Dax, Dow Jones und Nikkei Die Ankündigung von Strafzöllen lässt die Börsen erzittern

Hat mit seiner Ankündigung für Aufruhr an den Börsen gesorgt: US-Präsident Donald Trump.

(Foto: AP)
  • US-Präsident Donald Trump will den Import von Stahl und Aluminium in die USA mit hohen Strafzöllen belegen.
  • Der Dax rutschte aufgrund des drohenden weltweiten Handelskonflikts unter die Marke von 12 000 Punkten.
  • Die EU kündigte umgehend Vergeltungsmaßnahmen an: Schon seit Monaten arbeiten Experten an einer Liste von US-Produkten, die mit höheren Zöllen belegt werden könnten.

Die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe belasten die Börsen auf der ganzen Welt. Nachdem es in der Nacht an den amerikanischen und japanischen Börsen erste Kursrutsche gab, verzeichnet nun auch der Dax zu Börsenstart deutliche Verluste. Von einem Kurssturz kann allerdings nicht die Rede sein: Der deutsche Leitindex verlor am Freitag knapp 2,3 Prozent, was noch lange keiner Panik am Aktienmarkt entspricht.

Allerdings fiel der Dax erstmals seit August vergangenen Jahres wieder unter die für Anleger psychologisch wichtige Marke von 12 000 Punkten. Grund dafür ist aber nicht allein die aus den Strafzöllen resultierende Möglichkeit eines weltweiten Handelskonflikts. Hinzu kommt die Ungewissheit über die Geldpolitik der US-Notenbanken, die ebenfalls auf den Kursen lastet.

Alles andere als schlau

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Besonders hart treffen Trumps Pläne die europäischen Stahlkonzerne: Thyssenkrupp und Salzgitter verloren bis zu 5,33 Prozent. Auch die Aktien der deutschen Autobauern gerieten unter Druck. Diese würden unter einem Preisanstieg in der Stahlbranche leiden. Die Papiere von BMW, Daimler und Volkswagen gaben jeweils bis zu 2,9 Prozent nach. Die Konkurrenten Peugeot und Renault büßten je knapp zwei Prozent ein, in Mailand brachen die Titel des italienisch-amerikanischen Herstellers Fiat Chrysler sogar um 5,5 Prozent ein.

Der amerikanische Leitindex Dow Jones gab am Donnerstag zwischenzeitlich fast 500 Punkte nach und schloss schließlich 1,7 Prozent tiefer als noch am Vortag bei 24 608 Punkten. Am diesem Freitag setzten sich die Kursverluste bislang fort. Besonders stark fielen die Kurse für Industrieunternehmen, die von höheren Stahl- und Aluminiumpreisen getroffen werden könnten. An den japanischen Börsen ging es ähnlich turbulent zu: Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fiel bis zu 2,5 Prozent. Insbesondere Aktien von Stahlfirmen, Aluminiumkonzernen und Autobauern waren bei den Händlern nicht mehr beliebt.

Juncker kündigt Vergeltungsmaßnahmen an

Die EU hat unmittelbar nach Trumps Vorstoß angekündigt, notfalls mit Vergeltungsmaßnahmen auf die Strafzölle zu reagieren: "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Seine Behörde werde bereits in den kommenden Tagen Vorschläge machen, wie im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO zurückgeschlagen werden könne. "Die EU wird entschieden und angemessen reagieren, um ihre Interessen zu verteidigen", sagte er.

