Schuldenkrise:Gibt Griechenland wirklich so viel für Rentner aus?

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Tatsächlich hatte Griechenland 2013 im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung die höchsten Pensionsausgaben. 16,5 Prozent des BIP gingen für Renten und Pensionen drauf, heißt es in einem Bericht der EU-Kommission. Nur Italien kommt innnerhalb der EU noch auf einen ähnlich hohen Wert.

Damit gibt es aus Sicht der Kreditgeber Einsparpotenzial, auch wenn die Renten in Griechenland seit Beginn der Krise schon achtmal gekürzt wurden. Die Regierung unter der Führung der linken Syriza-Partei lehnte eine neunte Runde ab - bis jetzt. Auf dem Endspurt der Verhandlungen scheint Griechenland nachzugeben. Die neuen Ideen für einen Kompromiss aus Athen: Frühpensionierung abschaffen, Eintrittsalter erhöhen, Ausnahmeregeln streichen. Das Renteneintrittsalter soll dem Vorschlag zufolge schrittweise auf 67 Jahre erhöht werden. Derzeit gehen in Griechenland Männer im Durchschnitt mit 63 Jahren in Rente, Frauen mit 59 Jahren.

Die Lösung ist also: Renten kürzen?

Der Staat hat die Sozialzahlungen pro Kopf in den vergangenen Jahren zwar stark gekürzt, doch das Problem lag auch schon vor der Krise nicht allein auf der Ausgaben-, sondern vor allem auch auf der Einnahmenseite: "Die griechischen Staatsausgaben waren gemessen am BIP im europäischen Vergleich immer relativ durchschnittlich", sagt Arne Heise, Professor für Sozialökonomie an der Universität Hamburg. Griechenlands Steuersystem hat es dagegen nie geschafft, genügend Steuern von den Bürgern ranzuschaffen - und jetzt ist bei vielen gar kein Einkommen mehr da, das besteuert werden könnte. Die Geldgeber wollen deshalb nur dann weitere Finanzmittel freigeben, wenn Griechenland nicht nur die Ausgaben im Rentensystem kürzt und einen einen Haushalt mit einem Mindest-Primärüberschuss vorweisen kann, sondern auch höhere Mehrwertsteuern beschließt.

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