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Geschichte - Bergen:Niedersachsen gedenkt Befreiung des KZ Bergen-Belsen

Bergen
"Wir gedenken" steht auf einer Tafel im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen. Foto: Philipp Schulze/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Bergen-Belsen (dpa/lni) - Beim Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vor 75 Jahren hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ein konsequentes Vorgehen gegen Antisemitismus, Rassismus und Unterdrückung gefordert. "Bergen-Belsen ist und bleibt eine offene Wunde unserer Geschichte", sagte Weil am Sonntag bei einer Kranzniederlegung. "Wir gedenken in tiefer Trauer und in tiefer Scham der Opfer."

Wegen der Corona-Epidemie war die geplante große Gedenkveranstaltung auf das kommende Jahr verschoben worden. An einem Gedenken in kleinem Rahmen beteiligten sich neben Weil weitere Landespolitiker sowie der Präsident des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, Michael Fürst.

"Wo sich heute eine friedliche Heide-Landschaft vor uns ausbreitet, befand sich damals ein Ort unfassbaren Elends - die "Hölle von Bergen-Belsen", wie die Häftlinge sagten", meinte Weil. "Mehr als 70 000 Menschen waren es insgesamt, die hier ihr Leben gelassen haben - verhungert, erschlagen, verdurstet oder einfach am Ende ihrer Kräfte." Die damals von den Befreiern gemachten Bilder seien auch heute kaum zu ertragen, ebenso wie die Berichte der Überlebenden.

Britische Soldaten befreiten das Konzentrationslager am Rande der Lüneburger Heide am 15. April 1945. In dem Lager wurden rund 10 000 Tote gefunden. Die Schreckensbilder gingen um die Welt. Rund 200 000 Menschen wurden nach Bergen-Belsen deportiert. Zu den Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, die dort ums Leben kamen, gehört die 15-jährige Anne Frank, die durch ihre Tagebücher posthum weltbekannt wurde.

1952 entstand in Bergen-Belsen die erste Gedenkstätte am Ort eines Konzentrationslagers, Räume und Führungen gab es zunächst nicht. Erst 1966 wurden ein Dokumentenhaus und eine Ausstellung eingerichtet. Ab Ende der 80er-Jahre kamen Erweiterungsbauten hinzu, Kontakte zu Überlebenden wurden intensiviert. 2007 schließlich entstand ein Dokumentationszentrum samt Dauerausstellung.

"Die Aufarbeitung der NS-Zeit und der organisierten Massenvernichtung muss gestärkt werden und lebendig bleiben", forderte die Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg, die ebenfalls an dem Gedenken teilnahm. "Das Ansteigen rechter Straftaten und das Erstarken der extremen Rechten zeigen auf, wie entscheidend es ist, heute aus der Geschichte zu lernen, um auch morgen noch in einem demokratischen und solidarischen Rechtsstaat zu leben, in dem jeder Mensch die gleichen Rechte hat."

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