Trumps Strafzölle Alles andere als schlau

Mit seiner "America first"-Strategie stellt Trump vor allem die US-Wirtschaft vor Probleme.

(Foto: AFP)

Der US-Präsident will die Stahlindustrie der Vereinigten Staaten mit Strafzöllen schützen. Doch damit gefährdet er einen wichtigen Wohlstandsgaranten.

Kommentar von Henrike Roßbach

US-Präsident Donald Trump hat eine neue Handelskategorie erfunden: den "schlauen Handel". Den Weg dorthin sollen Importzölle auf Stahl und Aluminium bereiten, zum Schutz amerikanischer Produzenten und Arbeiter. Für Trump ist die Welt des Handels schwarz-weiß und ein Nullsummenspiel. Es gibt nur Gewinner und Verlierer. Am Handelsbilanzdefizit der USA glaubt er ablesen zu können, dass sein Land bislang auf der Verliererseite gestanden habe, unfair behandelt von Exportnationen wie China oder auch Deutschland.

Wahr ist, dass die weltweiten Überkapazitäten in der Stahlproduktion ein echtes Problem sind. Wahr ist auch, dass China der größte Stahlproduzent der Welt ist und mit Dumpingpreisen den anderen Ländern und deren Herstellern zum Teil das Leben schwer macht. Bislang allerdings versuchten die betroffenen Staaten, diesen Streit multilateral in den Griff zu bekommen, also gemeinsam. Noch im Herbst vergangenen Jahres hatten sich die Vertreter der zwanzig wichtigsten Wirtschaftsnationen und weiterer Länder in Berlin zu einem Stahlgipfel getroffen. Was Trump nun anstößt, bedeutet eine Abkehr Amerikas von solchen etablierten Formaten.

Trumps "America first" wird zum Problem für die US-Wirtschaft

So zäh solche Verhandlungen auch sind, sie sind der bessere Weg. Die Weltwirtschaft ist heute eng miteinander verflochten, Produktionsprozesse sind auf verschiedene Länder, ja Kontinente verteilt. Die internationale Arbeitsteilung ist komplex, und es ist sinnvoll, dass es sie gibt. Der US-Präsident aber denkt offenbar in anderen Mustern, und immer unter der Überschrift "America first". Neue Jobs und "pulsierende Unternehmen" verspricht er sich von seinen Strafzöllen. Der Puls jener amerikanischer Firmen aber, die für die Herstellung ihrer Produkte auf Stahlimporte angewiesen sind, dürfte nach Trumps Ankündigung erst mal nach oben gegangen sein. Die Strafzölle erhöhen ihre Herstellungskosten, sie verlieren Wettbewerbsfähigkeit, die Jobs ihrer Mitarbeiter sind weniger sicher - und für amerikanische Konsumenten wird es teurer.

Im schlimmsten Fall markiert Trumps Entscheidung den Anfang einer Protektionismuswelle. Erst diese Woche haben die EU-Handelsminister auf ihrem Treffen im bulgarischen Sofia deutlich gemacht, dass sie sich amerikanische Strafaktionen nicht gefallen lassen werden. Gegenmaßnahmen liegen schon in den Schubladen. Man muss zwar nicht gleich vom Handelskrieg unken. Unheimlich aber ist das schon.

Der freie Handel, zumindest zu den Spielregeln der Welthandelsorganisation, ist ein Wachstums- und Wohlstandsgarant. Er ist nicht perfekt, aber er ist dennoch das überlegene Modell der modernen Weltwirtschaft. Ihn zu gefährden, ist ganz sicher eines nicht: schlau.

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