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Coronavirus:Fußballfans müssen draußen bleiben

Auch Fußball-Revierderby Dortmund gegen Schalke ohne Publikum

Ein BVB-Schal vor leeren Rängen

(Foto: Uwe Anspach/dpa)
  • Im deutschen Fußball werden wegen der Verbreitung des Coronavirus zahlreiche Spiele unter Ausschluss der Zuschauer stattfinden.
  • Das trifft unter anderem auf Borussia Dortmund gegen Schalke 04 zu, auf die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln, aber auch weitere Spiele sind betroffen.
  • Auch die kommenden Heimspiele des FC Bayern werden ohne Zuschauer ausgetragen.
  • Der DFB beschließt den Ausschluss von Zuschauern auch für das Länderspiel zwischen Deutschland und Italien am 31. März in Nürnberg.

Am Montag hat Horst Heldt, der Manager des 1. FC Köln, noch klare Worte vermisst, stellvertretend für seine ganze Fußballbranche. "Ich würde mir wünschen, dass jemand eine klare Ansage macht. Das tut aber keiner", klagte Heldt. Alles, was aktuell wegen des grassierenden Coronavirus in Deutschland unternommen werde, sei "konsequent inkonsequent".

Mit ein paar Stunden Verspätung sind die Ansagen nun eingetrudelt, zwar häppchenweise, aber immerhin: Viele der anstehenden Fußballspiele werden unter Ausschluss der Zuschauer ausgetragen. Am kommenden Bundesliga-Spieltag sind bisher sechs der neun angesetzten Partien betroffen. Hier der vorläufige Überblick über die so genannten Geisterspiele:

  • Mittwoch, 18.30 Uhr: Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln (Bundesliga)
  • Donnerstag, 21 Uhr: VfL Wolfsburg - Schachtjor Donezk (Europa League)
  • Freitag, 20.30 Uhr: Fortuna Düsseldorf - SC Paderborn (Bundesliga)
  • Samstag, 15.30 Uhr: Borussia Dortmund - Schalke 04 (Bundesliga)
  • Samstag, 15.30 Uhr: 1. FC Köln - FSV Mainz 05 (Bundesliga)
  • Samstag, 15.30 Uhr: TSG 1899 Hoffenheim - Hertha BSC (Bundesliga)
  • Sonntag, 18.00 Uhr: FC Augsburg - VfL Wolfsburg (Bundesliga)
  • Montag, 20.30 Uhr: Werder Bremen - Bayer Leverkusen (Bundesliga)
  • Dienstag, 31. März: Länderspiel Deutschland - Italien in Nürnberg

Die Städte und Bundesländer kommen damit der Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach, Veranstaltungen ab einer Größe von 1000 Teilnehmern vorerst abzusagen. "Wir bedauern es sehr, dass es zu dieser Entwicklung gekommen ist", sagte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners, "folgen aber selbstverständlich den Vorgaben des Landes, das sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht hat." Gladbach liegt nur wenige Kilometer vom besonders stark vom Coronavirus betroffenen Kreis Heinsberg entfernt. Bei den anstehenden Partien zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg sowie Eintracht Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach wurden bis zum frühen Dienstagabend noch keine Entscheidungen über einen Zuschauerausschluss bekannt. Das Bundesliga-Spiel zwischen Union Berlin und dem FC Bayern soll am Samstagabend dagegen wie üblich vor Publikum gespielt werden, teilten die Berliner nach Rücksprache mit den Behörden mit.

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In vier Bundesländern - Nordrhein-Westfalen, Schleswig Holstein, Bremen und Bayern - ist es fortan untersagt, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern auszurichten. In Bayern gilt der Beschluss bis Ende der Osterferien (einschließlich 19. April), "das betrifft auch die ganzen Sportveranstaltungen", sagte Ministerpräsident Markus Söder. Also auch die Heimspiele des FC Bayern, der Klub hat bisher nur den Zuschauerausschluss beim Champions-League-Rückspiel gegen den FC Chelsea mitgeteilt, es dürfte hier ebenso zu weiteren "Geisterspielen" kommen. Auch das Bundesliga-Spitzenspiel der Münchner am 4. April beim BVB könnte nach Aussage der Stadt Dortmund vom Zuschauerausschluss betroffen sein.

