Samsung, Apple und Huawei Was kommt nach dem Smartphone-Boom?

Die neuen Modelle von Samsung, Apple und Huawei unterscheiden sich immer weniger von ihren Vorgängern. llustration: Stefan Dimitrov

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Die Nachfrage nach Handys hat ihren Zenit überschritten. Die Hersteller stellt das vor große Probleme - ein Blick auf Samsung, Apple und Huawei.

Von Christoph Giesen, Peking, Helmut Martin-Jung und Christoph Neidhart, Tokio

Sie werden mit einem Erfolg gerechnet haben bei Apple, damals vor gut zwölf Jahren, als der Hype um das kommende Mobiltelefon immer größer wurde. Aber dass ihr Produkt eine neue Kategorie begründen und die Welt verändern würde - wer hätte das voraussehen können? Doch das iPhone wirkte wie Brandbeschleuniger in Verbindung mit einem brennenden Streichholz. Die Dienste von Unternehmen wie Facebook, Twitter oder Airbnb - erst durch das Smartphone wurden sie richtig erfolgreich und die Firmen zu Milliardenkonzernen.

Doch die Zeit, in der die Hersteller der Geräte das ganz große Geschäft machen konnten, neigt sich ihrem Ende zu. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt musste Apple-Chef Tim Cook vor Kurzem die Umsatzprognose fürs laufende Quartal nach unten korrigieren. Der Aktienkurs von Apple rauschte nach unten.

Betroffen ist aber nicht nur Apple, sondern die gesamte Branche: Die weltweiten Verkäufe von Smartphones gingen in den vergangenen vier Quartalen zurück und damit erstmals ein ganzes Jahr hindurch. Auch für dieses Jahr rechnen Branchenbeobachter mit einem allenfalls moderaten Wachstum oder sogar einem weiteren Rückgang. Gründe gibt es viele: Der US-chinesische Handelsstreit, der abflauende Konsum in China und - vor allem - die abnehmende Kurve bei der technischen Weiterentwicklung von Smartphones. Neue Modelle unterscheiden sich immer weniger von ihren Vorgängern. Ob ein Handy nun zwei oder drei Kameras hat, Fingerabdrucksensor oder Gesichtserkennung zum Entsperren - es macht für die meisten keinen großen Unterschied mehr.

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Was aber bedeutet das für die Hersteller? Wo kommen sie her, wie reagieren sie auf die Entwicklung, wie sind sie für die Zukunft gerüstet? Ein Blick auf die drei größten Spieler Samsung, Huawei und Apple.

Samsung

Anders als Huawei und Apple ist Samsung nicht als Elektronikfirma entstanden. Das Unternehmen ist ein Mischkonzern, Samsung Electronics nur dessen größte und erfolgreichste Tochterfirma. Sie ist führend bei Speicherchips, TV-Geräten und auch bei Smartphones. Mangel an echten Neuerungen und die erstarkende Konkurrenz aus China macht Samsung aber zu schaffen. Vom dritten Quartal 2017 zu Q 3 2018 verlor Samsung 3,4 Prozent Marktanteil, Konkurrent Huawei legte im selben Zeitraum um 3,9 Prozent zu.

Samsung war einst, wie alle südkoreanischen Großkonzerne, streng hierarchisch, zuweilen fast militärisch organisiert. Wer für Samsung arbeitet, opfert sich für Samsung auf, hieß es. Doch Lee Kun-hee, der 1987 übernahm, verflachte die Hierarchien und ließ Tochterfirmen mehr Entscheidungsfreiheit. Sein Sohn Lee Jae-yong setzt wie der Vater auf Geschwindigkeit, schaffte noch mehr Hierarchien ab und zeigte sich sogar bei Arbeitszeiten flexibel - in Südkorea kam das fast einer Sensation gleich.

Samsungs jüngste Smartphones haben es auf dem Markt schwerer als früher. Schon kurze Zeit nach der Vorstellung müssen die Preise nach unten korrigiert werden, wodurch die Marge sinkt. Technologisch gehören Samsungs Smartphones nach wie vor zur absoluten Spitzengruppe, allerdings hat die Konkurrenz vor allem aus China aufgeholt. Ob das faltbare Smartphone, das im Februar gezeigt werden soll, einen größeren Impuls setzen kann, muss sich zeigen - die Begeisterung hält sich bis jetzt in Grenzen. Samsung wird sich künftig wieder stärker auf seine anderen Standbeine wie etwa Speicher und Bildschirme stützen müssen, bei der Entwicklung von Diensten war das Unternehmen nicht sonderlich erfolgreich, obwohl man viel Geld zum Beispiel in die Entwicklung des digitalen Assistenten Bixby gesteckt hat. Der wird in der Fachwelt aber eher belächelt denn als echte Konkurrenz zu Googles Assistant, Amazons Alexa oder Apples Siri wahrgenommen.