DFB-Frauen in der Nations League:Hrubeschs Mut zur Veränderung

DFB-Frauen in der Nations League: Blüht auf in neuer Rolle: Sjoeke Nüsken (rechts) ragte im Nations-League-Spiel gegen Dänemark heraus.

Blüht auf in neuer Rolle: Sjoeke Nüsken (rechts) ragte im Nations-League-Spiel gegen Dänemark heraus.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Nüsken, Lohmann, Senß: Der Interims-Bundestrainer entdeckt für das Nationalteam neues Potenzial, vor allem im Mittelfeld. Auf dem Weg zur angestrebten Olympia-Qualifikation könnte dies ein wichtiger Faktor sein.

Von Anna Dreher

In der neunten Minute wurde Sjoeke Nüsken das erste Mal auffällig an diesem Abend, mit einem Schuss aufs Tor, der eine Ankündigung dessen war, was folgen sollte: eine Menge guter Aktionen, aus denen die Video-Analysten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) einen ansehnlichen Zusammenschnitt basteln könnten. Darunter jene Szene in der 75. Minute, als Nüsken sich clever am Strafraum positionierte und den Ball zu Alexandra Popp weitergab, was nur deshalb nicht zum Tor wurde, weil die Kapitänin nicht richtig rankam. Eine Vorlage gelang Nüsken gegen Dänemark später aber noch, beim 3:0 von Klara Bühl. Damit wurde die 22-Jährige zum Exempel - nicht nur für guten Fußball, sondern ebenso für den Zustand und wohl auch die Zukunft des Nationalteams.

Auf den ersten Blick lag die Bedeutung dieser Partie vor allem im Resultat: Dank des Sieges gegen Dänemark sind die DFB-Frauen nun Gruppenerste und haben die Chance gewahrt, am Finalturnier der Nations League teilzunehmen. Im Februar könnten sie dort um eines der beiden Europa-Tickets für Olympia 2024 kämpfen. Dazu muss diesen Dienstag (19.30 Uhr, sportschau.de) zwar noch ein Erfolg gegen Wales her, aber es wäre schon sehr überraschend, wenn das misslänge. Das Hinspiel gewannen sie 5:1.

Am ersten Dezemberabend zeigten sich aber darüber hinaus in personellen Veränderungen neue Potenziale - und das wiederum zeigt auch die Wirkungskraft von Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch. Der 72-Jährige scheint nicht nur mit dem Fokus auf das Wesentliche sowie diversen Gesprächen sowohl Spielerinnen als auch das Team zu stärken, sondern auch mit Entscheidungen, die das zuvor als gefestigt geltende Mannschaftsgefüge erfrischend auflockern. Besonders im Mittelfeld ist das zu beobachten.

"An denen vorbeizukommen, da werden sich einige strecken müssen", sagt der Coach

Nüsken beispielsweise hatte bei der Weltmeisterschaft in Australien keine Hauptrolle inne. Seit Hrubesch im Oktober von Martina Voss-Tecklenburg respektive deren Co-Trainerin Britta Carlson übernahm, wurde Nüsken zweimal zur Pause eingewechselt, gegen Dänemark spielte sie nun von Anfang an. Während andere stagnieren, blüht sie seit ihrem Wechsel von der Innenverteidigung ins defensive Mittelfeld auf - wo sie seit ihrem Wechsel von Eintracht Frankfurt zum FC Chelsea auch auf Klubebene spielt. "Sie ist richtig wichtig. Sjoeke ist gemacht für diese Sechser-Position", sagte Teamkollegin Sydney Lohmann in Rostock.

Zwar dürfte die Strategin Nüsken vom Fehlen der angeschlagenen Lena Oberdorf profitiert haben. Aber Hrubeschs Veränderungen griffen nicht nur auf dieser Position. Lohmann hätte auch sich selbst loben können, weil sie eindrucksvoll ihre Dynamik präsentiert hatte. Die 23-Jährige war anfangs in der Offensive neben Popp aufgestellt und interpretierte ihr Arbeitsumfeld mit einem großen Einzugsgebiet inklusive Torabschlüssen, der Fokus lag aber meist im Mittelfeld. Lina Magull, ihre Vereinskollegin beim FC Bayern und in den vergangenen beiden Turnieren mit viel Einsatzzeit, saß hingegen auf der Tribüne. Sara Däbritz - 103 Länderspiele, Europameisterin und Olympiasiegerin - wurde zur zweiten Halbzeit ausgewechselt. Für sie kam Elisa Senß auf den Platz, die bei ihrem Länderspieldebüt überzeugte. "Ich habe mich direkt sehr sicher gefühlt, weil ich ein starkes Kollektiv um mich herum hatte", sagte die 26-Jährige von Bayer Leverkusen in einem DFB-Interview. Hrubesch verleitete all dies zu einer Kampfansage: "An denen vorbeizukommen, da werden sich einige strecken müssen."

Vor ein paar Wochen noch waren Veränderungen und Darbietungen dieser Art schwer vorstellbar. Allein das dürfte sich für die Spielerinnen - unabhängig von der Olympia-Qualifikation - schon jetzt anfühlen wie ein Erfolg.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusMeinungU-17-Weltmeisterschaft
:Die Jungen mit den alten Tugenden

Leidenschaft, Widerstandskraft und Siege im Elfmeterschießen: Wie die U-17-Junioren des DFB Weltmeister geworden sind, gleicht einem Bildungsbeitrag für den deutschen Fußball und Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: