Nasa:Boeing unternimmt zweiten Flugversuch zur Raumstation

Boeing Starliner

Dummy-Astronautin Rosie the Rocketeer soll mit dem "CST-100 Starliner" von Boeing endlich zur Raumstation ISS.

(Foto: John Proferes; Boeing via NASA/dpa)

Der Konzern will seine Crew-Kapsel "Starliner" zur ISS starten, muss nun aber wegen eines Zwischenfalls mit einem neuen russischen Modul noch warten. Ein Testflug Ende 2019 war fehlgeschlagen.

Von Dieter Sürig

Der Testflug der Boeing-Astronautenkapsel Starliner zur Raumstation ISS ist voller Hindernisse. Nachdem der erste Test im Dezember 2019 gescheitert war, wollte Boeing an diesem Freitag einen weiteren Versuch unternehmen, mit seiner Kapsel die ISS zu erreichen. Die Raumfahrtbehörde Nasa hat ihn jedoch am Donnerstagabend deutscher Zeit gecancelt.

Grund war ein Zwischenfall mit dem neuen russischen ISS-Forschungsmodul Nauka, das am Donnerstag angedockt hatte. Durch Fehlzündungen am Modul veränderte die ISS zwischenzeitlich ihre Lage um 45 Grad, was laut Nasa behoben werden konnte. Astronauten seien bei dem Unfall nicht verletzt worden. Nun soll sichergestellt werden, dass die Boeing-Kapsel sicher an die ISS docken kann. Der neue Starttermin ist der Nasa zufolge frühestens am Dienstag, 3. August. Nasa und die russische Roskosmos wollen den Vorfall mit dem Modul nun genau untersuchen.

Der erste Testflug war im Dezember 2019 gescheitert, weil der unbesetzte Starliner wegen Software- und Kommunikationsproblemen nach dem Start nicht in eine Bahn in Richtung ISS gelenkt werden konnte. Eine unabhängige Expertenkommission hatte daraufhin etwa 80 Punkte zur Behebung der Probleme identifiziert, die in den vergangenen 18 Monaten von Boeing und Nasa abgearbeitet worden sind. "Wir sind startbereit", sagte Nasa-ISS-Manager Joel Montalbano in dieser Woche nach zahllosen Simulationsflügen. Boeing-Vizepräsident John Vollmer gab sich optimistisch: "Wir hätten wohl auch mit Crew starten können", sagte er, nur der Sauerstoff fehle noch. Boeing hatte sich bereit erklärt, den zweiten Testversuch selbst zu zahlen.

Die Starliner-Kapsel, die sonst vier Raumfahrer mitnehmen kann, hat auch beim zweiten Testflug nur einen Dummy namens Rosie the Rocketeer und 215 Kilogramm Fracht an Bord. Sie soll von der Startrampe 41 der Space Force Station in Cape Canaveral/Florida mit einer Atlas-V-Rakete der United Launch Alliance (Boeing, Lockheed) abheben und später an die ISS andocken.

Space-X unterstützt Boeing dabei. So haben Astronauten die Crew-Kapsel von Space-X, die seit April im All ist, in der vergangenen Woche umgeparkt, damit eine Andockstation frei wird, die leichter ansteuerbar ist. Erstmals würden somit zwei verschiedene US-Crew-Kapseln gleichzeitig an die ISS angedockt. "Es ist sehr wichtig für das kommerzielle Besatzungsprogramm, zwei Raumtransportsysteme zu haben", sagte Nasa-Manager Steve Stich zur Presse.

Nasa: Die Kapsel "CST-100 Starliner" von Boeing sollte an diesem Freitag ohne Astronauten zur Raumstation ISS starten. Das verzögert sich nun.

Die Kapsel "CST-100 Starliner" von Boeing sollte an diesem Freitag ohne Astronauten zur Raumstation ISS starten. Das verzögert sich nun.

(Foto: Gregg Newton/AFP)

Nasa und Boeing wollen auch das Kommunikationssystem zwischen Kapsel und Raumstation testen, auf der sich zurzeit sieben Astronauten befinden. Boeing-Manager Vollmer sagte, dass einige Systeme nur unter den Bedingungen im Orbit voll getestet werden könnten. Angesichts der Verzögerungen sei es nun "extrem wichtig, dass wir mit diesem Flug erfolgreich sind". Die Rückkehr ist knapp eine Woche nach dem Start in New Mexico vorgesehen. Dabei bringt die Kapsel etwa 260 Kilo Fracht mit zur Erde, darunter Hardware, die für wissenschaftliche Experimente genutzt wurde.

Wenn diesmal alles klappt, könnte auch Boeing womöglich im kommenden Winter seine regelmäßigen Astronautenflüge zur ISS aufnehmen - mit zunächst drei Nasa-Astronauten. Boeing verfügt derzeit über zwei flugfähige Starliner, die jeweils zehnmal fliegen dürfen. Der Konzern ist neben Space-X siegreich aus einer Ausschreibung der Raumfahrtbehörde Nasa hervorgegangen, die nach dem Ende der Spaceshuttles vor zehn Jahren nach Möglichkeiten gesucht hatte, wieder einen eigenen Zugang zum All zu bekommen. Generationen von Astronauten mussten zwischenzeitlich mit der russischen Sojus zur Raumstation fliegen. Seit Mai vergangenen Jahres hat Space-X inklusive eines Testflugs bereits drei Crews dorthin geflogen. Die Nasa hat rund 8,4 Milliarden Dollar investiert, um wieder von Florida aus starten zu können. Ein Sitzplatz bei Space-X kostet nach Nasa-Angaben etwa 55 Millionen Dollar, bei Boeing 90 Millionen Dollar.

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