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Anschlag in Ansbach:Täter sollte nach Bulgarien abgeschoben werden

Sein Asylantrag war abgelehnt worden, er war in psychiatrischer Behandlung und der Polizei bekannt. Was wir über den Täter Mohammad D. wissen - und was nicht.

Am Sonntagabend gegen 22:10 Uhr explodiert in der mittelfränkischen Bezirkshauptstadt Ansbach ein Sprengsatz, der mit Metallteilen gespickt ist. Laut Polizei ereignet sich der Anschlag auf einer Straße in der Innenstadt vor der Gaststätte "Eugens Weinstube". Ein Mensch stirbt bei der Explosion, 15 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer. Bei dem Toten handelt es sich dem bayerischen Innenministerium zufolge um den Täter Mohammad D.

Was wir über den Täter wissen

  • Mohammad D. ist ein 27 Jahre alter Flüchtling aus Syrien. Er versuchte laut Polizei, auf das Gelände eines Musikfestivals auf der nahegelegenen Reitbahn zu gelangen, sei aber abgewiesen worden, weil er keine Eintrittskarte vorzeigen konnte. Daraufhin zündete er den in seinem Rucksack versteckten Sprengsatz. Auf der Veranstaltung waren etwa 2000 Besucher.
  • Mohammad D. kam vor zwei Jahren aus dem Bürgerkriegsland nach Deutschland und stellte einen Asylantrag, der vor einem Jahr abgelehnt wurde. Seitdem wohnte er als geduldeter Flüchtling in einer Unterkunft in Ansbach.
  • Dem Bundesinnenministerium zufolge sollte Mohammad D. nach Bulgarien abgeschoben werden, weil er dort vor der Ankunft in Deutschland registriert worden sei. Es sei unklar, "warum diese Abschiebung nicht vollzogen wurde", sagte ein Ministeriumssprecher der Nachrichtenagentur dpa. Abschiebungen lägen in der Zuständigkeit der Länder.
  • Der Syrer habe bereits zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Deswegen sei er auch schon in einer psychiatrischen Klinik untergebracht gewesen, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Er sei schon früher strafrechtlich in Erscheinung getreten, unter anderem wegen eines Drogendelikts.
  • Ein Mitarbeiter des städtischen Sozialamts Ansbach beschreibt den Täter als "freundlich, unauffällig und nett". Er sei öfter als Asylbewerber bei der Behörde gewesen und war "bei uns bekannt. Da ging es um soziale Leistungen."

Was wir nicht wissen

  • Über die Motive des Täters wird bisher nur spekuliert. Unklar ist laut Herrmann, ob er nur in suizidaler Absicht handelte oder auch andere Menschen mit in den Tod reißen wollte. Der dpa sagte Herrmann: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat."
  • Polizeipräsident Roman Fertiger sagte: "Wir können nicht ausschließen, dass es ein radikaler Extremist ist, es gibt aber keine Beweise." In diesem Fall wäre die Bundesanwaltschaft zuständig. Sie äußerte sich allerdings noch sehr zurückhaltend: Es gelte, "sich eine zuverlässige Tatsachengrundlage zu verschaffen. Dann müssen wir sehen, ob das in unsere Zuständigkeit fällt oder nicht."
  • Auch die Bundesregierung warnte vor zu frühen Urteilen. Für ein islamistisches Motiv gebe es bislang "keinen belastbaren Hinweis".
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