FC Bayern:Alte Rezepte fürs neue Europa

FC Bayern. Robert Lewandowski jubelt gegen RB Leipzig

Bayerns Robert Lewandowski hat wieder einmal getroffen. Aber trifft er auch in Europa wieder konstant?

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Der FC Bayern könnte in dieser Saison zwischen den Ligen hängen: Der Kader dürfte zu gut für die Bundesliga sein - aber ist er auch groß und gut genug für die Spitze Europas?

Kommentar von Christof Kneer

Nein, man muss das nicht mehr wissen, aber daran erinnern darf man ruhig nochmal: Die Bayern haben mal einen Stürmer namens Jan Schlaudraff verpflichtet, und zwar aus einem einzigen Grund: weil er angeblich schon mit Werder Bremen einig war. Das wollen wir doch erst mal sehen, dachte sich also Uli Hoeneß und drehte den jungen Mann nochmal um. Entsprechend verlief Schlaudraffs Karriere beim FC Bayern, er blieb ein einziges Jahr, und das einzige Tor, das er für die Bayern schoss, erzielte er für die zweite Mannschaft.

Dass die Münchner ihre Rivalen schwächen, indem sie ihnen die besten Spieler wegkaufen, ist ein altes Liga-Narrativ, es stammt aus der glücklichen Zeit, als das Modewort "Narrativ" noch nicht erfunden war. Die Bayern mögen diese Geschichte gar nicht, sie werden wahrscheinlich auch jetzt darauf bestehen, dass Julian Nagelsmann, Dayot Upamecano und Marcel Sabitzer nur deshalb aus Leipzig nach München gekommen sind, weil sie so tolle Trainer und Spieler sind.

Natürlich sind die drei ausgepfiffen worden, als sie nun mit ihrem neuen Klub bei ihrem alten gastierten, aber auch das war keine großen Schlagzeilen mehr wert. Überläufer wurden schon immer ausgepfiffen, und so passte das Narrativ von den verlorenen Söhnen ausgezeichnet zum Spiel in Leipzig.

Vieles, was dort zur Aufführung kam, hat man schon so oft erlebt, dass man gar nicht mehr wusste, ob man gerade ein Live-Spiel oder eine Wiederholung sah: einen FC Bayern, der mit den besten Spielern des Gegners antritt; ein günstiges Schicksal, das sich darum kümmert, dass alle knappen und strittigen Momente an den FC Bayern gehen; unterm Strich ein Sieg, der sich als Machtdemonstration verstehen lässt.

Man kann dem FC Bayern nicht verübeln, dass er den bewährten Rezepten aus seiner Hausapotheke vertraut, erst recht jetzt, in einer Zeit, in der plötzlich eine neue Erzählung kursiert, die selbst den Bayern gefährlich werden könnte. Zwar hat das Spiel in Leipzig den Anfangsverdacht bestätigt, dass die Transfers von Nagelsmann, Upamecano und Sabitzer ausreichend sein dürften, um in der Bundesliga den zehnten Meistertitel in Serie an sich zu reißen; aber die anstehende Champions-League-Partie beim FC Barcelona weitet den Blick.

Nicht zuletzt der Transfermarkt hat gezeigt, dass sich die Lage im europäischen Spitzenfußball durch Corona massiv verändert hat, es sind jene Klubs ausgerissen, die sich dank freundlicher Mitwirkung von Oligarchen und Emiraten vom Krisenvirus emanzipieren konnten: Manchester City, Paris Saint-Germain, der FC Chelsea, auch Manchester United.

Es wirkt, als hänge der FC Bayern so sehr zwischen den Ligen wie seit vielen Jahren nicht mehr. Für die Bundesliga ist der Kader zu gut - ob er aber groß und damit gut genug ist, um an der Spitze des neuen Europa wettbewerbsfähig zu sein, darüber wird man womöglich schon am Dienstagabend einen ersten Eindruck erhalten.

© SZ/bek/cca
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Man kann den Münchnern nicht vorwerfen, dass sie im Sommer den Trainer und zwei prägende Spieler vom Rivalen verpflichtet haben. Spannend wird die Bundesliga so aber nicht.

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