Uber Files:Der Mann, der die Dokumente aus dem Uber-Konzern geleakt hat

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Uber Files: Mark MacGann, der Mann, der die Uber Files in Umlauf gebracht hat, hat sich dem Guardian zu erkennen gegeben.

Mark MacGann, der Mann, der die Uber Files in Umlauf gebracht hat, hat sich dem Guardian zu erkennen gegeben.

(Foto: David Levene/The Guardian)

In einem Interview erklärt Mark MacGann dem Guardian, warum er zum Whistleblower wurde - und wie einfach es gewesen sei, die Politik für seinen Arbeitgeber zu begeistern.

Von Ralf Wiegand und Mauritius Much

Der Mann, der die Uber Files in Umlauf gebracht hat, hat sich der britischen Tageszeitung The Guardian zu erkennen gegeben. Es handelt sich um Mark MacGann, der von 2014 bis 2016 für das Unternehmen als Cheflobbyist in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika tätig war. Die Zeitung hatte dann das Material des Whistleblowers - rund 124 000 E-Mails, Textnachrichten, Analysen und andere Dokumente - mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) und 42 weiteren internationalen Medienpartnern geteilt. In Deutschland haben Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR recherchiert.

In einem Interview mit dem Guardian sagte MacGann, 52, dass Uber und er selbst den Leuten, die für die Taxi-Alternative gefahren seien, "eine Lüge verkauft" hätten. Er sei derjenige gewesen, der den Politikern überall gesagt habe, "dass sie die Regeln ändern sollten, weil die Fahrer davon profitieren würden". Doch es habe sich herausgestellt, dass die Fahrer keinen Nutzen daraus gezogen hätten. Stattdessen würden Uber-Fahrer nach wie vor angefeindet und bedroht. Deshalb wolle er nun, dass die Wahrheit ans Licht komme: "Wie kann man ein reines Gewissen haben, wenn man nicht aufsteht?"

MacGann kontaktierte für Uber viele Spitzenpolitiker und versuchte, sie für das Unternehmen zu gewinnen. Darunter waren auch der damalige französische Wirtschaftsminister und heutige Präsident Emmanuel Macron sowie die ehemalige niederländische EU-Kommissarin Neelie Kroes. In Deutschland arbeitete er eng mit dem FDP-Politiker Otto Fricke zusammen, der die Lobbykampagne in Deutschland zwischen September 2014 und März 2015 leitete. Dem Guardian sagte MacGann nun, dass er während seiner Zeit für Uber problemlos mit Spitzenpolitikern in Kontakt gekommen sei: "Ich glaube, es war in meiner Karriere noch nie so einfach, Zugang zu hochrangigen Regierungsmitgliedern, Regierungschefs, Staatsoberhäuptern zu haben. Es war berauschend." Seiner Meinung nach hat das am Ruf des Unternehmens gelegen: "Uber war zu der Zeit in der Tech-Welt, vielleicht auch in der Geschäftswelt im weiteren Sinne, das heißeste Ding in der Stadt." Sowohl auf der Seite der Investoren als auch auf der politischen Seite "überschlugen sich die Leute geradezu, um sich mit Uber zu treffen und zu hören, was wir zu bieten hatten".

Uber selbst nennt das Vorgehen der damaligen Führung heute "unentschuldbar"

In den meisten Ländern, in denen MacGann aktiv werden sollte, sei der Fahrdienst aufgrund geltender Gesetze aber nicht erlaubt gewesen. Das Mantra sei gewesen, sich darum aber nicht zu kümmern, sondern "einfach loszulegen" - dann würden die Leute schon sehen, "was für eine tolle Sache Uber ist". Auch in Deutschland, das belegen die Uber Files, setzte sich Uber in der Anfangszeit über Strafen hinweg und betrieb seine Dienste weiter, obwohl Behörden sie teilweise als illegal einstuften.

Uber selbst nennt das Vorgehen der damaligen Führung heute "unentschuldbar". Heute würden jedoch die Interessen des Unternehmens mit denen der Fahrer übereinstimmen. Zudem lägen ihre finanziellen Verdienste "heute weltweit auf oder nahe an einem Allzeithoch".

Seine Kontakte zur Politik, etwa zu britischen Kabinettsmitgliedern, mit denen er sich den Uber Files nach im Verborgenen getroffen haben soll, bezeichnete MacGann im Gespräch mit dem Guardian als "heimelige Netzwerke, die es schon so lange gibt, die aber immer noch ihre Form ändern". Der Zugang zur Macht sei nichts, was demokratisiert werde. Das Manager Magazin nannte ihn einst den "Uber-Strategen". Er habe aber die Verhaltensweisen in der Uber-Führung intern nicht ändern können, in dem Betrieb habe keine Kultur geherrscht, "in der man aufstehen und die Entscheidungen des Unternehmens, die Unternehmensstrategie oder die Praktiken des Unternehmens in Frage stellen konnte". Aus diesem Grund und weil er auch um seine Sicherheit habe fürchten müssen, habe er schließlich gekündigt. MacGann verließ demnach Uber im August 2016 und leitete rechtliche Schritte gegen das Unternehmen ein, die schließlich in einer außergerichtlichen Einigung mündeten. Die Bedingungen wurden nicht bekannt gegeben. Er machte keine weiteren Angaben.

In dem Interview berichtet MacGann davon, wie er zuvor zur Zielscheibe des Protestes der Taxi-Branche geworden sei, nachdem bekannt war, dass er Ubers Gesicht in Europa ist. Er sei in sozialen Netzwerken beleidigt worden, auf Flughäfen und Bahnhöfen sei er angeschrien worden. Taxifahrer hätten ihn verfolgt und Bilder seiner Familie online gestellt. In Rom, nach dem Treffen mit einem Berater des italienischen Ministerpräsidenten, sei sein Wagen bei der Abfahrt blockiert worden: Er sei behandelt worden "wie der Feind". Seinem Rat an Uber, das Verhalten des Konzerns zu ändern, sei dieser aber nicht gefolgt - sondern habe ihm stattdessen Leibwächter zur Verfügung gestellt. Die Devise habe gelautet: "Das Feuer am Brennen halten."

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