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Panama Papers:Dubiose Kundschaft: Wer sich für den Trump-Turm interessiert

Trump hat nur seinen Namen vermietet. Für den Immobilienmogul bietet das nicht nur den Vorteil, dass er mit dem Projekt so gut wie kein Risiko eingeht. Während sein Partner Khafif mit der Insolvenz kämpft, kassiert Trump bereits in den ersten Jahren offenbar bis zu 55 Millionen Dollar an Lizenzgebühren. Trump entgeht auch dem mühsamen Geschäft mit Wohnungskäufern. Die Kundschaft ist zuweilen dubios. Unter den Interessenten findet sich ein Ehepaar aus Russland, das sich hinter Anwälten in der Schweiz und Spanien zu verstecken scheint. Oder ein Interessent aus Dubai, dessen Name mit dem eines Verdächtigen übereinstimmt, den das Bundeskriminalamt wegen des Verdachts auf Umsatzsteuerbetrug sucht.

Immobilien gelten als praktische Geldanlage für jene, die schwarzes oder graues Geld in den legalen Kreislauf zurückführen wollen. Aus den Unterlagen ergibt sich nicht, dass die von Mossack Fonseca betreuten Wohnungskäufer tatsächlich schmutziges Geld verwendeten. Allerdings benutzten mehrere von ihnen Briefkastenfirmen, wie bei Mossack Fonseca üblich. Für den eigentlichen Wohnungskauf in Panama-Stadt mussten die neuen Eigentümer meist gar nicht erscheinen, die Kanzlei erledigte auch das.

Donald Trump rühmt sich im Wahlkampf zwar gern seiner großartigen Immobilien und seiner reichen Kunden. Aber allem Anschein nach benutzten etliche Käufer mit mindestens dubiosem Hintergrund und mit undurchsichtigen Vermögensverhältnissen den feinen Trump Ocean Club, um ihr Geld anzulegen. Verkäufer Roger Khafif bestreitet, dass er beim Vertrieb der Wohnungen bewusst mit Mossack Fonseca kooperiert habe, um zum Beispiel Schwarzgeldinhaber oder Steuerhinterzieher anzuziehen. "Ich habe keine Beziehung zu Mossack Fonseca", sagt Khafif. "Ich kenne sie nicht." Die einzige Verbindung sei, dass sein Zahnarzt im selben Gebäude arbeite wie die Kanzlei.

Manche seiner Käufer hätten eben Mossack Fonseca beauftragt für die juristischen Fragen; aber viele andere Käufer hätten auch ganz andere Juristen verpflichtet. Unter Steuerfahndern heißt es, dass Immobilien für Geldwäsche benutzt werden könnten. Aber nicht jeder Käufer, der sich hinter einer Firma verstecke, müsse ein Straftäter sein. Manchmal könne ein legaler Steuervorteil darin liegen, die Wohnung zum Eigentum einer Briefkastenfirma zu erklären. Möchte man zum Beispiel die Wohnung verkaufen, kann man einfach die Firma veräußern und damit die Grunderwerbsteuer sparen.

Die magnetische Wirkung des Namens Trump lässt sich auch an der internen Korrespondenz Mossack Fonsecas ablesen. Im Frühjahr 2006 meldete sich Carlos Saravia, der zu den Entwicklern des Trump Ocean Club gehörte, bei der panamaischen Kanzlei. Er fragte, ob sie sich als juristische Beraterin einbringen wolle. Ein entsprechendes Treffen werde in der kolumbianischen Stadt Bogotá stattfinden. In der Kanzlei diskutierte man zunächst kleinkrämerisch darüber, wer die Flugtickets für zwei Anwälte zahlen solle. Irgendwann befand jemand, diese kleine Investition könne man sich schon leisten, und sie werde ziemlich sicher "Früchte tragen".

