Auto-Abo-Anbieter:Finn bekommt trotz "Me Too"-Skandal frisches Geld

Auto-Abo-Anbieter: Beim Start-up Finn kann man über das Smartphone ein Auto abonnieren.

Beim Start-up Finn kann man über das Smartphone ein Auto abonnieren.

(Foto: Finn)

Der Chef und Gründer war bei Investoren beliebt, musste aber nach einer Weihnachtsfeier sein Amt niederlegen. Jetzt gelang es dem Münchner Start-up dennoch, Kapital einzusammeln.

Von Kathrin Werner

Es ist nicht so einfach für ein Start-up, neues Kapital einzutreiben - und ganz besonders schwer ist es, wenn man in einen Me-Too-Skandal verwickelt ist. Dem Auto-Abo-Anbieter Finn es jetzt gelungen, trotz allem. 100 Millionen Euro konnte das junge Münchner Unternehmen von einer Gruppe Investoren einsammeln. Die Bewertung steigt damit auf mehr als 600 Millionen Dollar.

Finn ist ein Unternehmen, das vielen Menschen aus dem Stadtbild vertraut ist, vor allem in München. Das 2019 gegründete Start-up bietet Autos in sogenannten Abo-Modellen an. Das funktioniert ähnlich wie Leasing, nur dass die Kunden in ihrer Monatsrate auch laufende Kosten wie Steuer, Versicherung oder Service inklusive haben. Nur das Tanken beziehungsweise Laden müssen sie noch zusätzlich zahlen. Finn bezieht dafür die Wagen direkt von den Herstellern - ein kostenintensives Geschäft mit zahlreichen Mitbewerbern.

Die jüngste Finanzierungsrunde wurde durch Ereignisse bei einer Weihnachtsfeier überschattet - und Fehlverhalten des Gründers und damaligen Chefs des Unternehmens, Max-Josef Meier. Meier, ein weit über seine eigene Firma hinaus bekannter und bewunderter Seriengründer, hatte bei der Party sehr viel getrunken und mehrere Mitarbeiterinnen belästigt. Mindestens eine hat er laut SZ-Recherchen explizit zum Sex aufgefordert. "Er hatte beim Tanzen erst den Arm um meine Schulter gelegt, dann rutschte seine Hand immer tiefer bis zu meinem Hintern", erzählte eine andere. Mehr als ein Jahr lang hatte das Verhalten keine größeren Konsequenzen, bis der Fall an die Öffentlichkeit gelang. Meier legte daraufhin sein Amt nieder. Sein Mitgründer Maximilian Wühr ist seitdem Chef von Finn.

Auto-Abo-Anbieter: Der neue Finn-Chef: Maximilian Wühr.

Der neue Finn-Chef: Maximilian Wühr.

(Foto: Finn)

Eine seiner größten Aufgaben seither: Geldgeber finden. Das ist nun gelungen. Die neue Finanzierungsrunde wurde angeführt von einem europäischen Investor namens Planet First Partners, der erst 2020 gegründet wurde und sich auf Investitionen in schon etwas länger bestehende Start-ups konzentriert, die an einer nachhaltigen Wirtschaft arbeiten. Der Fonds Planet First Partners hat Kapitalbeteiligungen in Höhe von 450 Millionen Euro gesammelt, Finn dürfte zu seinen größten Beteiligungen zählen. Auch Bestandsinvestoren beteiligten sich an der neuerlichen Finanzierungsrunde, darunter unter anderem HV Capital, Korelya Capital, UVC Partners, White Star Capital und Picus Capital.

Finn will den Anteil an emissionsarmen Fahrzeugen am Abo-Angebot von aktuell 40 Prozent bis 2028 mindestens verdoppeln und so Menschen die Möglichkeit geben, Elektroautos im Alltag zu testen. Bislang hat das Start-up mehr als 25 000 Abonnenten und erwirtschaftet zuletzt etwa 160 Millionen Euro Jahresumsatz.

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