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WM 2014 in Brasilien:Der Teflon-Teixeira

Die Fifa schimpfte ein paar Mal sehr, wenn es um den Ausrichter ging. Es gebe weder Stadien, noch Flughäfen, noch ein Transportsystem, wetterte Generalsekretär Jêróme Valcke im April. Oberaufseher Blatter belehrte, dass das Turnier "morgen" sei, "und die Brasilianer denken, es ist übermorgen".

Copa América

Gewinner in dritter Generation

Tatsächlich begannen die Neubauten gelinde gesagt schleppend, obwohl der Konföderationen-Cup bereits im Juni 2013 ansteht. Das mythische Maracanã, in dem am 13. Juli das WM-Finale stattfindet, ist für die Generalrenovierung zwar seit einiger Zeit geschlossen. Nebenan wird ein ganzes Armenviertel weggeräumt, die Favela Mêtro, Menschenrechtler sind entsetzt. "Es handelt sich um eine Säuberung", klagt eine Nachbarschaftsaktivistin.

In São Paulo, wo es am 12. Juni 2014 losgehen soll, am brasilianischen Valentinstag, wurde wiederum so lange um die neue Arena des Klubs Corinthians gestritten, dass erst kürzlich die Schaufelbagger anrückten. São Paulo wäre als Standort beinahe ausgeschieden, aber Corinthians ist der Lieblingsklub des früheren Präsidenten Lula.

Auch kommt es manchem übertrieben vor, dass in zwölf Städten gespielt wird. Außer Rio und São Paulo machen Brasilia, Cuiabá, Curitiba, Fortaleza, Manaus, Belo Horizonte, Natal, Porto Alegre, Recife und Salvador mit, in einigen Fällen auf Wunsch mächtiger Provinzgouverneure. Absurd überlastete Flughäfen wie Rios Galeao und Guarulhos bei São Paulo müssen dringend modernisiert und erweitert werden. Mindestens 14 Milliarden Dollar will die boomende Nation investieren, allerdings fragen sich viele, wo das Geld herkommen soll.

Skandale gibt es reichlich. Im Rahmen einer umfangreichen Bestechungsaffäre sitzt auch ein vormaliger Transportminister im Gefängnis. Und Verbandspate Teixeira wird seit geraumer Zeit mit den bizarrsten Geschäften im Verbindung gebracht. "Ich will nicht sagen, dass das eine Mafia ist", sagte der frühere Torjäger und heutige Abgeordnete Romário, "aber in unserem Fußball bestimmt eine Bande mit Zylinderhüten." Eine parlamentarische Untersuchungskommission will ermitteln, mit welchen Winkelzügen und wie genau Teixeira an den WM-Gewinnen beteiligt ist, offenbar zu 50 Prozent.

Die Hausherren lässt die Kritik kalt, auf ausländische Einmischung reagiert Brasilien empfindlich. Die Fifa werde überraschende Fortschritte erkennen, verspricht Sportminister Orlando Silva. An Teixeira perlt jede Kritik wie gehabt ab wie an Teflon, aber vor dem Start der Auslosung haben Demonstranten eine Bitte: "Für eine WM des Volkes - raus mit Ricardo Teixeira."