FC Bayern bindet Goretzka:Die zentrale Bayern-Achse steht

Champions League: Leon Goretzka beim Spiel FC Barcelona gegen den FC Bayern

"Energiequelle" für den FC Bayern: Leon Goretzka.

(Foto: Marc Gonzalez Aloma/Action Plus/Imago)

Nach Joshua Kimmich verlängert auch Leon Goretzka langfristig in München. Der Rekordmeister sieht in ihm ein "Gesicht des Vereins" - Goretzka erkennt bei den Bayern ein internationales Alleinstellungsmerkmal.

Von Maik Rosner

Als der FC Bayern am trainingsfreien Donnerstag die Vertragsverlängerung mit Leon Goretzka bis 2026 bekanntgab, kam diese Nachricht ungefähr so überraschend wie ein Meistertitel für die Münchner. Seit langem hatte sich abgezeichnet, dass der deutsche Nationalspieler seine Zukunft beim deutschen Branchenprimus sieht. Goretzka hatte das mehrfach betont. Dennoch verstrich einige Zeit, bis alles ausverhandelt war, was er auf der Pressekonferenz als "Anerkennung" bezeichnete, wenngleich es ihm nicht darum gegangen sei, "noch den letzten Euro rauszuquetschen", wie es Goretzka formulierte. Vollzug vermeldet wurde nun passenderweise kurz vor dem Heimspiel am Samstag gegen seinen Heimatverein VfL Bochum.

"Es ist für die Entwicklung und den Erfolg des Klubs immer ganz entscheidend, dass wir die Leistungsträger langfristig an uns binden", sagte Vorstandschef Oliver Kahn und wertete Goretzkas Unterschrift als Zeichen der Überzeugung, "dass wir auch in Zukunft so erfolgreich sein werden, wie wir es in der Vergangenheit waren". Sportvorstand Hasan Salihamidzic bezeichnete Goretzka als "Gesicht unseres Vereins" und "Energiequelle". Die Verlängerung nach der von Joshua Kimmich bis 2025 sei "ein Zeichen nach innen und außen in ganz Europa, dass wir diese Mannschaft zusammenhalten wollen und in den nächsten Jahren was vorhaben". Die beiden Mittelfeldspieler seien "Herz und Seele unserer Mannschaft". Bis mindestens 2023 wird der FC Bayern damit von einer zentralen Achse von Torwart Manuel Neuer über Kimmich und Goretzka bis zu Thomas Müller und Robert Lewandowski angetrieben. Von den aktuellen Stammspielern hat nur Niklas Süle ein Arbeitspapier, das nach dieser Saison endet.

"Diese Kombination aus Freundschaft und der Fähigkeit, Titel zu gewinnen, die findet man, glaube ich, nirgendwo sonst"

Trotz der neureichen Konkurrenz aus Paris und England glauben sie beim FC Bayern fest daran, künftig ähnliche Erfolgsjahre wie 2020 erleben zu können, als sie sechs Titel gewannen. "Das gilt es zu wiederholen", sagte Salihamidzic. Goretzka sieht dafür ebenfalls gute Chancen, auch wegen jener Spieler, die sich schon seit der Jugend kennen. Dazu zählen neben ihm und Kimmich auch Serge Gnabry und Süle, die alle ebenfalls 26 Jahre alt sind. "Wir haben hier beim FC Bayern eine ganz außergewöhnliche Mannschaft beisammen, geprägt auch von meinem Jahrgang, dem 95er-Jahrgang", sagte Goretzka. Hinzu kommen viele weitere Spieler, die Mitte 20 sind sowie Neuer, 35, Müller, 32, und Lewandowski, 33, als erfahrene Stammkräfte. "Diese Kombination aus Freundschaft und trotzdem der Fähigkeit, Titel zu gewinnen, die findet man, glaube ich, nirgendwo sonst in Europa", sagte Goretzka. Zudem zeigte er sich überzeugt, dass Trainer Julian Nagelsmann, 34, die Mannschaft "auf ein neues Niveau bringen" werde.

Unbedingt halten wollten sie Goretzka auch als Aushängeschild des Vereins, als "Persönlichkeit" und "Meinungsbildner", wie ihn Präsident Herbert Hainer bezeichnete. Goretzka engagiert sich seit Jahren gesellschaftlich, wie mit der Spenden-Initiative "WeKickCorona", die er mit Kimmich 2020 ins Leben gerufen hatte. Auch das trägt zu seinem Stellenwert bei. Goretzka ist einer der wenigen Profis, die sich aus eigenem Antrieb politisch positionieren und sozial einbringen. Ein Beispiel dafür waren seine Aussagen 2019 nach rassistischen Anfeindungen gegen seine Kollegen Leroy Sané und Ilkay Gündogan beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen Serbien in Wolfsburg. "Ich bin ein Kind des Ruhrgebiets. Da antwortet man auf die Frage nach der Nationalität mit Schalke, Dortmund oder Bochum", hatte er gesagt.

Gegen seine Bochumer geht es nun in der Liga, vier Tage nach dem souveränen 3:0-Auftaktsieg in der Champions League beim FC Barcelona. Zwölf Jahre lang hatte Goretzka beim VfL gespielt und danach für fünf Jahre beim FC Schalke, ehe er 2018 ablösefrei zum FC Bayern ging. Damals begleiteten ihn auch Zweifel. Doch schon in seiner ersten Saison etablierte er sich als wichtiger Bestandteil der Mannschaft mit 30 Ligaeinsätzen, in denen ihm acht Tore und fünf Vorlagen gelangen. Inzwischen zählt Goretzka mit seiner Konstanz zu den unumstrittenen Stammkräften. Auch deshalb sehen sie in ihm eine Säule der Zukunft, daran ändert auch die jüngste Verpflichtung von Marcel Sabitzer, 27, nichts, der ähnlich wie Goretzka am liebsten als Achter aufläuft. Nagelsmann kündigte bereits an, gegen den Aufsteiger Bochum rotieren zu lassen. Aber es gebe Spieler, die unbedingt auflaufen wollen, sagte er, "denen werde ich das Spiel nicht wegnehmen". Das dürfte Goretzka gegolten haben, dem zweiten Bochumer der Bayern nach Hermann Gerland. Wie den ehemaligen, langjährigen Co-Trainer zieht es auch Goretzka immer wieder in seine Heimat. Der VfL sei einst seine "absolute Wohlfühloase" gewesen, sagte er am Donnerstag und sprach von "Liebe zu dem Verein". Und dort, in Bochum, sei er noch immer "Leon, der Kumpel und nicht Leon, der Profi". Nun sieht man sich in München wieder, in seinem persönlichen Freundschaftsspiel gegen den VfL.

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