaben rund 600 Asylbewerber.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich am frühen Montagmorgen mit einer persönlichen Einschätzung zum Hintergrund der Tat. Er hält es für "sehr naheliegend", dass "hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat". Hinweise auf eine Verbindung zur Terrormiliz Islamischer Staat gebe es jedoch nicht. Der Tatverdächtige sei in Deutschland schon mehrmals "strafrechtlich in Erscheinung getreten", habe aber auch psychische Probleme gehabt und bereits zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Zeitweise sei er deshalb in klinischer Behandlung gewesen.