Obwohl sich Trump aus fast allem heraushielt, hatte er am Ende doch ein bisschen Ärger mit dem Leuchtturmprojekt. Im Sommer vergangenen Jahres trafen sich die Wohnungseigentümer in seinem Trump Ocean Club und beschlossen, Donald Trump als Hausverwalter zu feuern. Vier Jahre lang hatte dessen Firma das Gebäude betreut, aber es gab ständige Klagen: Es gebe überhöhte Ausgaben der Verwalter, überbezahlte Manager, es mangele an Transparenz. Es folgte ein Streit über juristische Spitzfindigkeiten. Am Ende kündigte Trumps Firma den Verwaltervertrag selbst. Trumps Sohn Eric sagte in einem Interview, die Streitereien mit der Eigentümergemeinschaft seien nur eine Winzigkeit - wenn man bedenke, was die Familie Trump für eine "Ikone" geschaffen habe. Das Gebäude sei ein "großartiges Zeugnis für Amerika".

"Ob er mit Bankiers an der Wall Street feilscht, mit politischen Rivalen streitet oder eine Eigentümergemeinschaft lenkt: Trump setzt seine Interessen durch, indem er seinen übergroßen Ruf benutzt, seine Gerissenheit und seine Aggression", schrieb die Nachrichtenagentur Associated Press, als sie den Streit um die Hausverwaltung enthüllte. "Die Abenteuer der Trump-Organisation in Panama offenbaren, wie sich diese Eigenschaften im Geschäftsleben auswirken, und geben eine Ahnung vom Management-Stil in einem von Trump geführten Weißen Haus. Transparenz und große Sorgfalt bei den Ausgaben sind keine Stärken. Eine Stärke dagegen ist es, so viel wie möglich aus einem Vertragstext herauszupressen."

Aber die größte Stärke Trumps ist es, den Anschein zu erwecken, er kontrolliere alles - während er sich allem entzieht, das ihm gefährlich werden könnte. In der Politik ist es ähnlich. Wenn es gut läuft, sonnt sich Trump in der bedingungslosen Zuneigung seiner Fans. Wenn es zu Widrigkeiten kommt, verteilt er die Schuld augenblicklich an die Medien, seine Rivalen oder an die angeblich so fiesen Strippenzieher der Republikanischen Partei.

Eine Anwältin besuchte für einen Kunden die Immobilie. Sie sah dort manches, was sie "bei diesem Kaufpreis" nicht erwartet hätte

Zu einem ähnlichen Ergebnis ist inzwischen auch Roger Khafif gelangt, der sich mit dem Ocean Club wirtschaftlich übernommen hat, ohne dass der Namensgeber Trump je selbst in Bedrängnis geraten wäre. "Sie wissen doch wie Donald Trump ist. Erst sagt er nur 'wir, wir, wir'", erinnert sich Khafif. "Nach einer Weile heißt es dann nur noch 'ich, ich, ich'. Das ist The Art Of The Deal, echter Geschäftssinn."

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Ja, diese Firmennamen sind wirklich echt. Eine Reise durch die Schätze des Firmenregisters von Panama.

Und wer sich eine Luxuswohnung im Trump Ocean Club gekauft hat, muss zuweilen erkennen, dass es auch in diesem Fünf-Sterne-Turm einen Unterschied gibt zwischen Schein und Sein. Einmal besichtigt eine Anwältin Mossack Fonsecas im Auftrag ferner Käufer eine der Wohnungen. Die Anwältin stellt bei der Begehung Mängel fest: Die Eingangstür muss ausgetauscht werden, manche Schlösser haben Rost angesetzt. In einer E-Mail an die Kundin schreibt die Anwältin, manches entspreche nicht dem, was man "bei diesem Kaufpreis" erwarten würde. Anscheinend liege der "eigentliche Wert" des Anwesens in diversen Annehmlichkeiten auf dem Gelände - und "in seinem Markennamen".

Mitarbeit: Vera Bergengruen, Kevin Hall, Franco Ordoñez, Klaus Ott