Logistik:Wie sich der Hafen in Duisburg auf den Klimawandel vorbereitet

Logistik: Baustelle auf der Kohleninsel im Duisburger Hafen: Hier entsteht ein Containerterminal.

Baustelle auf der Kohleninsel im Duisburger Hafen: Hier entsteht ein Containerterminal.

(Foto: Eugen Shkolnikov)

Es ist der größte Binnenhafen der Welt. Doch die Pegelstände des Rheins sind inzwischen oft zu niedrig, und wegen der Energiewende ändert sich auch die Fracht. Helfen soll ein neues Terminal.

Von Björn Finke, Duisburg

Ein Bauarbeiter hockt auf einem Gleis und schweißt. Daneben fährt ein Radlader vorbei. Auf dem Boden liegen bereits Einzelteile für die Hafenkräne, die hier demnächst Schiffe be- und entladen sollen: Fahrerkabinen, lange Stahlträger. Schon im kommenden Sommer soll auf dieser Landzunge das Duisburg Gateway Terminal (DGT) eröffnet werden, das größte Containerterminal eines europäischen Binnenhafens, also eines Hafens an einem Fluss.

Der Hafen an der Mündung der Ruhr in den Rhein ist sogar der weltweit größte Binnenhafen - und bald noch ein Stückchen größer. Die Duisburger Hafen AG, kurz Duisport, investiert dafür zusammen mit Partnern 125 Millionen Euro. Das Unternehmen, das Stadt und Bundesland gehört, reagiert mit dem Terminal auch auf zwei Herausforderungen: die niedrigeren Pegelstände des Rheins und die Energiewende.

Denn auf einem Teil des Terminals soll ein Lager für bis zu 900 Gefahrgut-Tankcontainer entstehen. Das sind Tanks, die wie Container transportiert werden können. Entlang des Rheins gibt es viel Chemieindustrie, etwa in Leverkusen oder Ludwigshafen. Firmen wie Covestro lassen viele Rohstoffe und Produkte per Binnenschiff liefern oder abholen. Doch wenn der Wasserstand sehr niedrig ist wie gerade wieder im Sommer, können die Schiffe nicht voll beladen werden oder schlimmstenfalls gar nicht fahren. Das Gefahrgut-Tanklager soll eine Alternative bieten.

"Zwischen Rotterdam und dem Duisburger Hafen ist die Fahrrinne deutlich tiefer als weiter im Süden", sagt Alexander Garbar, der Leiter der Unternehmensentwicklung bei Duisport. Habe der Rhein zu wenig Wasser, könnten Binnenschiffe daher Fracht für die Chemieindustrie zumindest vom Nordseehafen Rotterdam nach Duisburg bringen - und dort könnten die Chemikalien-Container im neuen Terminal auf Züge verladen werden, sagt der Manager.

Die Kohlemengen sinken dramatisch

Der Gefahrgut-Bereich soll Ende 2025 einsatzbereit sein. Ein Schwerpunkt des Umschlags soll hier auf Tankcontainern mit dem Energieträger Wasserstoff oder mit dem Vorprodukt Ammoniak liegen. Klimafreundlich hergestellter - sogenannter grüner - Wasserstoff ist ein Pfeiler der Energiewende. Die Moleküle sollen künftig Erdgas, Öl und Kohle in Chemiefabriken und Stahlhütten, in Schiffsantrieben und Kraftwerken ersetzen. Großabnehmer wie das Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg werden sich über eine Pipeline mit Wasserstoff versorgen. "Doch für kleinere Kunden sind Tankcontainer mit Wasserstoff, die per Schiff nach Duisburg geliefert werden, eine gute Option", sagt Hafen-Manager Garbar.

Miteigentümer des neuen Terminals sind neben Duisport der Terminalbetreiber PSA aus Singapur, die niederländische Reederei HTS und der Logistikkonzern Hupac. Anfangs gehörte auch die chinesische Staatsfirma Cosco zu der Gruppe. Der Einstieg des Unternehmens bei einem Terminal des Hamburger Hafens ist ja hoch umstritten. In Duisburg verabschiedeten sich die Chinesen aber im Sommer 2022 aus dem Konsortium.

