Sono Sion:Solar-Auto steht schon wieder vor dem Aus

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Sono Sion: Laurin Hahn, einer der Gründer von Sono Motors, vor dem Solar-Auto Sono Sion. Ob der Wagen je gebaut wird?

Laurin Hahn, einer der Gründer von Sono Motors, vor dem Solar-Auto Sono Sion. Ob der Wagen je gebaut wird?

(Foto: Robert Haas/Robert Haas)

Tausende haben bereits Anzahlungen geleistet, doch gebaut wird der Sono Sion immer noch nicht. Jetzt geht dem Münchner Unternehmen erneut das Geld aus. Wieder sollen Kunden in Vorleistung gehen.

Von Christina Kunkel

Seit Jahren versucht sich das Münchner Start-Up Sono an einem eigenen Elektroauto. Der Wagen soll nicht nur vergleichsweise günstig sein und trotzdem auch Familien genug Platz bieten - er soll auch nachhaltig sein, wie kaum ein anderer Wagen: Statt Lackschichten sind Solarpanele auf dem Blech befestigt. Ein Auto, das sich auch über die Sonne aufladen kann, für durchschnittlich 112 Kilometer Reichweite pro Woche. Doch anders als immer wieder angekündigt kann man den Solar-Wagen bis heute nicht kaufen. Und nach einer Mitteilung der Unternehmenschefs könnte es sogar sein, dass der Sion nie auf die Straße kommt. Denn dem Start-Up droht erneut das Geld auszugehen.

Am Donnerstag stellte Sono ein Video auf Youtube, 6:20 Minuten lang. Darin eröffnet Mitgründer Laurin Hahn gleich zu Beginn den sichtlich geschockten Sono-Mitarbeitern auf Englisch: "Wir haben es nicht geschafft, Geld aufzutreiben. Vielleicht müssen wir das Projekt Sion beenden und nur mit Solar weitermachen." Ein paar Sekunden Pause. Dann: "Das ist hart." Die letzte Chance sei jetzt, dass 3500 Kunden einen ermäßigten Kaufpreis von 27 000 Euro für ihr Auto komplett vorauszahlen - sonst sei das Projekt gescheitert. Das Unternehmen hat für den Rettungsversuch eine Frist von 50 Tagen bis Ende Januar festgesetzt.

Das alles erinnert an eine Kampagne vor genau drei Jahren. Schon damals drohte dem Unternehmen das Geld auszugehen, weil sich die Gründer Laurin Hahn und Jona Christians nicht mit potenziellen Investoren einigen konnten. Viele rieten dem Start-Up damals schon, lieber nur die Solartechnologie zu verkaufen und sich von dem sehr teuren, sehr komplizierten Vorhaben zu verabschieden, ein eigenes Auto zu produzieren. Damals starteten die Sono-Chefs eine große Crowdfunding-Aktion und wendeten tatsächlich die Pleite ab. Auch, weil tausende Menschen in Vorleistung gingen und den Preis für den Wagen - der sollte damals 25 000 Euro betragen - komplett vorstreckten. Mittlerweile haben rund 21 000 private Kunden bereits einen Sion reserviert und durchschnittlich 2000 Euro angezahlt, für weitere 22 000 Solarautos gibt es laut Sono Vorbestellungen von Flottenbetreibern.

Doch es verstrichen weitere drei Jahre, ohne dass nur ein einziger Serien-Sion vom Band in einem ehemaligen Saab-Werk in Schweden gelaufen ist. Stattdessen gab es immer wieder finanzielle Schwierigkeiten. So hatten Hahn und Christians das Unternehmen vor einem Jahr in den USA an die Börse gebracht, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Hauptaktionäre sind die beiden Gründer und US-Investoren. "Viele Investor:innen raten uns dazu, dass wir uns auf unser weniger kapitalintensives B2B-Solargeschäft, das bereits Umsätze generiert, konzentrieren und das Sion-Programm aufgeben sollten", teilten die beiden Gründer mit. Sono Motors baut inzwischen auch Solarlösungen für Busse und Lastwagen. Die potenziellen Käufer des Solarautos hätten jetzt eine letzte Chance, "das Sion-Programm am Leben zu halten und unsere Finanzierungslücke teilweise zu schließen". Andernfalls "planen wir uns auf unser attraktives B2B-Solargeschäft zu konzentrieren, das deutlich weniger kapitalintensiv ist".

Wie das Unternehmen jetzt bekannt gab, hat Sono Motors im laufenden Jahr bis Ende September 104 Millionen Euro Verlust gemacht und braucht frisches Geld, um 2023 die Vorserie und Anfang 2024 das erste Serienauto bauen zu können.

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