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Hotelkatzen:Im Miezhaus

Das Spalier der Angestellten abnehmen? Für selbstbewusste Hotelkatzen wie Kléopatre im Brenners Park-Hotel ist das eine Kleinigkeit.

(Foto: Oetker Collection)

Großer Wellnessbereich, Frühstück aufs Zimmer, Parkblick - alles sehr angenehm. Aber die wirkliche Attraktion im Luxushotel Brenners ist eine Katze. Ein Fellbeispiel für zeitgemäßes Marketing.

Glück gehabt, Katze Kléo schiebt gerade pflichtschuldig Empfangsdienst in der Lobby des Brenners. Am Telefon wurde man vorher gewarnt, manchmal bleibe sie den ganzen Tag verschwunden, das ließe sich schwer verhindern. Jetzt aber ist Baden-Badens erste Hotelkatze am Platz und prüft ausgiebig die Futterschale, die diskret in einer Ecke neben dem Conciergepult aufgebaut ist. Es folgen anklagende Blicke an das beschäftigte Serviceteam, dann flaniert die große Katze aufreizend am Empfangstresen entlang und lässt sich auf dem Arm des Concierge kurz die neu angekommenen Gäste präsentieren. Deren gezückte Smartphones mustert Kléo mit ihren eisblauen Augen und einem blasierten Gesichtsausdruck, wie ihn nur Rassekatzen draufhaben: "Neues Personal eingetroffen? Okay, aber jetzt lasst mich in Ruhe."

Dann zieht sich das Tier, das mit vollem Namen Kléopatre (französisch ausgesprochen) heißt, aufreizend langsam und wie im Bewusstsein, dass ihm die Blicke folgen, in Richtung der Büroräume zurück. Dort wartet sein Lieblingsplatz: Ein Korb voller Papierabfall, am liebsten frisch aus dem Schredder. Der offiziellen Hauskatze eines Grandhotels steht aber natürlich auch eine Suite zu. Sie liegt eine Tür weiter, auf einem Alkoven im Treppenhaus des Luxushotels, und ist mit einem Tweedkissen (Queensize), einer kleinen Wellnesshöhle, auf der "Hotels des Chats" steht, und einem En-Suite-Katzenklo ausgestattet.

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"Eigentlich hält sie sich dort aber nicht besonders oft auf. Sie bevorzugt Plätze mit etwas mehr Überblick über ihre Angestellten", sagt Bärbel Göhner, die Kommunikationschefin. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet sie für das Brenners in Baden-Baden, das zu den maßgeblichen Hotels in Deutschland gehört und in seiner Geschichte schon mehr Prominenz beherbergte, als irgendwie auflistbar wäre. Trotzdem kann Frau Göhner ein ganzes Mittagessen lang über Kléo sprechen, als wäre es der interessanteste Gast, den sie hier je hatten. Zumindest ist es einer der treuesten - seit knapp drei Jahren wohnt das Tier von der Rasse der "Heiligen Birma" im Brenners.

Ursprünglich war sie für das Partnerhotel Le Bristol in Paris ausgesucht worden, denn dort hatte man in Gestalt des Katers Fa-Raon schon gute Erfahrung an der Schnittstelle Katze/Luxushotellerie gemacht. Kléopatre mit ihren blütenweißen Pfoten war ursprünglich als Gespielin für den Kater gedacht, aber der Plan ging schief. Was genau vorgefallen ist, fällt unter die große Verschwiegenheit, die in solchen Häusern üblich ist. Irgendwann stand jedenfalls fest, dass Kléopatre und Fa-Raon getrennte Wege gehen würden. Das Brenners mit seinem Park und der Nähe zur französischen Grenze (Birmakatzen wurden traditionell in Frankreich gezüchtet) schien eine angemessene Zuflucht für die enttäuschte Katzendame. Also wurde Kléo eines Tages im Frühling 2017 aus der Großstadt mit einer kleinen Entourage nach Baden-Baden übersiedelt.

Beim ersten Empfang, so ist es in der Hotelchronik notiert, betrat Kléo ihr neues Zuhause gemessenen Schrittes über den Roten Teppich und nahm das spaßeshalber aufgereihte Spalier der Angestellten huldvoll ab. Auch die restliche Eingewöhnung verlief gut, nur einer der ersten Ausflüge auf dem weitläufigen Hotelgelände ging schief. Kléo wurde von einem besorgten Baden-Badener in der Nähe des Stadtplatzes aufgelesen und als Streunerin kurzerhand ins Tierheim verfrachtet. Dort erinnerte man sich zum Glück an einen Artikel aus der Lokalpresse über die neue Hotelkatze, und die Geschichte fand mit einer chauffierten Rückfahrt in der hoteleigenen Mercedeslimousine ein gutes Ende.

Concierge Sascha Domm ist auch privat Katzenliebhaber und hat sich mit dem Futternapf neben dem Empfangstresen arrangiert.

(Foto: Oetker Collection)

Seither reizt Kléo die Topografie ihres Zuhauses zwar gerne aus - schließlich gibt es hier endlose Gänge und viele Verstecke, kilometerlange, lustvolle Teppichkanten und ausladende Fensterbretter, dazu eine sonnenwarme Terrasse, die direkt in den Stadtpark führt - aber sie kommt immer wieder zurück. Die Hausdame und der Concierge sind dabei ihre ersten Anlaufstationen - wie für die Gäste auch. Sie sorgen dafür, dass die Katze regelmäßig gefüttert wird und den Hotelablauf nicht stört.