Konkrete Angaben zu den möglichen Schritten machte Juncker bislang nicht. EU-Experten arbeiten aber bereits seit Monaten an einer Liste mit US-Produkten, die als Reaktion auf Abschottungsmaßnahmen mit zusätzlichen Zöllen belegt werden könnten. Zu ihnen gehören unter anderem Bourbon-Whiskey und Harley-Davidson-Motorräder, aber auch in den USA angebaute Kartoffeln oder Tomaten.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Freitag hinter die EU-Kommission gestellt und die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte kritisiert. "Die Bundesregierung lehnt solche Zölle ab", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Problem der weltweiten Überkapazitäten lasse sich mit diesem Mittel nicht lösen. Ein "Handelskrieg" könne zudem "in überhaupt niemandes Interesse sein", betonte Seibert, auch nicht in dem der USA. Es sei deswegen "völlig richtig", dass die EU-Kommission deutlich gemacht habe, welche Gegenreaktionen sie ergreifen könne.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström ist sich ebenfalls sicher, dass die US-Maßnahmen "negative Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen und die globalen Märkte" haben werden. Die EU werde nun so schnell wie möglich die Welthandelsorganisation WTO einschalten, um über sie Konsultationen zur Streitbeilegung zu beginnen. Der SPD-Handelsexperte Bernd Lange prognostiziert darüber hinaus eine baldige Isolierung der USA. "Das ist rücksichtloser Nationalismus und Protektionismus in Reinform", kommentierte der Europaabgeordnete. Den Amerikanern müsse mit harten Gegenmaßnahmen aufgezeigt werden, "wo die Grenzen unseres Verständnisses für einen irrational und protektionistisch handelnden US-Präsidenten liegen".

Der Chef der WTO hat die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle ebenfalls kritisiert. "Ein Handelskrieg ist im Interesse von Niemandem" sagte Generaldirektor Roberto Azevêdo am Freitag in Genf. "Die WTO ist eindeutig besorgt über die Ankündigung der USA von Zöllen auf Stahl und Aluminium. Es gibt echtes Potenzial für eine Eskalation, wie die ersten Reaktionen anderer zeigen." Die WTO beobachte die Lage sehr genau.

China ruft die US-Regierung lediglich zu Zurückhaltung auf

Vergleichsweise zurückhaltend hat China auf die angekündigten Strafzölle reagiert. Anstatt ebenfalls mit Schritten zu drohen, hat das Land die USA lediglich davor gewarnt, weitere Maßnahmen dieser Art zu ergreifen. "​Würden alle Länder dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen, hätte dies zweifellos schwerwiegende Auswirkungen auf den internationalen Handel"​​, sagte eine Sprecherin des Pekinger Außenministeriums. Die US-Regierung solle sich bei der Anwendung von Schutzinstrumenten für den Handel "in Zurückhaltung üben".

Auch in Deutschland gab es am Morgen erste Reaktionen auf die angekündigten Zölle: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich besorgt. "Ein solcher weltweiter US-Rundumschlag würde gerade unsere Exporte und Arbeitsplätze mit am stärksten betreffen", sagte er. "Die EU muss auf Strafzölle der USA, die Tausende Arbeitsplätze in Europa gefährden, mit Entschiedenheit reagieren." Er hoffe, dass Trump seine Entscheidung noch einmal überdenke. "Wir müssen alles dafür tun, einen internationalen Handelskonflikt zu vermeiden."

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl in Deutschland wirft Trump wegen der Verhängung von Strafzöllen einen Bruch der WTO-Regeln vor. "Die USA bauen eine Zollschranke auf, mit der sie sich gegen Stahlimporte aus aller Welt abschotten. Diese Maßnahme verstößt eindeutig gegen Regeln der Welthandelsorganisation WTO", sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff. "Jetzt muss die EU konsequent mit den Instrumenten dagegen vorgehen, die die WTO hierfür bereitstellt."

Kanada will indes gegen die angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminium-Importe mit eigenen Schritten vorgehen. Im Falle solcher Beschränkungen "wird Kanada mit Maßnahmen reagieren, um seine Handelsinteressen und seine Arbeiter zu schützen", sagte Außenministerin Chrystia Freeland. Kanada ist mit 16,7 Prozent aller Importe zwar der größte ausländische Stahl-Lieferant der Vereinigten Staaten. Die USA haben Freeland zufolge beim Stahlhandel mit Kanada jedoch einen Handelsüberschuss von rund zwei Milliarden kanadischen Dollar (1,3 Milliarden Euro), exportieren also mehr als sie importieren. "Kanada kauft mehr amerikanischen Stahl als jedes andere Land der Welt, was mehr als die Hälfte der US-Exporte ausmacht", sagte Freeland. Die von Trump angekündigten Zölle seien deshalb "absolut inakzeptabel".

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