Kurznachrichtendienst X:Musk beschimpft Werbekunden

Kurznachrichtendienst X: Elon Musk zu Gast beim "DealBook summit" der "New York Times".

Elon Musk zu Gast beim "DealBook summit" der "New York Times".

(Foto: MICHAEL M. SANTIAGO/Getty Images)

Der Milliardär und Tesla-Chef teilt gegen seine lukrativen Kunden aus, die die Plattform X boykottieren. Und er wird dabei ausfällig.

Von Helmut Martin-Jung

Elon Musk kann vieles. Bei seiner Raketenfirma Space-X diskutiert er mit den Ingenieuren noch das letzte Schräubchen. Er lehrt die Titanen der Automobilbranche mit seinen Tesla E-Autos das Fürchten, auch eine Tunnelbohrfirma hat er gegründet. Nur eines kann er gar nicht: sich zurückhalten. Das hat ihm schon großen Ärger mit der strengen US-Börsenaufsicht SEC und mit Anlegern eingebracht, als er auf Twitter darüber schwadronierte, Tesla von der Börse zu nehmen.

Twitter heißt jetzt bekanntlich X, und auch sonst änderte sich auf der Plattform einiges, seit Elon Musk aus einer Laune heraus beschlossen hatte, Twitter zu übernehmen. Laufend produziert er damit Schlagzeilen, und meist sind es keine guten. So wie jetzt gerade. Auf einer Veranstaltung der New York Times befragte ihn der Moderator, was er denn davon halte, dass große Werbekunden wie IBM oder Disney ihre Verträge mit X ausgesetzt oder gekündigt haben. Und da platzte es wieder aus ihm heraus: "Go fuck yourself", schleuderte er den Unternehmensbossen entgegen, ein Kraftausdruck, der mit "Geh zum Teufel" nicht annähernd vulgär genug übersetzt ist.

Eingebrockt hat sich Musk das natürlich selbst. Der Impuls, Twitter zu übernehmen, kam aus seinem Gefühl, die Plattform treibe es zu weit, unliebsame Meinungsäußerungen zu unterdrücken. Als ihm der Kurznachrichtendienst gehörte, ließ er nicht nur die gesperrten Konten von Leuten wie dem Ex-Präsidenten Donald Trump freischalten, sondern ließ auch alle möglichen anderen Nutzer wieder herein, die Twitter nach viel Druck und mit guten Gründen ausgeschlossen hatte.

Werbekunden waren schon länger zurückhaltend

Zu spüren bekamen das auch die Angestellten von Twitter. Musk fuhr wie eine seiner Raketen durch die Belegschaft, kündigte der Hälfte von ihnen auf durchaus rüde Weise. Vom Rest forderte er eine bedingungslose Hingabe ans Unternehmen ein. Obwohl er sich als Anwalt der Redefreiheit geriert, ließ er Konten von Nutzern sperren, die ihn kritisierten. Dafür dürfen nun wieder Personen X nutzen, die erwiesenermaßen Falschinformationen verbreiten.

Begeistert waren viele Werbekunden daher schon lange nicht mehr von X. Doch dann ließ Musk nicht nur antisemitische Posts zu, sondern stimmte auf X auch einem Beitrag aus der Nazi-Ecke zu, in dem behauptet wurde, jüdische Gemeinschaften schürten Hass, um die weiße Mehrheit zu schwächen. Das rief sogar das Weiße Haus auf den Plan. In einem Statement hieß es, man verurteile "diese abscheuliche Förderung von antisemitischem und rassistischem Hass auf das Schärfste".

Nun hat der reichste Mensch der Welt also ein nicht zu kleines Problem am Hals. Denn den Kauf von Twitter für 44 Milliarden Dollar hat er nicht bloß mit dem Verkauf von Tesla-Aktien finanziert, sondern auch mit Bankkrediten in Höhe von 13 Milliarden Dollar. Die lasten jetzt schwer auf X. Musk aber gibt nicht etwa klein bei, sondern spricht von Erpressung. Der Werbe-Boykott könne X töten, gibt er zu. Und deutet dann an, dass er die Plattform dann eben sterben lasse. Aber Musk wäre wohl nicht Musk, wenn es da nicht noch die ein oder andere überraschende Volte gäbe.

Ungemach droht Musk aber auch von der Konkurrenz. Threads, ein Twitter-ähnlicher Dienst des Facebook-Mutterkonzerns Meta ist in vielen Ländern bereits verfügbar, in Europa allerdings bisher nicht. Das aber soll sich bald ändern, berichtet das Wall Street Journal. Demnach soll Threads bereits im Dezember auch in good old Europe starten - einem wichtigen Markt auch für X.

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