Klimakolumne:Willkommen im Club

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Klimakolumne: Will man diesem Klimaclub angehören? Tja. Die G7-Staatschefs, hier mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel.

Will man diesem Klimaclub angehören? Tja. Die G7-Staatschefs, hier mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel.

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Warum Olaf Scholz' Klimaclub so zahnlos gerät? Weil er einen Konstruktionsfehler hat.

Von Michael Bauchmüller

Sind Sie in einem Club? Nein, kein Skat- oder Kegelclub - sondern einer, dem nur ein erlesener Kreis angehört. In den man nicht ohne Weiteres reinkommt, der von seinen Mitgliedern bestimmte Leistungen erwartet, dafür aber exklusive Vorteile sichert. In der Ökonomie gibt es für solche Vereinigungen sogar eine eigene "Clubtheorie", und deren Sondervorteile heißen darin "Clubgüter". Und so einen Club, den soll es nun auch für das Klima geben.

Denkt sich jedenfalls der Kanzler.

Beim Treffen der sieben großen alten Industrienationen in Elmau jedenfalls hat er den G7 das Bekenntnis abgerungen, "fest hinter den Zielen eines offenen und kooperativen internationalen Klimaclubs" zu stehen. So fest stehen stehen sie hinter diesem Club, dass sie auf weitere Details dazu verzichteten. Und den Klimaclub gründeten sie auch nicht gleich, sondern sie wollen ihn bis zum Ende des Jahres gründen. Oder genauer: auf die Gründung "hinwirken". Das aber ganz feste.

Das alles sagt mehr über den Zustand des internationalen Klimaschutzes, als den Sieben in Elmau vielleicht bewusst gewesen sein mag. Zum einen, weil sie seit jeher ein Club sind: Nämlich der Club derer, die ihren Wohlstand auf jenen Trümmerhaufen bauten, den ihr Klimaclub nun beseitigen helfen soll. Im vorigen Jahrhundert hat niemand mehr zur Erderhitzung beigetragen als der Industriestaaten-Club. Nur mit der Verantwortung dafür nimmt er es seit jeher nicht so genau.

Zum anderen, weil mit Olaf Scholz' Klimaclub nun das geschehen wird, was mit internationalen Vereinbarungen zum Klima seit Jahrzehnten passiert: Entweder, sie haben Zähne - dann machen aber nur wenige Staaten mit. Oder alle machen mit - dann haben sie aber keine Zähne.

Wie viel Staaten für das Klima tun, entscheidet sich nicht auf G-7-Gipfeln

Die Idee, die der US-Nobelpreisträger William D. Nordhaus 2015 für den Klimaclub ersonnen hatte, war gar nicht zahnlos. Alle Mitglieder hätten sich darauf verpflichtet, vergleichbare Preise auf klimaschädliche Emissionen einzuführen. Im Gegenzug hätten sei frei untereinander Handel treiben können. Wer dagegen nicht diesem Club beiträte, hätte nur mit saftigen Klimazöllen in die Länder des Clubs exportieren können - was wiederum ein guter Grund sein könnte, vielleicht doch mitzumachen. Einem guten Club wollen nämlich viele angehören.

So weit wird es, das lässt sich nach den Tagen in Elmau schon sagen, nicht kommen. Zu weit sind Länder wie die USA und Japan von einem wirksamen CO₂-Preis entfernt, zu sehr fürchten andere einen Handelskrieg, sollten solche Importzölle wirklich kommen; etwa mit dem Riesen China. Ein "Club" im eigentlichen Sinn wird das nicht werden. Aber vielleicht liegt das daran, dass Olaf Scholz für dessen Gründung die Falschen ausgesucht hatte.

Leider bleibt das die Lage: Wie viel Staaten für den Klimaschutz tun, entscheidet sich nicht auf G-7-Gipfeln, sondern in den Staaten selbst; und es liegt deshalb weiter viel Last auf den Schultern derer, die in ihren Heimatländern für mehr Klimaschutz kämpfen. Das gilt auch für einen Klimaclub, der den Namen verdient: Die Voraussetzungen müsste jedes Land für sich selbst schaffen. Anscheinend aber halten es auch unter den großen Industriestaaten die meisten mit dem alten Wort von Groucho Marx: Ich möchte keinem Club angehören, der Leute wie mich aufnimmt.

(Dieser Text stammt aus dem wöchentlichen Newsletter Klimafreitag, den Sie hier kostenfrei bestellen können.)

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