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Coronavirus:Ganz Italien eine Sperrzone: Was bedeutet das?

Die Regierung in Rom verstärkt den Kampf gegen das Virus und verbietet den Bürgern, ihre Häuser zu verlassen. Auch für Touristen hat das Folgen.

Von Xaver Bitz

Die italienische Regierung hat am Montagabend die Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit wegen der Coronavirus-Krise auf das ganze Land ausgeweitet. Etwa 60 Millionen Menschen sind von den Maßnahmen betroffen. Die neue Regelung gilt von Dienstag an.

Es gebe keine Zeit zu verlieren, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Premierminister Giuseppe Conte. "Es wird keine roten Zonen mehr geben (...) Es wird eine einzige Schutzzone Italien geben", so Conte. Das sind die Folgen für das Land:

Dürfen die Italiener überhaupt noch aus dem Haus?

Wer in Italien noch unterwegs sein - sprich seinen Wohnort verlassen - will, muss nun nachweisen, dass dies dringend notwendig ist. Wenn beispielsweise die Anwesenheit am Arbeitsplatz dringend erforderlich ist, muss der Gesundheitszustand überprüft oder andere wenigen Gründe angeführt werden, die Reisen über das unmittelbare Wohnumfeld hinaus ermöglichen. Die Bürger dürfen ihre Häuser grundsätzlich verlassen, allerdings wird ihnen empfohlen, zuhause zu bleiben.

Als Ausnahmen gelten neben der Arbeit Einkaufen, Arztbesuche oder die Hilfe für alte oder kranke Verwandte. Conte rief seine Landsleute auf, zu Hause zu bleiben, sofern sie nicht zur Arbeit müssten oder dringende Angelegenheiten zu erledigen hätten.

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Was sind die Folgen für das öffentliche Leben?

Veranstaltungen mit vielen Menschen dürfen im ganzen Land nicht mehr stattfinden. Alle öffentlichen Versammlungen werden verboten. Der öffentliche Verkehr sowie internationale Zug- und Flugverbindungen sollen weiter in Betrieb sein. Sportveranstaltungen wie Fußballspiele werden ausgesetzt. Die Schließung von Schulen und Universitäten wird landesweit bis zum 3. April verlängert. Conte forderte auch dazu auf, nicht mehr auszugehen oder den Abend mit Freunden in Bars und Restaurants zu verbringen. Kinos und Theater sind landesweit geschlossen. Läden, Bars und Restaurants haben nur eingeschränkt geöffnet.

Warum wird die Sperrzone auf ganz Italien ausgeweitet?

Einer der Gründe für die Entscheidung dürfte sein, dass viele Menschen aus den Sperrgebieten im Norden vor Beginn der Kontrollen in den bisher weniger betroffenen Süden gereist waren. Und auch, dass viele Menschen trotz Anweisung der Regierung dennoch ausgingen, so zum Beispiel viele junge Leute, die sich in Bars dicht an dicht drängten und so möglicherweise Ansteckungen förderten.

Was sind die Folgen für den Tourismus?

Reisende können wie bei den Sperrzonen im Norden auch in Zukunft ausreisen. Allerdings hatten Fluglinien ihre Verbindungen in den Norden zusammengestrichen oder ganz ausgesetzt. An den Grenzen sollen Einreisende nach Italien kontrolliert werden. Angesichts der Epidemie hatte das Auswärtige Amt in Berlin schon vorher von Reisen in zahlreiche Gebiete im Norden und in der Mitte Italiens abgeraten. Mit Kontrollen und Nachfragen von Sicherheits- und Ordnungskräften muss gerechnet werden. Außerdem müsse eine Selbsterklärung über die Notwendigkeit der Fahrt ausgefüllt und mitgeführt werden, so das AA.

Österreich hat am Dienstag einen weitgehenden Einreisestopp aus Italien beschlossen. Davon sollen aber vor allem Italiener betroffen sein. Die Durchreise deutscher Touristen soll weiterhin möglich sein. Das österreichische Außenministerium rief seine Bürger zur Rückkehr aus Italien aus.

Wie ist die allgemeine Coronavirus-Lage in Italien?

Mittlerweile haben sich fast 10 000 Menschen angesteckt, mehr als 460 sind gestorben. Die Krankenhäuser in den besonders betroffenen Zonen im Norden, etwa in der Lombardei, sind am Limit, Plätze auf den Intensivstationen sind knapp. Die Ausbreitungswelle des neuen Coronavirus war im Februar aufgefallen. Vermutlich ist das Virus aber schon länger im Land.

Am Wochenende hatte die Regierung die Lombardei und andere Gegenden in Norditalien zu Sperrzonen erklärt. Aus ihnen hinaus und in sie hinein durfte man nur mit triftigen Gründen - zum Beispiel aus arbeitstechnischen oder gesundheitlichen Gründen, oder wenn man zu seinem Wohnort zurückwill. Dazu muss man an Kontrollpunkten eine Selbsterklärung vorlegen. Dies soll nun auch für den Rest des Landes gelten.

Mit Material der Agenturen

© SZ/mane
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