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Zeitarbeit - Lohndumping - Burn-out:"Eine Woche später war ich gefeuert"

Melanie Taubert, 31 Jahre

  • Arbeitete als: Aushilfe in einem Fitnessstudio
  • Verdiente: bis zu 450 Euro
  • Ärgert sich über: Kündigung nach Krankheit

Ich war fünf Monate Mädchen für alles in einem Fitnessstudio, als ich eine Erkältung bekam und am Wochenende nicht arbeiten konnte. Mein Lohn für diesen Monat wurde entsprechend gekürzt - obwohl die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch für 450-Euro-Jobber gilt. Ich habe meine Chefs um Nachzahlung gebeten. Die haben mich daraufhin zu sich ins Büro bestellt und mich auflaufen lassen: Sie würden die gesetzliche Regelung zwar kennen, seien aber der Meinung, sich nicht daran halten zu müssen. Außer natürlich, ich würde explizit darum bitten. Was ich dann höflich tat, woraufhin sie mir zusagten, das fehlende Geld zu überweisen.

Eine Woche später war ich gefeuert. Auf die Frage nach den Gründen haben sie mir nur ausweichend geantwortet und schließlich angebliche Beschwerden von Kollegen und Kunden angeführt. Ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich bisher - so waren die Rückmeldungen - gute Arbeit geleistet und mich mit allen gut verstanden hatte. Und selbst wenn, wäre das kein Grund für einen Rauswurf, zumindest nicht ohne vorherige Abmahnung.

Aber in dem Moment war ich völlig verdattert, weil ich mit sofortiger Wirkung freigestellt wurde und - unter Aufsicht - meine Sachen packen und das Studio verlassen musste. Das Geld für die Krankheitstage kam tatsächlich mit meinem letzten Gehalt. In einer Mail habe ich noch die anteilige Auszahlung des Jahresurlaubs eingefordert. Und bekam die schnippische Antwort, man sei davon ausgegangen, dass das mit sechs Monaten freier Trainingsmöglichkeit abgegolten sei. Anscheinend hat in diesem Fitnessstudio nur derjenige eine Chance auf einen sicheren Arbeitsplatz, der sich freiwillig und stillschweigend ausbeuten lässt, anderslautende Gesetze hin oder her.

15 aus 2015 "Wir statten Arbeitgeber mit billigem Menschenmaterial aus"
Platz 6 - 15 aus 2015
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