Klimapolitik:Jetzt kommt es auf die Wirtschaft an

Lesezeit: 2 min

Klimapolitik: Stahlwerk von Thyssenkrupp: In der Industrie wird ein Großteil der Treibhausgas-Emissionen verursacht.

Stahlwerk von Thyssenkrupp: In der Industrie wird ein Großteil der Treibhausgas-Emissionen verursacht.

(Foto: Rupert Oberhäuser/imago images)

Gerade erst haben Wirtschaft und Klimaschutz zusammengefunden, da drohen die Folgen von Putins Krieg in der Ukraine alles zu zerstören. Doch es gibt eine mächtige Kraft, die Hoffnung macht.

Kommentar von Marc Beise

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Es war Dezember 2018, als Luisa Neubauer das erste Mal Greta Thunberg traf. Die hatte gerade erst als 15-Jährige die Schüler- und Studentenbewegung "Fridays for Future" gegründet. Von Anfang an fand sich die Geografiestudentin Neubauer an der Spitze der deutschen "Friday for Future"-Bewegung wieder. 2019 - drei Jahre sind das erst, und doch kommt es wie eine Ewigkeit daher. Drei Jahre, in denen viel passiert ist. Kaum je zuvor hat sich eine Idee so schnell in der Mitte der Gesellschaft etabliert.

Schon Geschichte ist der rotzige Spruch des FDP-Chefs und damaligen Oppositionspolitikers Christian Lindner, die jungen Leute sollten die Umweltpolitik doch besser den Profis überlassen. Im öffentlichen Bewusstsein ist der Klimaschutz längst breit verankert. Unternehmen steuern um. Gesetzgebung ändert sich. Das Auswärtige Amt macht Klimaaußenpolitik. Das Bundesverfassungsgericht hat 2021 in einem wegweisenden Urteil das Denken an künftige Generationen zur politischen Pflicht von heute erklärt. Fast schien es so, als würden jetzt alle gesellschaftlich relevanten Gruppen wirklich an einem Strang ziehen.

Und dann kam Putin.

Der Angriff auf die Ukraine, der schreckliche Krieg in der Mitte Europas, hat alles verändert. Die Aufmerksamkeit der Welt liegt auf der Militär- und Sicherheitspolitik. Die Potenziale der Staaten werden neu verteilt. Die Unternehmen ziehen die Segel straff, um den erwarteten Abschwung abzuwettern. Die nächste Krise steht vor der Tür, womöglich eine Euro-Krise, und Corona ist auch noch nicht ausgestanden. Die bange Frage lautet: Kommt jetzt der Klimaschutz wieder unter die Räder?

Die Antwort lautet: Er darf es nicht, und vermutlich wird er es auch nicht. Das allgemeine Bewusstsein ist zu weit fortgeschritten. Wer jetzt abspringt, wer den Schutz der Lebensgrundlagen ins B-Programm für bessere Tage verschiebt, der stellt sich selbst bloß, als Greenwasher, also als jemand, der Umwelt- und Klimaschutz nur aus Imagegründen betrieben hat; das waren zuletzt nur noch eher wenige. Viele meinen es ernst, viele haben ihre Strategie und Produktion auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Darunter die mächtigsten Investoren der Welt.

Die Digitalisierung kann Wirtschaft und Klimaschutz noch besser zusammenbringen

Eher schon springt da die Bevölkerung ab, verliert sich in Selbstvergesslichkeit, wie das der Vizekanzler Robert Habeck genannt hat. Es ist Sommer, der Sommer nach einer langen Pandemie, und über den Ernst der Lage wollen wir lieber erst im Herbst nachdenken. Verständlich, aber brandgefährlich. Deshalb sind jetzt tatsächlich die Profis wichtig, wenn auch nicht so, wie es der heutige Bundesfinanzminister Christian Lindner vor drei Jahren meinte. Sondern weil diese Profis in ihren Zahlen, ihren Analysen und Prognosen die Konsequenzen sehen, die drohen, wenn die Klimaschutzpolitik, die gerade erst Fahrt aufgenommen hat, wieder ins Stocken geriete. Und weil die Profis die großen Hebel haben, das Geld und viel Einfluss.

Nie war es deshalb wichtiger - und erfolgversprechender -, Klimaschutz und Wirtschaft zusammenzubringen. Es geht nicht nur um die bekannte Weisheit, dass nur das Geld ausgegeben werden kann, das zuvor verdient werden muss. Dass also Wachstum und wirtschaftliche Stärke Voraussetzung sind für mehr Investitionen in den Klimaschutz. Da sind wir schon weiter. Es geht jetzt auch darum, was Firmen beitragen können zum Klimaschutz und wie Klimaschutz zugleich auch Geschäftsmodell sein kann, also seinerseits zu Wachstum und internationaler Wettbewerbsfähigkeit führt.

Deshalb muss das Zusammenwirken von Wirtschaft und Klimaschutz weitergehen, jetzt erst recht. Das wird in der Krise nicht einfach, aber es kann gelingen, weil es einen großen Verbündeten gibt: die Digitalisierung. Sie entfaltet sich gerade, dem Krieg und der Pandemie und der Krise zum Trotz, mit atemberaubender Geschwindigkeit. Die Digitalisierung, etwa die künstliche Intelligenz, bietet die Instrumente, Klimaschutz und Wirtschaftskraft noch besser zusammenzubringen - im Interesse der nächsten Generationen.

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