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Kehrtwende des US-Präsidenten:Trump opfert den "ökonomischen Nationalismus"

U.S. President Donald Trump waits for the arrival of Egypt's President Abdel Fattah al-Sisi at the White House in Washington

Trump rückt von nationalistischen Positionen ab. Das hat vor allem außenpolitische Gründe.

(Foto: REUTERS)
  • Trump hatte in seiner Antrittsrede "America first" als Motto ausgegeben und versprochen, mit China einen neuen Handelspakt zu schließen, der gut für die US-Wirtschaft sei.
  • Nun die Kehrtwende: Wenn Peking mithilft, die Nordkorea-Krise zu lösen, werde Trump ihnen im Handelsstreit entgegenkommen, sagt der Präsident.

In Nordkorea macht es bald wohl wieder bumm. Das Land könnte erneut eine Atombombe testen, sagen Fachleute. Satellitenbilder würden nahelegen, dass ein Test kurz bevorstehe. Am Samstag jährt sich der 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il-sung. Zu solchen Terminen lässt es das Regime gerne krachen. Barack Obama hatte seinen Nachfolger Donald Trump bereits gewarnt, dass Nordkorea wohl das wichtigste außenpolitische Thema seiner Amtszeit werden wird.

Nun scheint der US-Präsident erkannt zu haben, wie ernst die Situation ist: In einem Interview mit dem Wall Street Journal verwirft er zentrale Wahlversprechen — falls China mithilft, die Nordkorea-Krise zu lösen. Vor der Wahl hatte Trump China immer wieder angegriffen. Das Land klaue Amerikanern Arbeitsplätze, schimpfte er. Peking manipuliere außerdem seine Währung, um seinen Unternehmen im globalen Wettbewerb Vorteile zu verschaffen. Trump hatte daher seinen Anhängern zwei Wochen vor der Wahl versprochen, einen neuen Handelspakt mit China auszuhandeln und das Land wegen angeblicher Währungsmanipulation international zu ächten.

Nun gibt er diese Positionen offenbar auf. Er habe Chinas Staatschef Xi Jinping gesagt: "Willst du einen großartigen Deal machen? Löse das Nordkorea-Problem." Soll heißen: Trump macht China ein Angebot, um das Land bei der Lösung des Konflikts mit Nordkorea auf seiner Seite zu haben. "Das ist es wert, einen nicht so guten Handelspakt zu schließen, wie ich ihn eigentlich bekommen könnte", sagte Trump der Zeitung.

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Diese Kehrtwende ist bemerkenswert. In seiner Antrittsrede hatte Trump das Motto "America first" ausgegeben. Die USA sollten immer zuerst kommen. Nun opfert der Präsident diese Position - zugunsten der Diplomatie. Mit seinen neuen Äußerungen beweist der US-Präsident auch, wie wankelmütig er in vielen seiner Positionen ist.

Heute ist China böse, morgen gut. Er beklagt sich über einen zu starken Dollar, verspricht seinen Wählern aber milliardenschwere Investitionen, die die Währung für gewöhnlich noch stärker machen. Trump schaltet ständig um: zwischen Attacke und Diplomatie.

Eine entscheidende Rolle dürfte dabei spielen, welchen Beratern er Gehör schenkt. Denn auch was sein Umfeld angeht, scheint Trump derzeit eine Kehrtwende zu vollziehen - oder zumindest andere Prioritäten zu setzen. Als wichtigster Kopf hinter seinem Wahlprogramm galt bislang Chefstratege Steve Bannon. Er hatte ausgerufen, einen "ökonomischen Nationalismus" verfolgen zu wollen. Doch Bannon wirkt plötzlich wie abgemeldet.