Logistik: Hafen-Manager Alexander Garbar auf der Baustelle: "Wir werden autark sein und keinen Stromanschluss brauchen", sagt er.

Hafen-Manager Alexander Garbar auf der Baustelle: "Wir werden autark sein und keinen Stromanschluss brauchen", sagt er.

(Foto: Eugen Shkolnikov/Duisport)

Das Terminal entsteht auf der Kohleninsel, einem Hafenbereich, wo früher Kohle umgeschlagen wurde. Der klimafreundliche Wasserstoff wird also an gleicher Stelle lagern wie früher der Klimakiller Kohle. Dass die Kohle keine Zukunft mehr hat, merkt der Betreiber Duisport an seinen Zahlen: "Zu Spitzenzeiten haben wir 20 Millionen Tonnen pro Jahr umgeschlagen, zuletzt waren es gerade mal 700 000 Tonnen", sagt Garbar.

Zusätzlich zu dem Container-Terminal will Duisport ein neues Tanklager errichten, zusammen mit dem niederländischen Terminalbetreiber Koole. Dort sollen Tank-Binnenschiffe klimafreundlich erzeugten Ammoniak ausladen können. Die Chemieindustrie benötigt viel Ammoniak, aber bisher wird er meist aus Erdgas hergestellt, was künftig dem Klima zuliebe nicht mehr geht. Außerdem kann der Ammoniak zu grünem Wasserstoff weiterverarbeitet werden.

Wasserstoff soll auch die Kräne und anderen Maschinen beim neuen Container-Terminal mit Energie versorgen. Denn Duisport will dieses klimaneutral betreiben. Brennstoffzellen und ein Blockheizkraftwerk sollen aus grünem Wasserstoff die nötige Elektrizität gewinnen, dazu kommen Solaranlagen. Duisport plant außerdem, mit einem Partner direkt in der Nachbarschaft einen Elektrolyseur zu bauen, also eine Anlage, die mit Ökostrom Wasser in seine Bestandteile Sauer- und Wasserstoff aufspaltet. Der Elektrolyseur könnte das Terminal von 2025 an mit klimafreundlichem Wasserstoff beliefern. "Das Terminal wird autark sein und keinen Stromanschluss brauchen", sagt Gardar. "Doch wir haben natürlich trotzdem einen."

Duisburg sieht sich schon als Wasserstoff-Hauptstadt

Dass der Duisburger Hafen auf Wasserstoff setzt, passt zu den Ambitionen der Stadtspitze: Oberbürgermeister Sören Link (SPD) möchte die Stadt, die stark unter Arbeitslosigkeit und Armut leidet, zu einem Zentrum der grünen Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland machen.

Tatsächlich gibt es in Duisburg große Abnehmer von grünem Wasserstoff wie das Stahlwerk von Thyssenkrupp. Das will Roheisen künftig klimafreundlich mit dem Wundermolekül erzeugen anstatt mit Koks und Kohle. Diese Nachfrage soll sich ihr Angebot schaffen: Geplant ist, dass wichtige Wasserstoff-Pipelines durch Duisburg laufen, und der Hafen wird ja ebenfalls das Entladen von Wasserstoff ermöglichen.

Außerdem soll das klimafreundliche Molekül im ganz großen Stil vor Ort produziert werden: Iqony, eine Tochter des Essener Kraftwerkkonzerns Steag, will in Duisburg für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag einen der größten Elektrolyseure Deutschlands bauen - der könnte zumindest einen kleinen Teil der Wasserstoff-Nachfrage aus der Stahlindustrie abdecken.

Daneben beherbergt Duisburg bereits das Zentrum für Brennstoffzellen-Technik, ein wichtiges Forschungsinstitut für Wasserstoff-Anwendungen. Zudem soll ein von Bund und Land gefördertes Technologie- und Innovationszentrum Wasserstoff hochgezogen werden, plus ein Bildungszentrum, damit Duisburgs Firmen genug wasserstoffkundige Techniker und Ingenieure finden. Oberbürgermeister Link gibt sich deshalb selbstbewusst: "Wir sind eine Wasserstoff-Stadt", sagt er, "wir wollen und können das leben."

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