Handball-EM:Wusch und quietsch

Handball-EM: Sitzt vor der EM sinnbildlich in einem stehenden ICE: Handball-Nationalspieler Timo Kastening.

Sitzt vor der EM sinnbildlich in einem stehenden ICE: Handball-Nationalspieler Timo Kastening.

(Foto: Marco Wolf/Wolf-Sportfoto/Imago)

Die Deutsche Bahn ist der Mobilitätspartner bei dieser Handball-EM - und fährt nicht. Nicht so schlimm, vielleicht tut's fürs Erste einfach ein neuer Slogan.

Glosse von Carsten Scheele, Köln

Wusch! Da rauscht wieder ein ICE-Schnellzug von links nach rechts über die LED-Banden in den Hallen dieser Handball-Europameisterschaft. Toll, was technisch alles möglich ist, und toll natürlich auch, dass sich der Deutsche Handballbund (DHB) einen eigenen Mobilitätspartner für sein großes Turnier gesichert hat. Die EM findet in sechs deutschen Städten statt, einmal quer durchs Land verteilt, von Hamburg bis München, von Köln bis Berlin.

Wer bringt die Fans von einer zur anderen Halle? Klar, die Deutsche Bahn. Sogar Fantickets gibt's, damit es nicht zu teuer wird. Für 29 Euro von Spielort zu Spielort für alle, die eine Eintrittskarte vorweisen können. Und das alles in Höchstgeschwindigkeit. Man kann es nur wiederholen: toll, toll, toll!

Blöd nur, wenn die Bahn ein klitzekleines Beförderungsproblem hat und - quietsch! - gar nicht fährt. Die Frage, was der Lokführer-Zampano Claus Weselsky für den Handball übrig hat, erübrigt sich an dieser Stelle. Kann nicht viel sein, sonst hätte er den deutschen Bällewerfern nicht gleich zwei mehrtägige Streikaufrufe ins wichtigste Turnier seit Jahren geknallt: Einen pünktlich zum Weltrekord-Eröffnungsspiel in Düsseldorf, zu dem mehr als 50 000 Fans anreisten; im Anschluss wechselte die deutsche Vorrundengruppe übrigens komplett aus dem Rheinland nach Berlin, was zu einigen Problemen führte. Und einen zweiten Streik zum Ende der Hauptrunde sowie zum Start der Halbfinals, wenn Tausende Dänen von Richtung Hamburg nach Köln übersiedeln, von den deutschen Zuschauern mal abgesehen.

Die Bahn sagt jetzt, die Lokführer (und deren ehrgeizige Forderungen) seien schuld. Die Lokführer sagen, die Bahn soll endlich den Angestellten geben, was den Angestellten zusteht. Was können die Handballer tun: Die Spiele aussetzen? Den Lokführern die Differenz zwischen Wunsch und Wirklichkeit selbst überweisen? Ein Busunternehmen fragen, ob es Mobilitätspartner werden will? Vielleicht hilft fürs Erste ein neuer Slogan. Die Bahn hatte sich einen wunderbaren Spruch ausgedacht für ihre Kampagne: "65 Spiele, 17 Spieltage, 6 Städte - wir bringen euch umweltfreundlich zu den Spielen." Die SZ schlägt eine Modifikation vor: "65 Spiele, 9 Streiktage, 80 Prozent Zugausfall - viel Glück."

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