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Nachhaltigkeit:Kredit dank Kita

Ein Firmen-Kindergarten bringt Pluspunkte bei der Bank.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Firmen, die auf Nachhaltigkeit setzen, haben bessere Chancen auf ein Darlehen bei der Bank.

Von Marcel Grzanna

Bei der Frage der Finanzierung ist der Kreditantrag oft der Knackpunkt. Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei das Prädikat "nachhaltig". Die Finanzbranche richtet sich nicht nur nach dem Zeitgeist, sondern auch nach dem wachsenden Regelwerk rund um die Nachhaltigkeit auf europäischer Ebene. Die Taxonomie der Europäischen Union klassifiziert Branchen und Produkte, die Offenlegungsverordnung der EU verlangt Transparenz von allen Akteuren der Finanzmärkte. Kreislaufwirtschaftsgesetze sollen die Wiederverwertung von Rohstoffen fördern und die Müllberge reduzieren. Unternehmen können sich die neuen Maßstäbe im Kreditgespräch mit ihrer Bank zunutze machen. Wer nachhaltige Kennzahlen präsentiert, erhält bessere Finanzierungskonditionen. Fünf goldene Regeln.

1. Das Geschäftsmodell auf nachhaltige Aspekte prüfen

Es empfiehlt sich, das Geschäftsmodell oder die Produktion, auch die möglicher Zulieferer oder Vertragspartner, genau unter die Lupe zu nehmen. Bestenfalls finden sich zahlreiche Ansatzpunkte, die sich bei einem Kreditgespräch mit der Bank als nachhaltig vorstellen lassen. Auch eine Umstellung auf LED-Leuchten vor ein paar Jahren in einer Fabrikanlage kann als nachhaltiger Bestandteil der gesamten Anlage betrachtet und entsprechend formuliert werden. Selbst wenn die Umstellung nicht unter dem konkreten Anliegen nachhaltiger Produktion geschehen ist, sondern einfach um die Energieausgaben zu reduzieren.

2. Sich mit den UN-Nachhaltigkeitszielen auseinandersetzen

Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen und die 169 Unterziele, die mit ihnen verbunden sind, gelten als umfassender programmatischer Rahmen zur Verwirklichung einer weltweiten nachhaltigen Gesellschaft. Das Bundesumweltministerium spricht vom Zukunftsvertrag der Weltgemeinschaft für das 21. Jahrhundert. Für Unternehmen ist es wichtig, sich mit diesem Rahmen näher auseinanderzusetzen und nach Ansatz- und Verknüpfungspunkten im eigenen Schaffen zu suchen. Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management sieht zwei Aspekte, die für Banken relevant sind. "Kreditvergabe an Unternehmen mit wenig nachhaltigen Geschäftsmodellen bedeuten ein steigendes Risiko für die Banken, weil strengere Regulierungen, drohende Verbote, aber auch die ablehnende Haltung durch Konsumenten den Erfolg der Unternehmen mittel- bis langfristig gefährden können. Andererseits sind auch Banken zunehmend auf ihre Reputation als Förderer von Nachhaltigkeit bedacht, um nicht selbst von Kunden abgestraft zu werden."

Symbolbild Energiewende: Solardach mit Windkraftanlagen im Hintergrund (Composing) *** Symbolic image Energy revolution

Wird Strom gespart? Gibt es ein Solardach? Wer nachhaltige Kennzahlen präsentieren kann, erhält bessere Konditionen.

(Foto: U. J. Alexander/Imago)

3. Das Thema im Kreditgespräch ansprechen

Banken werden in Zukunft durch die Bundesfinanzaufsicht Bafin dazu gezwungen, die Entwicklung eines Unternehmens noch strukturierter unter die Lupe zu nehmen, ehe sie einen Kredit vergeben. Deswegen hilft es im Gespräch mit der Bank die Nachhaltigkeit zu thematisieren. Das gilt auch für Firmen, deren bisheriges Geschäftsmodell noch wenig Nachhaltigkeit berücksichtigt. Ein Unternehmen signalisiert damit seine grundsätzliche Philosophie, sich über die eigene Bedeutung für eine nachhaltige Gesellschaft Gedanken zu machen. Vielleicht liefert die Bank sogar Anregungen, in welchen Bereichen ein Unternehmen nachhaltig werden kann. Außerdem geben die Banken inzwischen verstärkt Kredite, um nachhaltige Zwecke zu fördern. Das gilt im Übrigen nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Projekte von Privatleuten oder private Organisationen, beispielsweise für die Finanzierung einer Kita oder einer Solaranlage. "Zur Gegenfinanzierung stehen den Banken soziale und grüne Anleihen zur Verfügung", sagt Bankenexperte Faust. "Das Interesse der Anleger an diesen Anleihen ist ist sehr hoch. Wenn die Bank solche Anleihen ausgibt, dann muss das eingesammelte Kapital zweckgebunden eingesetzt werden."

4. Der Bank gegenüber volle Transparenz bieten

Nachhaltigkeit ist noch keine Garantie dafür, dass einem die Bank günstigere Konditionen anbietet. Wenn es einem Unternehmen aber schlüssig gelingt darzustellen, wie die eigene Nachhaltigkeit die Geschäftsrisiken verkleinert, steigen die Chancen für bessere Konditionen. Durch die neue Offenlegungsverordnung der Europäischen Union sind die Banken automatisch an wesentlich mehr Einzelheiten interessiert, als das in der Vergangenheit der Fall war. Entsprechend wichtig ist die Transparenz gegenüber dem Kreditgeber. Wofür wird das Geld konkret im einzelnen benötigt? Jeder nachhaltige Aspekt sollte dabei sehr detailliert aufgeschlüsselt werden. Wenn die geplante Fabrik mit einem verringerten Stromverbrauch auskommen wird, dann sollte das der Bank unbedingt kommuniziert werden. Wer neue Maschinen anschaffen will, kann die Lieferketten des Herstellers auf Nachhaltigkeitsziele abklopfen, um bei der Finanzierung vielleicht den einen oder anderen Basispunkt gutmachen zu können. "Im Wesentlichen geht es den Banken um Umweltrisiken, wenn die Finanzierung sich geografisch weitgehend auf Deutschland beschränkt. Bei Firmen, die international aufgestellt sind, können allerdings auch soziale Aspekte verstärkt in den Fokus rücken. Deswegen kann es für die Unternehmen wichtig sein, die Bedingungen an ausländischen Standorten ebenso detailliert darzustellen", so Faust.

Nachhaltigkeit lohnt sich. Wer international aktiv ist, sollte neben Umweltrisiken auch soziale und ethische Aspekte berücksichtigen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

5. Nachhaltigkeit als Vorteil sehen

Nachhaltigkeit ist mehr als Zeitgeist, sondern eine Notwendigkeit, die über kurz oder lang in allen Wirtschaftsunternehmen, in der Finanzbranche, aber auch in privaten Haushalten für Veränderungen bei Investitionen und Konsum sorgen wird. Deswegen empfiehlt es sich als Unternehmen, die Integration nachhaltiger Konzepte und Ideen mit Ernsthaftigkeit anzugehen. Sie sollte nicht als Mittel zum "Greenwashing" verwendet werden, das nur zum Kreditgespräch aufgetragen wird oder dem Konsumenten ein besseres Gefühl vermitteln soll. Je früher Unternehmen damit beginnen, die Nachhaltigkeit als Vorteil für das eigene Geschäft zu begreifen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, künftigen Anforderungen von Regulatoren und Konsumenten vergleichsweise problemlos gerecht zu werden.

© SZ/weka
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