Rangnick bei Manchester United:Ein Pate für Ronaldo und Pogba

Lesezeit: 3 min

Noch ist Ralf Rangnicks Verpflichtung als Trainer von ManUnited nicht offiziell. Aber er wird von Medien und Kollegen wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel mit Vorschusslorbeeren überhäuft.

Von Javier Cáceres

Archive sind manchmal unerbittlich, und auch ein Ralf Rangnick, 63, kann sich dem nicht entziehen. Kaum, dass die Nachricht von seinem bevorstehenden Engagement bei Manchester United herum war, da zogen die englischen Medien ein Interview mit der Times hervor, in dem Rangnick erklärte, vor etlichen Monaten eine mögliche Anstellung beim FC Chelsea ausgeschlagen zu haben. Sie hätten ihn nur übergangsweise gewollt, berichtete er seinerzeit, aber: "Ich bin kein Interims-Coach", weil: "Für die Medien und die Spieler wäre ich der Vier-Monate-Trainer, vom ersten Tag an eine lahme Ente."

Rangnick wird wohl Interimscoach in Manchester

Nach Lage der Dinge wird er nun wohl genau das: Interims-Coach. Nicht beim FC Chelsea. Sondern bei dessen kommendem Gegner in der Premier League, bei Manchester United, der am Sonntag im Stadion an der Stamford Bridge gastiert (17.30 Uhr/live in Sky). Nach Saisonende soll dann ein neuer Trainer installiert werden, und Rangnick wie zurzeit noch bei Lokomotiv Moskau, Berater für die strategische Ausrichtung von Manchester United werden.

Auch am Freitag hatte sich Rangnick selbst noch nicht zu der spektakulären Wende geäußert - und auch nicht seine Arbeitspapiere in Old Trafford unterzeichnet. Mit dem Vorgang vertraute Quellen versicherten aber, dass die Erledigung der Formalien nur noch eine Frage der Zeit war, mit der offiziellen Verkündung des neuen Arbeitsverhältnisses sei zu Beginn kommender Woche zu rechnen.

Die Anwälte beider Parteien würden noch über die Verträge schauen; zudem galt es die Arbeitserlaubnis zu erhalten, das nimmt seine Zeit in Anspruch. Manchester United wiederum hüllte sich am Freitag in Schweigen - mit Ausnahme des aktuellen Interimstrainers Michael Carrick, 40, der die Mannschaft seit der Entlassung von Ole Gunnar Solksjaer trainiert. Carrick wird - wie schon beim siegreichen Champions-League-Ausflug nach Villarreal, Spanien - auch am Sonntag beim Gastspiel an der Stamford Bridge des FC Chelsea auf der Bank sitzen.

Er wisse "nicht viel" über die Personalie, sagte Carrick. Aber daran, dass Rangnick tatsächlich das Amt bis Saisonende übernimmt und damit schillernde Figuren wie Cristiano Ronaldo und Paul Pogba nach seiner Pfeife tanzen lässt, wollte niemand mehr zweifeln. So wenig jedenfalls, dass Liverpools deutscher Trainer Jürgen Klopp ein erstes Urteil wagte: "Das ist keine gute Nachricht - für die anderen Teams", scherzte Klopp.

"Er ist ein richtig guter Coach" und "unter uns deutschen Trainern hoch angesehen", schwärmte also Klopp, 54. In einem Wort: "outstanding". Klopp bestätigte damit den Eindruck, den die englischen Zeitungen am Freitag unter ihren Lesern erweckt hatten. "Die Premier League wird interessanter", schrieb der Guardian; "der Pate des Gegenpressing" sei im Anmarsch, verkündete wiederum die Zeitung Daily Telegraph - Rangnick sei ein Experte, "der die Premier League mit seinen Errungenschaften überschwemmt" habe.

Rangnick bei Manchester United: Ein Bild aus dem Jahr 2011: Ralf Rangnick mit einem hocherfreuten Jürgen Klopp.

Ein Bild aus dem Jahr 2011: Ralf Rangnick mit einem hocherfreuten Jürgen Klopp.

(Foto: Imago/Imago)

Rangnick kennt mehrere Spieler aus Liverpool

Das war sowohl auf Liverpool-Spieler wie Ibrahima Konaté, Naby Keita oder Sadio Mané gemünzt, die Rangnick seinerzeit ins RB-Imperium geholt hatte und nun beim FC Liverpool spielen. Aber auch auf Trainer wie den früheren RB-Trainer Ralph Hasenhüttl, der mittlerweile bei Liverpools Samstags-Gegner FC Southampton angestellt ist. Oder auf Thomas Tuchel, der zu Beginn des Jahres den FC Chelsea übernommen und danach im Sommer die Champions League gewonnen hatte. Auch er sprach hochachtungsvoll über Rangnick.

Unter anderem erinnerte der 48-jährige Tuchel daran, dass er unter Rangnick in Ulm einst Spieler gewesen war - und dass ebendieser Rangnick ihm zum Trainerjob riet, als eine Verletzung seinen Traum von einer Profikarriere platzen ließ. Vor allem aber habe Rangnick seinen Blick auf den Sport verändert. "Er hatte einen Rieseneinfluss auf uns alle", sagte Tuchel - und erläuterte überaus plastisch, wie sehr Rangnick in Deutschland für einen raumorientierten Blick im Fußball gesorgt hatte: "Er zeigte uns auf, dass es nicht nötig ist, einen Gegenspieler bis auf die Toilette zu verfolgen."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB