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Exportüberschuss:Jetzt wäre der idale Zeitpunkt für Investitionen

Merkel und Schäuble sind sich dieses Problems durchaus bewusst. Schon mitten in der Finanzkrise im Herbst 2008, als es zunächst darum ging, taumelnde Banken zu retten, trieb die Kanzlerin die Frage um, wie man mit den sogenannten "globalen Ungleichgewichten" im Handel und bei den Finanzströmen umgehen soll. Doch die Bundesregierung hat seither zu wenig dagegen getan; und sie unternimmt immer noch zu wenig.

Dabei böte sich gerade jetzt, angesichts der Überschüsse in Schäubles Etat, eine ideale Gelegenheit: Anstatt weitere Schulden zu tilgen, sollte die Regierung dieses Geld (und noch mehr) für zusätzliche Investitionen hernehmen, es in Schulen und Universitäten stecken, in Verkehrswege und die digitale Infrastruktur. Dies würde die Konjunktur ankurbeln und dazu führen, dass die Deutschen mehr importieren - und zudem dabei helfen, Deutschland im Kampf um die digitale Zukunft zu stärken (übrigens auch im Wettrennen mit dem Silicon Valley).

Vor allem aber: Die Bundesrepublik würde dadurch ihrer wirtschaftspolitischen Verantwortung gerecht werden, die weit über die Grenzen des Landes hinausreicht. Diese Verantwortung betrifft nicht zuletzt auch Europa, das noch immer unter der Wirtschaftskrise leidet. Die Regierung sollte daher den Kurs der deutschen Wirtschafts- und Finanzpolitik klug korrigieren.

Irrwitzige Steuersenkungen führen zu nichts

Es kann und darf dabei nicht darum gehen, die Exporte der deutschen Unternehmen künstlich zurückzufahren, wie es gelegentlich diskutiert wird - und wie es Trump in seiner kruden Logik möglicherweise fordern wird. Es kann und darf auch nicht darum gehen, nun nach dem Vorbild des neuen US-Präsidenten (und dem Vorbild von Ronald Reagan in den 1980er-Jahren) die Steuern irrwitzig zu senken und dadurch die Staatsschulden gewaltig in die Höhe zu treiben. Aber der Staat sollte seine Investitionen deutlich erhöhen und zudem Unternehmen steuerlich fördern, sofern sie Jobs, Fabriken und Forschungslabore in Deutschland schaffen.

Eine Steuerreform dagegen, bei der allgemein (und nur zögerlich) die Sätze gesenkt werden, bringt wenig. Wichtiger ist es, die Unternehmen zu animieren, mehr zu investieren - gerade dort, wo es zu wenig Jobs gibt. Bei jener "vergessenen Mitte", die man nicht bloß in Trumps Amerika findet, sondern auch in vielen Teilen Deutschlands, würde eine solche, auf mehr Arbeitsplätze ausgerichtete Politik besser ankommen als der doch sehr abstrakte Schuldenabbau. Und sie ließe sich im Wahljahr gut verkaufen.