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Konjunktur - Dresden:Ifo-Institut: Ostdeutsche Wirtschaft in Corona-Rezession

Berlin
Das Logo des ifo-Instituts. Foto: Peter Kneffel/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Dresden (dpa) - Die Corona-Krise hat nach Einschätzung des Dresdner Ifo-Instituts im ersten Halbjahr zu einem massiven Konjunktureinbruch in Ostdeutschland geführt. Demnach sinkt das Bruttoinlandsprodukt im Osten laut Prognose in diesem Jahr um 5,9 Prozent, sagte der Ökonom und stellvertretende Institutsleiter Joachim Ragnitz am Donnerstag. In Sachsen könnte die Wirtschaftsleistung wegen des größeren Industrieanteils sogar um 6,4 Prozent zurückgehen. Bundesweit rechnet das Ifo-Institut beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr mit einem Minus von 6,7 Prozent.

Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung hätten die deutsche Wirtschaft in die "tiefste Rezession der Nachkriegsgeschichte" gestürzt, so Ragnitz. Betroffen seien alle Regionen Deutschlands. Dass die Wirtschaftsleistung im Osten etwas weniger einbricht als im Westen hat nach Einschätzung des Ökonomen vor allem mit der Struktur zu tun. Die ostdeutsche Wirtschaft ist demnach kleinteiliger und weniger geprägt von großen Industriebetrieben.

Die Industrie zählt laut Ifo-Institut zu den am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Bereichen. In der jüngsten Konjunkturumfrage schätzen rund 27 Prozent der Betriebe in Sachsen die Situation als existenzbedrohend ein - in Ostdeutschland waren es 21,5 Prozent. Die Industrie leide unter deutlichen Produktionsausfällen, vor allem wegen der zeitweisen Störung von Lieferketten, so Ragnitz. Neben dem verarbeitenden Gewerbe sind vor allem Dienstleister wie Handel und Gastgewerbe von der Krise betroffen.

Das bekommen auch die Arbeitnehmer zu spüren: Das Wirtschaftsinstitut rechnet damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Osten in diesem Jahr um 80 700 - minus ein Prozent - zurückgeht. Auch im nächsten Jahr geht die Zahl laut Prognose nur wieder leicht nach oben (0,3 Prozent). Zwar wirke derzeit das Instrument der Kurzarbeit, so Ragnitz. Die Frage sei aber, ob der Arbeitsplatz nicht dennoch irgendwann verloren geht.

Die Ökonomen gehen allerdings davon aus, dass sich mit den Lockerungen im zweiten Halbjahr auch die Wirtschaft in Ostdeutschland langsam wieder erholt. Das Vorkrisenniveau wird laut Ifo-Institut voraussichtlich aber erst Ende 2021 wieder erreicht. Die Ökonomen prognostizieren für das nächste Jahr in Sachsen eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent, im gesamten Osten um 5,8 Prozent.

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