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Vorstoß des US-Präsidenten:Trump schadet mit seinen Strafzöllen der Welt

Trump kündigt Strafzölle an, ein Handelskrieg droht.

Mit seinem Vorstoß sorgt Donald Trump für Sorgen auf der ganzen Welt.

(Foto: AFP)

Die großen Volkswirtschaften erleben einen Aufschwung, selten war die Gelegenheit so günstig, Wohlstand für alle zu schaffen. Dafür aber braucht es Handel und globale Arbeitsteilung.

Kommentar von Claus Hulverscheidt, New York

Am Ende also hat Donald Trump tatsächlich noch selbst Hand angelegt an die Höhe des Zolls: Stahllieferungen aus dem Ausland sollen in den USA bald mit einer Importabgabe von 25 Prozent belegt werden - 25 Prozent wohlgemerkt, nicht 24, wie von Beratern empfohlen, denn 25 sei einfach die "rundere Zahl". So soll es Trump im lockeren Plausch mit Unterlingen gleich mehrfach gesagt haben. Zynischer kann man wohl kaum einen globalen Handelskrieg beginnen und das eigene Argument widerlegen, wonach die Einführung des Zolls dem Schutz der nationalen Sicherheit dient. Niemand glaubt das, nicht einmal der Präsident selbst.

Für Trump besteht Politik im Kern aus dem Zurschaustellen von Macht und aus Effekthascherei. Es geht nicht darum, was entschieden wird, sondern nur, dass entschieden wird. Die langfristigen Folgen seiner erratischen Ad-hoc-Beschlüsse kümmern ihn dabei wenig, das hat bereits die auf Pump finanzierte Steuerreform gezeigt. Mit der Einführung des Stahlzolls treibt er dieses Kurzfristdenken nun auf die Spitze.

Trump hat die Wahl 2016 mit der Zusage gewonnen, seine Politik allein am nationalen Interesse auszurichten. "America first" lautet der Slogan, bei dem bis heute viele derer nicken, die den liberalen Zeitgeist eher für einen Ungeist halten. Diese Klientel will Trump bedienen, indem er sagt, die Zölle würden die heimische Stahlindustrie revitalisieren. Schon bald aber wird er merken, dass die Stahlfirmen des Landes zwar 140 000 Menschen beschäftigen, die stahlverarbeitenden Betriebe aber 6,5 Millionen. Auf diese kommen höhere Kosten zu - nicht zu reden von den US-Verbrauchern, die bald mehr für Autos, Hausbau und Dosenbier werden bezahlen müssen.

Schlimmer noch ist der Schaden, den Trumps Entscheidung auf globaler Ebene anrichten könnte. Erstmals seit Jahrzehnten erleben die großen Volkswirtschaften der Welt gleichzeitig einen Konjunkturaufschwung, selten also war die Gelegenheit so günstig, Wohlstand für alle zu schaffen. Der Handel und die globale Arbeitsteilung leisten dazu - bei allen Problemen - einen wichtigen Beitrag. Dieser aber wird sich in sein Gegenteil verkehren, sollte nun eine Spirale von Sanktionen und Gegensanktionen in Gang kommen. Die EU etwa verfügt längst über eine Liste von US-Produkten, die sie ihrerseits mit Zöllen belegen könnte. Dazu zählen Whiskey und Motorräder, Kartoffeln und Tomaten. Hauptbetroffene wären, keineswegs zufällig, Bundesstaaten mit vielen Trump-Anhängern - und das im Jahr der Kongresswahl.

In Trumps Aussagen stecken zwei Irrtümer

Mit seinem Zollbeschluss zielt der Präsident aber vor allem auf China, ein Land, das die Lücken im globalen Handelsregelwerk rücksichtslos für die Durchsetzung eigener Interessen ausnutzt: durch Marktabschottung, Ideenklau - und Dumpingpreise für Stahl. Der Ärger darüber wird von den Europäern geteilt und hätte die Chance geboten, eine starke multilaterale Allianz zu schmieden, die den Druck auf Peking massiv erhöht. Stattdessen treibt Trump die Europäer nun in die Arme der Chinesen.

Die Zahl derer im Weißen Haus, die derlei Zusammenhänge verstehen, ist nach dem Abgang der zwar umstrittenen, aber globalisierungsfreundlichen Führungskräfte Rob Porter und Hope Hicks sowie der Degradierung von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner auf ein Minimum gesunken. "Weil Rob Porter seine Frauen geschlagen, Hope Hicks endlich einmal die Wahrheit gesagt und Jared Kushner seine Sicherheitsfreigabe verloren hat, stehen wir jetzt vor einem Handelskrieg", hat der Ökonom Paul Krugman geschrieben. Krugman trifft in politischen Fragen keineswegs immer ins Schwarze. Diesmal jedoch ist seine Aussage so richtig wie sarkastisch.

Trump selbst sagt, wenn ein Land im Warenverkehr mit anderen stets Defizite verbuche, sei "ein Handelskrieg gut und leicht zu gewinnen". Dahinter stecken gleich zwei fundamentale Irrtümer: Dass Handel nämlich ein Nullsummenspiel ist, bei dem sich einer auf Kosten des anderen bereichert - und dass dabei stets der Stärkere obsiegt. Beim Handel gewinnen aber im Idealfall beide. Doch das ist eine Kategorie, die Trump wohl nie verstehen wird.

© SZ vom 03.03.2018/been
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