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Lügenvorwurf gegen den DFB:Ballack zieht in den Rosenkrieg

Wer lügt - Michael Ballack oder der DFB? Im Streit über den Rauswurf durch Bundestrainer Joachim Löw steht es Aussage gegen Aussage. Der Ex-Kapitän macht dem Verband schwere Vorwürfe. Der deutsche Fußball diskutiert jetzt seinen eigenen Kachelmann-Fall - in einer banalen Variante, aber ähnlich bitter.

Michael Ballack ging am Sonntagnachmittag vorschriftsmäßig seiner Arbeit als Profi von Bayer 04 Leverkusen nach und absolvierte mit seinen Kollegen ein Übungsspielchen auf Hockeytore, als bei einem der vielen Reporter am Trainingsplatz eine Nachricht auf dem Telefon einging.

Bayer Leverkusen - Training Session

Leverkusen-Spieler Ballack (beim Training am Sonntag): Wer hat Recht, er oder Löw?

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Der Absender war Michael Ballack, allerdings nicht der Bayer-Profi, sondern der ehemalige Nationalspieler. Und wieder war die unschöne Geschichte um den Abschied des verdienten Capitano a.D. aus der DFB-Auswahl um eine Wendung reicher. Nun steht Aussage gegen Aussage, der deutsche Fußball diskutiert jetzt seinen eigenen Kachelmann-Fall - in einer banalen Variante, aber mit ähnlicher Erbitterung in der Öffentlichkeit betrieben.

Das Treffen im März

Nachdem am Samstag der Deutsche Fußball-Bund in Gestalt von Generalsekretär Wolfgang Niersbach geschildert hatte, wie der Bundestrainer Ende März seinem ehemaligen Kapitän die Nachricht vom Ende der Karriere in der Nationalelf bei einem Treffen in Meerbusch bei Düsseldorf sachlich klar beigebracht habe, konterte der Betroffene nun mit seiner Sicht: "Wenn der Bundestrainer Wolfgang Niersbach erzählt haben sollte, er habe bei unserem Gespräch am 30. März zu mir gesagt: ,Micha, das war's für dich, und lass das jetzt mal sacken', oder ,Ich plane nicht mehr mit dir', dann ist das schlichtweg nicht wahr. Das genaue Gegenteil war der Fall", schrieb Ballack in der persönlichen Erklärung, die der Sport-Informations-Dienst (sid) erhielt.

Damals habe er von Löw erfahren wollen, wie er mit ihm plane: "In diesem Gespräch vermittelte er mir, dass er mich nach meinen Verletzungen wieder auf einem guten Weg sieht und durchaus daran glaubt, dass ich es in jedem Fall noch einmal schaffen kann, in die Nationalelf zurückzukehren; dass ich ein Kämpfertyp sei. Er hat mich motiviert und aufgefordert, nicht hinzuschmeißen."

Niersbach hatte am Samstag eine andere Version erzählt. Er berichtete, dass nach Löws Treffen mit Ballack im März nur noch die Verkündung des Rücktritts offenblieb, und dass es danach "noch einige Telefonate zwischen dem Bundestrainer und Michael und seit Anfang Mai auch zwischen Michael und mir" gegeben habe. Man habe vereinbart, sich nach der Länderspielreise im Juni abschließend zu verständigen.

Dann legte Niersbach dar, wie Löw und er selbst versucht hätten, mit Ballack Kontakt aufzunehmen. Man habe Nachrichten und SMS auf Mobiltelefonen hinterlassen, doch "trotz aller Bemühungen" keine Antwort erhalten.

Niersbach war als Mittelsmann eingeschaltet worden, weil der eigentlich prädestinierte Mann für diese Aufgabe, Manager Oliver Bierhoff, aufgrund der bekannten Animositäten nicht in Frage kam. Jetzt verriet der Generalsekretär, dass man Ballack, 34, angeboten habe, "sowohl gegen Uruguay als auch gegen Brasilien zu spielen, um somit am 10. August in Stuttgart die außergewöhnliche Zahl von 100 Länderspielen zu erreichen.

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