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Anschlag nahe Musikfestival:Syrer zündet Bombe in Ansbach - Seehofer: "Bayern erlebt Tage des Schreckens"

  • Ein 27-jähriger Mann aus Syrien zündet in der Ansbacher Innenstadt einen Sprengkörper und tötet sich dabei selbst. 15 Menschen werden verletzt, vier von ihnen schwer.
  • Es ist bereits die dritte schwere Gewalttat in Bayern innerhalb einer Woche: Ministerpräsident Seehofer spricht von "Tagen des Schreckens".
  • Der Täter war vor etwa zwei Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen, sein Asylantrag wurde abgelehnt. Dem Bundesinnenministerium zufolge sollte er nach Bulgarien abgeschoben werden.
  • Ermittler gehen der Frage nach, ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hat.

Ein Mann hat am späten Sonntagabend in Ansbach einen Sprengkörper gezündet und sich dabei selbst getötet. 15 Menschen wurden bei der Explosion verletzt, vier davon schwer. Lebensgefährlich verletzt sei niemand, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Mittelfranken am Montagvormittag. Vier der Verletzten seien noch in der Klinik.

Bei dem Toten handelt es sich um einen 27-jährigen Syrer. Noch sei nicht klar, ob sich der Mann nur selbst umbringen oder auch andere Menschen mit in den Tod reißen wollte. Ob es einen politischen Hintergrund gebe, müsse erst noch geklärt werden, sagte Michael Schrotberger von der Staatsanwaltschaft Ansbach. Das Bundesinnenministerium sieht derzeit "keinen belastbaren Hinweis" für ein islamistisches Motiv.

Seehofer: "Der Rechtsstaat wird nicht weichen"

"Bayern erlebt Tage des Schreckens", teilte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) über seinen Pressesprecher mit. Zum dritten Mal in einer Woche werde der Freistaat von einer "schweren Gewalttat" erschüttert. "In jedem Fall gilt: Der Rechtsstaat wird nicht weichen." Am Montag vor einer Woche hatte ein Angreifer in einem Zug nahe Würzburg mehrere Menschen mit einer Axt schwer verletzt. Bei einem Amoklauf in München starben am Freitag neun Menschen und der Täter.

Details zur Tat in Ansbach

Der Sprengsatz in Ansbach war offenbar besonders präpariert: Weit um den Tatort verstreut wurden Metallteile gefunden. Den Einsatzkräften sei schnell klar gewesen, dass es sich möglicherweise um einen Anschlag handle, sagte Polizeipräsident Roman Fertiger auf einer Pressekonferenz, die in der Nacht um drei Uhr einberufen wurde. "Wir können nicht ausschließen, dass es ein radikaler Extremist ist, es gibt aber keine Beweise", sagte er.

Vor der Weinstube in der Nähe des Festivalgeländes zündete der Täter seinen Sprengsatz.

(Foto: Google Earth)

Am frühen Montagmorgen sagte Innenminister Herrmann der Nachrichtenagentur dpa: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat."

Die Polizei richtete eine Sonderkommission mit mehr als 30 Beamten zur Untersuchung des Vorfalls ein. Via Twitter rief sie Augenzeugen dazu auf, Videos und Bilder der Tat per Mail an die Behörde zu schicken.

Mittlerweile wurden nach Polizeiangaben ein Laptop und ein oder mehrere Handys aus dem Zimmer des Syrers sichergestellt, sie würden aktuell ausgewertet.

Detonation nahe eines Musikfestivals

Die Explosion fand in der Nähe der Ansbach Open statt, eines Festivals, bei dem am Sonntagabend die deutschen Sänger Joris, Philipp Dittberner und Gregor Meyle auftraten. Der Sprengsatz soll direkt vor dem Eingang zur Reitbahn detoniert sein, wo das Konzert stattfand.

Offenbar hatte der Mann, der einen Rucksack getragen haben soll, versucht, auf das Gelände zu gelangen. Der Zutritt sei ihm jedoch verwehrt worden, weil er keine Eintrittskarte besaß. Als die Sicherheitskräfte beim Festival die Taschen der Besucher durchsuchten, soll er seinen Weg geändert haben und in Richtung einer gut besuchten Weinstube abgebogen sein. Vor dem Lokal detonierte dann gegen 22:15 Uhr der Sprengsatz. Der Inhalt des Rucksacks sei geeignet gewesen, um noch mehr Menschen zu töten, sagte Herrmann.

Die Veranstaltung wurde abgebrochen. Die 2000 Besucher hätten den Ort verlassen. Ruhig und diszipliniert, nach Angaben der Behörden. Ein Hotel und die umliegenden Wohnhäuser wurden vorsorglich evakuiert. Innerhalb kurzer Zeit waren 200 Polizisten und mehr als 300 Rettungskräfte vor Ort.

Was über den Täter bekannt ist

Der Mann sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen, sagte Herrmann. Vor einem Jahr sei sein Asylantrag abgelehnt worden, er habe er eine Duldung erhalten. Bereits zweimal soll er versucht haben, sich umzubringen, er sei auch schon im Bezirkskrankenhaus behandelt worden. Er sei schon mehrmals polizeilich aufgefallen. Der Mann lebte in einer Unterkunft in Ansbach.

Wie das Bundesinnenministerium am Montagvormittag mitteilte, sollte der Täter nach Bulgarien abgeschoben werden. Es habe eine Abschiebeandrohung in das Balkanland gegeben, sagte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin. Grund sei, dass der Mann zuvor in den EU-Staaten Bulgarien und Österreich registriert worden sei."Ich kann Ihnen zur Stunde nicht sagen, warum diese Abschiebung nicht vollzogen worden ist", sagte er weiter. Abschiebungen lägen in der Zuständigkeit der Länder.

Anschlag in Ansbach Täter sollte nach Bulgarien abgeschoben werden
Anschlag in Ansbach

Täter sollte nach Bulgarien abgeschoben werden

Sein Asylantrag war abgelehnt worden, er war in psychiatrischer Behandlung und der Polizei bekannt. Was wir über den Täter Mohammad D. wissen - und was nicht.