Welthandel Exportweltmeister Deutschland trifft auf Raufbold Trump

Nicht nur Fakten sind unter US-Präsident Trump zu einer relativen Kategorie geworden, auch seine Logik ist eine andere als die, der Kanzlerin Merkel folgt.

(Foto: REUTERS)

Es ist nicht nur dem US-Präsidenten geschuldet, dass Berlin und Washington auf einen Handelskonflikt zusteuern. Die Bundesregierung trägt eine Mitverantwortung.

Kommentar von Claus Hulverscheidt

Es ist immer besser, miteinander zu reden als übereinander, hat Angela Merkel vor ihrem Treffen mit Donald Trump gesagt, und natürlich hat die Bundeskanzlerin recht. Doch ihre Begegnung mit dem neuen US-Präsidenten hat auch gezeigt, dass Reden allein noch keine Probleme löst: Man kann auch miteinander sprechen, ohne sich etwas zu sagen.

Wenn Merkel darauf gesetzt haben sollte, dass Trump sich schon wird einhegen lassen und die Metamorphose vom Wahlkämpfer zum Staatsmann irgendwann hinbekommt, dann ist sie jetzt um eine Hoffnung ärmer. Dem Präsidenten, so wird mit jedem Tag deutlicher, ist es tatsächlich ernst mit seiner kruden politischen Agenda. Er denkt nicht im Traum daran, sich von Gipfelbeschlüssen und G-20-Absprachen in seiner Handlungsfreiheit einengen zu lassen, und Bündnisse mit anderen Staaten sind für ihn allein Mittel zum Zweck.

Nicht nur Fakten sind unter Trump zu einer relativen Kategorie geworden, auch seine Logik ist eine andere als die, der Merkel folgt. Für einen so rationalen Menschen wie die Kanzlerin, die oft davon lebt, dass selbst die größten Wichtigtuer im internationalen Kollegenkreis sich der Kraft ihrer Argumente am Ende nicht entziehen können, ist das eine ernüchternde Erkenntnis.

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Schon Trumps Vorgänger haben die deutschen Exportüberschüsse kritisiert

Dass Berlin und Washington nun vor allem in Handelsfragen auf einen Konflikt zusteuern, ist jedoch nicht nur Trumps wirrer Weltsicht geschuldet. Vielmehr tragen die Bundesregierung und auch Merkel selbst eine Mitverantwortung, denn schon Trumps Vorgänger haben die hohen deutschen Exportüberschüsse immer wieder kritisiert. Das Gleiche gilt für andere Regierungschefs, die Deutschland seit Jahren dazu drängen, die Exportwucht durch Programme zur Förderung der Importnachfrage zu ergänzen und damit einen Beitrag zu mehr weltwirtschaftlicher Ausgewogenheit zu leisten. Doch die Kanzlerin und ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble haben sich stets taub gestellt und die Forderung mit der Attitüde des Klassenstrebers als Neid diskreditiert. Nun bekommen sie es statt mit wohlmeinenden Mitschülern mit dem neuen Klassenraufbold zu tun.

Dabei gäbe es durchaus Wege, die man gemeinsam beschreiten könnte. Die Bundesregierung könnte etwa durch Steuersenkungen Anreize für mehr Investitionen der Wirtschaft und mehr Konsum der Bürger setzen, was tendenziell die Importnachfrage erhöhen und auch Deutschland selbst stärken würde. Die USA umgekehrt müssten viel mehr Geld in die Qualifizierung ihrer Arbeitnehmer stecken, um die Wettbewerbsfähigkeit wichtiger Branchen zu verbessern. Dass Trump bei dem Treffen mit Merkel Interesse an der dualen Berufsausbildung, made in Germany, signalisierte, ist ein Lichtblick und zeigt, dass der Präsident bei aller Irrlichterei nicht gänzlich für vernünftige Ideen verloren ist.

Das Problem ist, dass eine solche Strategie Zeit verlangt - Zeit, die Trump nicht hat, will er seine Gefolgschaft nicht enttäuschen. Merkel sollte dennoch auf ihn zugehen, denn klar ist: Eskaliert der Konflikt, wird es am Ende nur Verlierer geben.

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