Auch in der 2. Liga gibt es bei der Begegnung zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem Hamburger SV am Freitag (18.30 Uhr) das erste Geisterspiel wegen des Coronavirus. Die Partie werde "Stand heute unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden", teilte Fürth am Dienstag mit.

Betroffen vom Coronavirus ist auch das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am 31. März in Nürnberg gegen Italien. Auch hier werden die Zuschauerränge leer bleiben. "Über allem steht die Gesundheit. Wir sind im täglichen und intensiven Kontakt mit den zuständigen Stellen und vertrauen auf deren Expertise", sagte DFB-Generalsekretär Friedrich Curtius. "Die Behörden haben nun klare Vorgaben gemacht, für die wir in dieser für uns schwierigen und komplexen Frage sehr dankbar sind. Auch wenn es natürlich bitter ist, dass dieser Klassiker vor leeren Rängen stattfinden muss."

"Geisterspiele" hat die Bundesliga noch nicht erlebt

Die Bundesliga hat in all den Jahren sehr viel erlebt - "Geisterspiele" noch nicht. Im deutschen Profifußball wurde bislang nur in der 2. Bundesliga und 3. Liga vor leeren Rängen gespielt, insgesamt sechs Mal, auch im Europapokal waren deutsche Teams betroffen. Nicht aber in der Bundesliga. Weitere Zuschauerausschlüsse werden wohl folgen, alles andere wäre schwer vermittelbar. Das Gebot der Stunde ist, es dem Coronavirus so schwer wie möglich zu machen, sich in Deutschland weiter zu verbreiten.

Die Stadt Bremen fordert bereits von der Deutschen Fußball-Liga (DFL), alle Spiele der Bundesliga am kommenden Wochenende auszusetzen und zu verschieben. Die Zeit könnte genutzt werden, um eine "einheitliche Linie für die nächsten Spieltage" abzustimmen, erklärte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. "Ich erwarte eine bundesweite Entscheidung der DFL", ergänzte Innensenator Ulrich Mäurer, ähnlich wie in Österreich, wo am Dienstag alle Partien der ersten und zweiten Liga ausgesetzt wurden. Noch aber schweigt der deutsche Ligaverband.

Die ersten Klubs, darunter Köln und der SC Freiburg, haben vorsorglich den Ticketverkauf für ihre anstehenden Heimspiele gestoppt. "Den wirtschaftlichen Schaden durch mögliche Geisterspiele kalkulieren wir natürlich durch", sagte Kölns Manager Heldt. Der FC Augsburg erklärte, er rechne "mit einem sehr hohen sechsstelligen Verlust" pro "Geisterspiel". Trotzdem scheinen Partien ohne Zuschauer für den deutschen Fußballbetrieb noch die beste Option zu sein: Spielabsagen oder Verlegungen würden die DFL terminlich in ernste Nöte bringen. "Das ist nicht zu Ende gedacht", erklärte DFL-Chef Christian Seifert: "Da gibt es Verträge, sportliche Konsequenzen. Abstiege und Aufstiege. Wir brauchen den geregelten Spielbetrieb. Aufzuhören ist keine Option. Wir brauchen Mitte Mai eine Tabelle, damit die Klubs planen können."

Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) sieht die Lage drastischer. "Aus meiner Sicht kann man darauf verzichten, zu einem Fußballspiel zu gehen", sagte er. Die Lage ist ernst, und der ordnungsgemäße Bundesliga-Spielbetrieb vielleicht doch nicht die wichtigste Sache der Welt.

Mit Material der Nachrichtenagenturen

© SZ.de/sonn
DFL-Chef: Bundesliga-Spieltag mit Zuschauern ´nicht realistisch"

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