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Coronavirus:Der Spitzensport hat eine Vorbildfunktion

Auch Fußball-Revierderby Dortmund gegen Schalke ohne Publikum

Die Südtribüne im Dortmunder Stadion wird beim Derby gegen Schalke am Samstag leer bleiben.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Die Bundesliga sollte der Empfehlung von Jens Spahn folgen und die Stadien sperren. Das wäre ein angemessenes Zeichen - auch wenn das Aussperren von Besuchern zur finanziellen Belastung wird.

Bei terroristischen Bedrohungslagen ist es ein wichtiges Zeichen, sich nicht zu Hause zu verkriechen. Man stürzt sich ins Leben, man zeigt keine Angst: In solchen Momenten bewährt sich die freie Gesellschaft. Nun hat sich die freie Gesellschaft einer anderen epochalen Bedrohungslage zu stellen, einem Virus, und der beste Weg, der Krise Herr zu werden, scheint diesmal das genaue Gegenteil zu sein: sich zurücknehmen, im Zweifelsfall zu Hause bleiben.

Diese Verantwortung anzunehmen, darin besteht in den Tagen der Corona-Krise die Bewährungsprobe für jeden Einzelnen. Aber auch für alle gesellschaftlichen Gruppen - nicht zuletzt die große Gemeinde der deutschen Sportverbände, die große Menschenmassen bewegen, allen voran die Fußball-Bundesliga. Statt in jeder einzelnen Stadt, in jedem einzelnen Bundesland auf staatliche Direktiven zu warten, wäre es ein angemessenes Zeichen, zu erklären: Wir spielen vor leeren Rängen, aus Sorge um unsere Fans, um die Alten und Kranken, die von dem Virus besonders bedroht sind. So würde der Spitzensport seiner Vorbildfunktion gerecht und den Eindruck widerlegen, er leide an grenzenloser Hybris.

Die unverbindliche Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn, alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen, mag willkürlich klingen. Aber die Zahl 1000 gibt eine gewisse Orientierung und ist nach Meinung von Medizinern auch sinnvoll. Daran sollten sich nun alle halten in Politik, Kultur, Wirtschaft, Sport - auch dann schon, wenn zufälligerweise nur 999 Besucher in einem Opernsaal oder einem Stadion erwartet werden. Es dauert nun, bis Spahns Vorgabe durch das föderale deutsche System über die Bundesländer hinein in die Kommunen sickert; Bayerns Regierung setzt sie nun sinnvollerweise um. Aber das muss Veranstalter nicht daran hindern, selbst Verantwortung zu übernehmen. Auch wenn Absagen respektive das Aussperren von Besuchern zur finanziellen Belastung werden: Die Kosten einer eskalierenden Virenverbreitung könnten am Ende sehr viel mehr schmerzen.

Einfach mal zu Hause bleiben

Es ist eine bittere Ironie der Geschichte, dass der chinesische Staatschef Xi sich nun in Wuhan, wo die Epidemie ihren Anfang nahm, angesichts der stark sinkenden Zahlen von Neuerkrankungen als Corona-Bezwinger inszeniert. Offensichtlich will er damit die angebliche Überlegenheit des autokratischen Systems demonstrieren. Auch im Westen scheint es auf viele Menschen, zumal Wissenschaftler, eine gewisse Faszination auszuüben, wie rigoros China in der Krise Regionen absperrte, Menschen isolierte, das öffentliche Leben lahmlegte.

In den westlichen Ländern scheint man sich nun langsam in eine ähnliche Richtung zu bewegen, beispielhaft Italien, wo die Regierung Schulen und Universitäten schloss und das ganze Land zur Sperrzone erklärte. Nicht ausgeschlossen, dass auch Deutschland noch diesen Weg gehen muss. Aber Deutschland ist dann noch längst nicht China. Die rechtlichen Hürden, um die Bewegungsfreiheit einzuschränken, sind hier ungleich höher. Sperrzonen werden letztlich nur funktionieren, wenn die Menschen sich freiwillig daran halten. Einfach mal zu Hause bleiben: Auch das kann ein Ausdruck von Freiheit sein.

© SZ/mane
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