Dzsenifer Marozsan in der WM-Qualifikation:Deutschlands veränderte Regisseurin

Germany Press Conference & Training - FIFA Women's World Cup France 2019

104 Länderspiele für Deutschland: Dzsenifer Marozsan.

(Foto: Maja Hitij/Getty Images)

Seit ihrem Wechsel zu OL Reign in den USA hat Dzsenifer Marozsan ihre Spielweise angepasst: Sie hat kämpfen gelernt. Davon wollen Deutschlands Fußballfrauen mit Blick auf die EM im kommenden Jahr profitieren.

Von Anna Dreher

Schwierig sei das am Anfang gewesen, diese Umstellung, erzählt Dzsenifer Marozsan. Schnelligkeit, Athletik, Kraft - alles intensiver in der US-amerikanischen Profiliga NWSL und auch sonst ist vieles anders für sie in einem neuen Land. Aber genau das hatte Marozsan gewollt: eine Herausforderung nach all den Jahren, nach insgesamt fünf Titeln in der Champions League mit dem 1. FFC Frankfurt und Olympique Lyon, nach mehreren Pokalsiegen und gewonnenen Meisterschaften. "In Europa wurde nach meiner Spielart gespielt. Jetzt ist mehr Kampf und Defensivarbeit angesagt, das tut mir ganz gut", erzählt die Nationalspielerin am Mittwoch. "Athletisch ist es wirklich ein anderes Niveau - nicht der schönste Fußball, aber ich wollte ja auch deswegen hin, um an mir zu arbeiten."

Wenn Marozsan in diesen Tagen zum Start in die WM-Qualifikation wieder beim deutschen Nationalteam weilt, steht eine veränderte Regisseurin auf dem Platz. Immer noch eine, die zu den technisch versiertesten und überhaupt begabtesten Fußballerinnen der Gegenwart zählt. Aber die 29-Jährige ist flexibler und körperlicher in ihrem Spiel geworden, seit sie im Sommer auf Leihbasis zu Lyons Partnerklub OL Reign nach Tacoma/Washington gewechselt hat. Dort spielt sie mit US-Kapitänin Megan Rapinoe. "Ich bin sehr gerne am Ball und habe gerne viele Ballkontakte, das geht in Amerika nicht", sagt Marozsan. "Da geht der Ball oft übers Mittelfeld drüber. Die ersten Spiele waren sehr schwer für mich, ich habe sehr viel dazugelernt."

Davon will auch das Nationalteam profitieren. Für die Mannschaft von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg beginnt am Samstag gegen Bulgarien (16 Uhr, ARD) die WM-Qualifikation. Am Dienstag (16 Uhr, ZDF) steht die zweite Partie gegen Serbien an. Beide sind zugleich gewissermaßen Vorbereitungsspiele auf die Europameisterschaft 2022 in England, bei der Marozsan wieder eine tragende Rolle zukommen dürfte. "Wir haben das Gefühl, dass es ihr richtig gut tut, in der Defensive anders arbeiten zu müssen. Gerade, wenn es auf den zweiten Ball geht", sagt Co-Nationaltrainerin Britta Carlson. "Das wird sie weiterbringen und ihrem Spiel gut tun - und das wird auch uns gut tun."

Ein Dreivierteljahr hat Marozsan kein Länderspiel bestritten, weil sie erst aufgrund Corona-Maßnahmen nach Positivfällen in Lyon und dann wegen des Umzugs in die USA ausfiel. Nun soll sie einen erfolgreichen Start in die entscheidende Phase mit einleiten. Bei der EM 2017 und der WM 2019 schieden die DFB-Frauen im Viertelfinale aus, für Olympia 2021 konnte sich das Team nicht qualifizieren. In einer Mischung aus jungen Talenten und erfahreneren Kräften sollen die EM 2022 und die WM 2023 wieder zu Erfolgserlebnissen werden. Marozsan wird dann als Spielerin von Olympique im Kader stehen, ab Januar spielt sie wieder in Europa.

© SZ/vk
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